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Lobpreis & Anbetung

Sind Proben dafür da, neue Lieder zu lernen?

Dieser Artikel hilft dir, zu lernen, wie du eine Probe mit deinem Lobpreisteam/ deiner Band anbetungszentriert und effizient gestalten kannst, ohne dass alle genervt sind.

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Editor's Pick
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15. Mai
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7 min
Sns 0665

Ich bin mir sicher, dass sich nahezu jeder Musiker, der schon einmal in einer Lobpreisband gespielt hat, an Proben erinnern kann, die einfach nur mühsam, langwierig und anstrengend waren. Doch: Warum ist das so und was könnten mögliche Lösungen dafür sein?

Ich bin der Meinung: Eine Probendauer von 90 Minuten für 6-8 Lieder ist uns nicht für die Ewigkeit vorbehalten und gemeinsames Proben kann tatsächlich sehr viel Spaß machen! Daher ist es mir ein Herzensanliegen im Folgenden weiterzugeben, mit welcher Vorgehensweise ich in der Vergangenheit sehr gute Erfahrungen gemacht habe.

Ursachen für mühsame Proben

Häufig liegt das Problem zum einen darin, dass eine klare Vorstellung davon fehlt, wie die Songs musikalisch arrangiert werden sollen und wie man die Zeit des Lobpreises auch in geistlicher Hinsicht gestalten möchte. Zum anderen liegt es nicht selten auch daran, dass die Vorbereitung der einzelnen Musiker auf die Probe sehr unterschiedlich ist. Die besser vorbereiteten Musiker müssen in diesem Fall warten, bis die weniger vorbereiteten Bandmitglieder innerhalb der gemeinsamen Probe ihre Parts erlernt haben. Das führt zu Frust über einen Dienst, der eigentlich viel Freude bringen sollte und verschwendet innerhalb der Probe Ressourcen, die im Hinblick auf eine tiefe Anbetung effizienter investiert werden könnten. 

Wie bereite ich mich auf eine Probe vor?

Den oben genannten Problemen kann damit begegnet werden, dass die hauptsächliche Vorbereitung auf den Dienst nicht innerhalb der gemeinsamen Probe, sondern für jedes Bandmitglied individuell zuhause stattfindet.

Für die Vorbereitung empfiehlt es sich, dass die Leitung des Teams offizielle Versionen vorgibt und diese der Band zur Verfügung stellt. Das kann entweder passieren, indem man eine Playlist in einem Streamingdienst erstellt oder ein gemeinsames Organisations-Tool (bspw. ChurchTools / PlanningCenter) nutzt, um der Liederliste der Gemeinde generell feste Versionen zuzuordnen.
Dann hat die Band die Möglichkeit die Songs erst einmal rauf und runterzuhören. Das muss gar nicht aktiv passieren, sondern kann z.B. Zuhause im Hintergrund beim Abwasch oder während der Autofahrt zur Arbeit passieren. Für mich persönlich stellt das schon einen Großteil der Vorbereitung dar, weil es mir sehr hilft, wenn ich den Song beim ersten Spielen, bereits im Ohr habe.

Im nächsten Schritt kann man sich dann die Lieder genauer anhören und dabei auf folgende Dinge achten:  

Dynamik und Sound:

Lobpreislieder leben oft sehr stark von einer sich entwickelnden Dynamik. Ein typischer Verlauf wäre z.B., dass ein Song ruhig beginnt, sich immer weiter bis zum zweiten Chorus aufbaut, zu Beginn der Bridge noch einmal abfällt und sich dann innerhalb der Bridge erneut aufbaut. Als Teil der Band ist es unsere Aufgabe die Dynamik des Songs durch Sounds und Spielweise so gut es geht zu unterstützen. Tut man das nicht, führt es entweder dazu, dass man es in den Parts mit viel Dynamik verpasst, das Potential einer kraftvollen Anbetung mitzunehmen oder dass man sich in den Parts mit niedriger Dynamik in den Vordergrund spielt und die Aufmerksamkeit auf sich lenkt.  Häufig gibt es auf YouTube auch Tutorials, in denen man nachschauen kann, was das eigene Instrument, mit welchem Sound, in den bestimmten Parts des Songs spielt.

Ablauf:

Ich sollte grob wissen, wann welcher Part des Songs kommt und wie die Übergänge in die jeweiligen Parts stattfinden. Wenn die ganze Band den Ablauf verinnerlicht hat, führt das zu einer Einheit und Sicherheit, die sich meiner Erfahrung nach auf die Gemeinde ausweitet und zu einem Lob führt, dass sich voll und ganz auf Gott ausrichten kann, weil ablenkende Unsicherheit minimiert wurde.

Besonderheiten:

Folgende Fragen kannst du dir stellen, um die Probe kreativ zu bereichern:

  • Spielt mein Instrument ein markantes Intro oder Zwischenspiel?
  • Gibt es einen interessanten Break?
  • Gibt es eine Stelle, die für mein Instrument herausfordernd ist?
  • Was möchte ich genauso wie im Original spielen und wo habe ich eine eigene Idee, die ich in der Probe ausprobieren möchte? (Hierbei gilt es natürlich auch darauf zu achten, dass die eigenen Ideen der Dynamik des Songs dienen.)

Eventuell machst du dir Notizen zu den einzelnen Punkten in dein Sheet, damit du dich auf der Bühne sicherer fühlst. Wenn alle Musiker sich an diesen drei Komponenten orientieren und grob wissen, was sie wo spielen, wird die Probe mit Sicherheit deutlich zielgerichteter ablaufen als sonst.

Der richtige Fokus

Aber was meine ich eigentlich mit „zielgerichtet“ und „effizient“? Hiermit ist, wie du vielleicht schon gemerkt hast, nicht gemeint so wenig Zeit wie möglich in die Vorbereitung eines Dienstes zu stecken. Hiermit ist aber auch nicht gemeint das Beste musikalische Ergebnis hervorzubringen, indem keiner mehr Fehler machen darf. Gemeint ist folgendes: Wenn ich nach dem Lobpreis Rückmeldungen bekomme wie: „Ihr habt wirklich gut gespielt!“ oder „Danke fürs Musizieren!“, dann freue ich mich natürlich über das Lob, allerdings sagt es mir noch überhaupt nichts darüber, wie zielgerichtet der Lobpreis war. Denn das Ziel von uns als Musikern sollte ja schließlich sein, dass Menschen in eine Anbetung geführt werden, die von großer Dankbarkeit für Gottes Gnade, tiefer Demut vor Gottes Heiligkeit und Freude an unserem liebenden Vater geprägt ist. Daraus ergeben sich die Früchte, die wir als Diener Gottes hervorbringen sollen. Wieso ich glaube, dass die von mir beschriebene Art der zielgerichteten Vorbereitung letztendlich auch zu dieser zielgerichteten Anbetung führt, möchte ich zeigen, indem ich zwei Arten von Fragen aufgreife, denen ich häufig begegne, wenn ich dieses Thema in Workshops vorstelle.

„Wenn sich jede Band bei uns in der Gemeinde an der gleichen Version orientiert, klingen wir doch am Ende alle wie YADA, Outbreakband, Elevation Worship (etc.), geht da nicht die ganze Individualität verloren?“

Dieser Kritik liegt ein kleines Missverständnis zugrunde: Das Festlegen eines einheitlichen Ablaufs und einer vorgegebenen stilistischen Richtung bedeutet nicht, dass man in der Probe auf keinen Fall mehr davon abweichen darf. Es geht darum ein gemeinsames Fundament zu haben, auf das man dann zusammen aufbauen kann. Wenn keine einheitliche Vorbereitung vorliegt, bedeutet das, dass ein großer Teil der Probe dafür verwendet werden muss, einen grundlegenden Ablauf zu erarbeiten, zu überlegen wo dynamisch gesteigert und wo heruntergefahren werden soll und wie lange man beispielsweise einzelne Akkorde hält. Für die wirkliche kreative Ausgestaltung, mit der man nun seinen eigenen Stil mit hineinbringen kann, bleibt dann oft nur noch wenig Zeit. Sind die grundlegenden Fragen allerdings durch die individuelle Vorbereitung schon geklärt, so kann die Probe dazu verwendet werden, sich aufeinander abzustimmen und sich kreativ mit der musikalischen Gestaltung auseinanderzusetzen. Außerdem muss man sich bei dieser Kritik auch fragen, was die Motivation dahinter ist, den Ablauf nicht so machen zu wollen wie die Band, die den Song geschrieben hat oder welchen Sinn es hat, die stilistische Richtung eines Songs komplett zu verändern. Die Songwriter machen sich im Songwriting-Prozess vermutlich viele Gedanken, wieso der Song so gestaltet werden soll, wie er dann letztendlich veröffentlicht wird. Kreatives Abweichen davon kann natürlich im Spaß am Musizieren begründet sein, sollte aber nie dazu führen, dass die Gemeinde von der Anbetung abgelenkt werden könnte. Ich bin mir sicher, dass es Gott viel wichtiger ist, dass die Songs in vielen Gemeinden zu einer zielgerichteten Anbetung führen, als dass sie dabei auch in allen Gemeinden unterschiedlich klingen.  

Wenn wir vorher schon die Abläufe festlegen, hat dann der Heilige Geist überhaupt noch die Möglichkeit mitzugestalten?

Meine persönliche Erfahrung zeigt, dass diese Frage definitiv bejaht werden kann. Auch hier gilt, dass der vorgegebene Ablauf das Fundament ist, auf dem aufgebaut werden darf. Und das gilt sowohl für die musikalische Ausarbeitung als auch für die geistliche Leitung. Wenn ich als Lobpreisleiter an einem Sonntag die ganze Zeit überlegen muss, ob wir als Band jetzt noch einen Chorus spielen oder ob wir doch in die Bridge gehen, weil ich mich nicht mehr ganz an die Absprache erinnere, bin ich in diesem Moment alles andere als freigesetzt dafür, auf den Heiligen Geist zu hören. Habe ich den Ablauf aber durch vielfaches Anhören des Songs bereits „im Blut“, muss ich mir live deutlich weniger Gedanken darüber machen. Außerdem stellt sich die Frage, wie ich einen geistlichen Impuls, vom abgemachten Ablauf abzuweichen, live an die Band kommuniziere. Steht aber das Fundament, kann ich die Probe dafür nutzen mit der Band Absprachen zu treffen, an welchen Stellen ich mir offen halten möchte auf das zu hören, was der Heilige Geist tun möchte. Es bietet sich hier aber auf jeden Fall auch an, bereits festzulegen, was in dem Fall passiert, wenn ich als Lobpreisleiter von dem offiziellen Ablauf abweiche. Festlegen kann man beispielsweise, dass man den Song im gewohnten Ablauf durchspielt und danach in der letzten Akkordfolge bleibt. Oder man spricht beispielsweise vorher ab, dass es in der Bridge sein kann, dass ich als Lobpreisleitung nicht direkt anfange zu singen und eine spontane Zeit der Anbetung einbaue. Die Band muss sich in beiden Fällen nicht fragen, ob sie den in der Probe erarbeitenden Ablauf falsch verstanden hat und es entsteht keine Unsicherheit, die sich im schlechtesten Fall auf die Gemeinde projizieren würde.  

Abschließend ist es mir wichtig zu sagen, dass dieser Artikel kein „ideales Rezept“ für zielgerichteten Lobpreis vorschreiben kann und soll, denn das ist selbstverständlich unmöglich und das möchte ich auch überhaupt nicht. Der Artikel soll ein Konzept vorstellen, mit dem ich sehr gute Erfahrungen gemacht habe und ich möchte dich dazu einladen, dass du damit – wenn du möchtest – deine eigenen Erfahrungen machst. Viel Segen dafür!