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Proof of your Love

Ohne Liebe ist alles nichts

Wie ein roter Faden zieht sie sich durch die 66 Bibelbücher. Gottes Charakter, unsere Identität, unser Handeln, unsere Zukunftsaussichten – all das ist von ihr durchwoben. Sie ist so wichtig, dass Paulus seine theologische Abhandlung unterbricht, um ihr ein Gedicht zu widmen. Wovon ist die Rede? Na, von der Tonart der Bibel!

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9. Februar
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Proof of Your Love

Jedes Lied ist in einer bestimmten Tonart geschrieben: Perfect von Ed Sheeran in As-Dur zum Beispiel, Mozarts Für Elise in a-Moll und So groß ist der Herr in G-Dur. Eine Tonart macht das Gefühl eines Liedes aus (As-Dur finden wir – aus welchem Grund auch immer – edel, a-Moll klingt nachdenklich und zerbrechlich, G-Dur positiv und natürlich).  Die Tonart bestimmt alles, was in einem Lied passiert. Ein Lied ohne eine Tonart wäre in etwa, als würde man Wörter willkürlich aneinanderreihen. Wir verstehen zwar die einzelnen Wörter, aber sie ergeben im Ganzen keinen Sinn.

Hier spielt die Musik

Auch die Bibel wurde in einer bestimmten Tonart geschrieben. Wenn wir die nicht kennen und nicht hören können, dann macht unser Glaube irgendwie nicht richtig Sinn. Dann hören wir eine Aneinanderreihung von Wörtern (Gebote wie Du sollst nicht lügen, Geschichten wie Elia macht die Baalsproheten fertig, Namenslisten wie Irad zeugte Mehujael und wilde Zukunftsvisionen mit goldenen Stadtmauern). Wir verstehen dann zwar die Worte, lesen die Geschichten, handeln so gut es geht danach – aber irgendwie, irgendwie fehlt was. Wir führen “Befehle” aus, ohne sie zu verstehen. Wir haben einzelne Lehrüberzeugungen, die nicht zusammenpassen. Wir sehen Noten, aber hören nicht die Schönheit der Musik, des Stückes, das wir Evangelium nennen.

Die Tonart der Bibel ist Liebe.

Kurz gesagt könnte man zusammenfassen:

Wenn wir nicht verstehen, wie zentral (Gottes) Liebe in der Bibel ist, dann verstehen wir unseren Glauben nicht richtig.

Deswegen macht Paulus es auch zu seinem zentralen Gebet, dass wir mehr checken, wie wichtig das Thema ist:

Es ist mein Gebet, ...dass euer Leben in der Liebe verwurzelt und auf das Fundament der Liebe gegründet ist. Das wird euch dazu befähigen, ...die Liebe Christi in allen ihren Dimensionen zu erfassen – in ihrer Breite, in ihrer Länge, in ihrer Höhe und in ihrer Tiefe. Ja, ich bete darum, dass ihr seine Liebe versteht, die doch weit über alles Verstehen hinausreicht.

- Epheser 3,17-19

Weil Liebe so ein wichtiges Thema ist – und Lieder ohne Tonart wirklich keinen Sinn ergeben – machen wir jetzt einen Ausflug in vier Dimensionen von Gottes Liebe, genauer gesagt in vier Aspekte, in denen die Zentralität des Themas Liebe deutlich strahlt.

1. Gottes Wesen ist Liebe

Gott ist geduldig, aber er ist nicht Geduld. Er ist treu, aber nicht die Treue.

Und jetzt kommts: Gott liebt, aber er ist auch die Liebe (vgl. 1. Joh 4,8).

Liebe ist ein Wesensmerkmal, ein Charakterzug Gottes. Das bedeutet unter anderem, dass Gott zu keinem Zeitpunkt nicht liebt. Wir müssen lernen, auch Eigenschaften wie seinen Zorn als Ausdruck von seiner Liebe zu verstehen. Und wir müssen lernen, den Gott der Liebe im Alten wie im Neuen Testament zu entdecken.

Wenn wir über den Gott der Liebe nachdenken, gibt es zwei Fallen, in die wir oft tappen: Erstens bedeutet die Tatsache, dass Gott Liebe ist, nicht, dass der Umkehrschluss auch wahr ist: Liebe ist Gott. Das ist der große Fehlschluss unserer Gesellschaft. Zweitens ist der Gott der Liebe nicht der kuschelige “liebe Gott”, der uns manchmal als Weihnachtsmann-Abklatsch vor Augen geführt wird.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage: Wie kann Gott in sich Liebe sein? Wie kann er sich selbst lieben (vgl. Joh 17,23)? Da dringen wir direkt in eines der tiefsten Geheimnisse unseres Glaubens ein.

Gott kann Liebe sein, weil er drei in einem ist.

Von jeher existiert Gott in einem Zustand der Liebe.

Manche Theologen verwenden den schönen Ausdruck Tanz der Trinität. Liebende Liebe, vollkommen. Das ist ein spannendes und unfassbar komplexes Thema. Für unser Ziel (mehr verstehen, wie zentral das Thema Liebe ist), halten wir an dieser Stelle einfach fest: Gott ist in sich Liebe. Wow.

2. Unser primärer Daseinszweck ist Liebe

Unglaublich, aber wahr: Gott schafft Menschen, um sie hineinzunehmen in diesen Tanz der Trinität. Er will uns, und zwar damit wir »vor ihm seien in Liebe« (Epheser 1,4). Unser primärer Daseinszweck ist gar kein Zweck. Wir dürfen einfach sein.

Wir sind geschaffen aus Liebe, um geliebt zu werden.

Ja, das fällt uns manchmal schwer zu glauben. Wir denken, wir sind nicht wichtig genug. Oder zu sündig. Aber wenn wir das denken, wenn wir uns nicht sicher sind, ob Gott uns wirklich lieben kann – dann glauben wir an die falsche Art von Liebe. Dann glauben wir an eine Liebe, die liebt, weil das Objekt wertvoll ist (so wie jemand seinen neuen Porsche liebt). Gott hingegen liebt uns – und das macht uns wertvoll. Das ist eine ganz andere Art von Liebe. Das ist die Art von Liebe, die wir empfinden, wenn wir unser altes, kaputtes Kuscheltier hüten wie ein Schatz – egal wie viele Augen ihm schon ausgefallen sind.

Das klingt unglaublich – aber Gott behauptet nicht nur, uns mit dieser Art von Liebe zu lieben, er beweist es sogar. Genau so argumentiert Paulus in Römer 5,8: Jesus stirbt für uns, als wir noch Sünder waren. Er liebt uns, obwohl wir zerrupfte Kuscheltiere sind. Und diese Liebe macht uns wertvoll.

Das bedeutet ganz konkret zwei wunderschöne Dinge:

Weil wir uns Gottes Liebe nicht verdienen können, können wir sie auch nicht verlieren. Und es gibt nichts, was wir tun können, damit Gott uns weniger liebt.  

3. Unser zentraler Auftrag ist Liebe

Es reicht Gott nicht, dass du geliebt bist. Er will auch, dass du dich so fühlst – und so verhältst.

Und was machen geliebte Menschen? Sie lieben!

Jesus betont mehrfach, dass Gott sich am meisten von den Menschen wünscht, dass sie ihn und andere lieben (vgl. Matthäus 22,36-40). In 1. Timotheus 1,5 erklärt uns Paulus, dass alle Gebote darauf abzielen, dass wir lieben. Im Grunde genommen sind alle 613 Gebote (oder wie viele es auch sind!) einfach nur Hilfestellungen von Gott an uns, wie wir ihn und einander gut lieben können. Es geht Gott dabei nicht nur um unser Verhalten, vielmehr soll unser ganzer Charakter ein liebender Charakter werden, immer mehr (vgl. Galater 5,22). Gott sagt sogar, dass er sein Ziel erreicht hat, wenn wir einander wirklich lieben (vgl. 1. Johannes 4,12).

4. Unsere Zukunft ist Liebe

Es gibt viel, was auf der neuen Erde anders sein wird. Vieles wird uns überraschen. Aber eine Sache steht fest:

Die Liebe hört niemals auf. 

- 1. Korinther 13,8

Und wie passend: Im letzten Kapitel der Bibel (übrigens auch im ersten 😉 )... wird geheiratet! Was wir jetzt nur stückweise verstehen, wo wir nur ansatzweise einen Einblick bekommen in die Höhe, Breite, Tiefe und Länge der Liebe Gottes, das wird uns noch viel klarer. Wow! Wie schön ist die kurze Preview, die Johannes uns von dieser Hochzeit gibt:

Lasst uns jubeln vor Freude und ihm die Ehre geben, denn jetzt wird die Hochzeit des Lammes gefeiert! Seine Braut hat sich für das Fest bereitgemacht; sie durfte sich in reines, strahlend weißes Leinen kleiden.

- Offenbarung 19,7-8a

Die Tonart der Bibel

Wenn sich Musiker verspielen, klingt das schief. Wenn wir unseren Glauben leben oder teilen und dabei nicht die Grundtonart der Bibel, das Thema Liebe, glauben und lehren und leben, klingt das schief.

Da geht Schönheit verloren. Da geht Wahrheit verloren.

Deswegen ist es so wichtig, Liebe in der Bibel zu entdecken.

Und es ist deswegen so wichtig, weil unser Glaube manchmal Spannungen in uns erzeugt. Geschichten in der Bibel stoßen uns vor den Kopf. Genau so gibt es in der Musik Akkorde, die eine gewisse Reibung erzeugen. Aber diese Spannung können wir aushalten, weil auch sie zur Grundtonart passen und aufgelöst werden – und plötzlich klingen diese schwierigen Bibelthemen gar nicht mehr so sonderbar, sondern wie der ganz besondere Teil eines ganz besonderen Liedes: Des Liedes der Liebe Gottes.