Liebt irgendjemand Gott wirklich?
Gott lieben – was heißt das eigentlich? Ist das eine Entscheidung? Ist das ein Gefühl? Warum fühlt es sich dann so oft nicht so an, als würde ich Gott lieben? Und wie liebt man einen unsichtbaren Gott?
Gerade Gemeindekinder berichten immer wieder, dass sie sich aus Angst vor der Hölle bekehrt haben. Logisch: Vor die Wahl gestellt zwischen Himmel und Hölle, wählt nur ein Narr die Hölle – in den Worten des Apologeten Dave Hunt:
Even a fool would exchange hell for heaven.
Das Problem: Dieses Denken macht Gott nicht wirklich groß. Streng genommen macht es ihn einfach nur zur besseren Alternative zur Hölle. Wir wählen ihn, weil wir etwas vermeiden wollen, und nicht, weil wir den Gott, der uns zuerst geliebt hat, zurücklieben (1.Joh 4,19).
Könnte es sein, dass wir uns nie so richtig weiterentwickelt haben? Dass Gott für uns immer noch der ist, für den wir leben, weil wir halt in den Himmel wollen? Könnte das der Grund sein, warum wir in unseren Gebeten so selten ausdrücken, dass wir Gott lieben? Warum wir so wenig Predigten darüber hören, was es bedeutet, Gott zu lieben?
Dabei ist das unser erster Auftrag. Es ist das wichtigste Gebot. Es ist das, was sich unser Gott von ganzem Herzen wünscht:
Du sollst den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen lieben, mit deiner ganzen Seele und deinem ganzen Verstand!
- Matthäus 22,37-38
Okay, wir wollen Gott also mehr lieben. Und wir stellen fest, dass wir Nachhilfe brauchen. Aber was heißt es überhaupt, Gott zu lieben? Und wie kommen wir dahin? Wie können wir in einer Generation, für die Gott vielleicht einfach nur »die bessere Alternative« ist, helfen, ihre Liebe zu Gott aufblühen zu lassen?
I) Was heißt es, Gott zu lieben?
Unser bester Ansprechpartner für diese Frage ist wohl Mose. Mose und Gott verbindet eine einzigartige Freundschaft. Gott selbst attestiert:
Mit ihm rede ich direkt, wie ein Mensch zu einem anderen, mit verständlichen Worten und nicht in Rätseln. Ja, er darf sogar meine Gestalt sehen!
- 4. Mose 12,6-8
Ein Schlüsselereignis im Leben von Mose lässt erahnen, was es bedeutet, Gott zu lieben. Es steht in einem der herzzerbrechendsten Kapiteln der Bibel. Zu dem Zeitpunkt läuft gerade eigentlich alles ziemlich gut. Gott ist dabei, seinen Bund mit seinem Volk aufzurichten. Mose ist auf einem Berg, um die Details abzusprechen. Und das Volk... bastelt sich im Tal ein Tier aus Gold, tanz drum herum und entscheidet: Du bist unser Gott, der uns so wunderbar befreit hat. Das ist schlimm, es ist Treuebruch der übelsten Sorte. Gott ist zornig. Und Mose fleht für das Volk.
Es folgend Worte, die zeigen, wie einzigartig gnädig unser Gott ist. Er, der zunächst das ganze Volk vernichten will, lässt sich erweichen: Sie bekommen das Land, in dem Milch und Honig fließt, Wohlstand herrschen wird, doch noch! Ja, Gott wird sogar einen Engel senden, der alle Gegner aus dem Land vertreibt (vgl. 2. Mo 33,1-3a).
Einen Haken hat die Sache, eine Konsequenz zieht Gott aus dem Treuebruch.
Ich selbst aber will nicht mit euch ziehen.
- 2. Mose 33,3b
Den ganzen Segen bekommt das Volk trotzdem. Und zwar auf dem Silbertablett präsentiert.
Und jetzt kommt es. Jetzt kommt, was es bedeutet, Gott zu lieben.
Mose sagt nein.
Er lehnt ab – mit der Begründung:
Wenn du nicht selbst mitgehst, dann führe uns gar nicht erst weg von hier.
- 2. Mose 33,15
Mose will lieber in der Wüste verdursten als ohne Gott im Heiligen Land zu schlemmen. Das ist es, was es bedeutet, Gott zu lieben.
Im Kern heißt Gott zu lieben, ihn mehr zu wollen als seinen Segen. Ihn um seiner selbst willen zu wollen.
Diejenigen von uns, die einfach nur in den Himmel – unser verheißenes Land – wollen, nehmen das Leben mit Gott in Kauf, weil es eben dazu gehört. Nicht so Mose: Er lehnt das verheißene Land ab, weil es ihm zuallererst um Gott geht.
Lieben wir Gott mehr als seinen Segen?
Geht es uns um Gott oder um seinen Segen? Vielleicht ist es dran, mal innezuhalten, Gott unser Herz durchleuchten zu lassen (Ps 139,23-24) und uns zu hinterfragen, wie es um uns – und unsere Liebe zu ihm – steht. Folgende Fragen helfen vielleicht dabei:
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Würdest du in den Himmel wollen, auch wenn Jesus nicht da wäre?
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Beurteilst du deinen geistlichen Zustand vor allem im Vergleich mit anderen?
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Kostet dich dein Glaube etwas?
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Fällt es dir leicht oder zunehmend leichter, andere Menschen zu lieben? (Unsere Liebe zu Gott und zu anderen ist miteinander verknüpft)
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Stellst du dir oft die Frage, wie weit du gehen darfst, bevor etwas »Sünde« ist?
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Ploppen bei dir vor allem dann Zweifel am Glauben auf, wenn dein Leben gerade nicht so läuft, wie du es willst?
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Magst du Gott?
Wichtig an dieser Stelle ist: Es geht nicht darum, dir Schuldgefühle einzureden oder ein schlechtes Gewissen zu machen. Es geht einfach darum, ehrlich zu werden.
II) Wie geht das, Gott zu lieben?
Was machen wir, wenn wir merken, dass es um unsere Liebe zu Gott eher so mittel steht (vgl. Offb 3,16)? Natürlich können wir uns nicht einfach vornehmen, Gott zu lieben, und zack!, dann lieben wir ihn mehr.
Aber auch hier können wir von Mose lernen. Er wird angetrieben von dem Wunsch:
Lass mich deine Herrlichkeit sehen.
- 2. Mose 33,18-19a
Mose will Gott sehen. Das ist der Weg, wie wir stückweise zu Menschen werden, die Gott immer mehr lieben. Gott zu lieben beginnt mit dem Wunsch, ihn kennenzulernen. Mehr von ihm zu sehen. Dieses Kennenlernen meint keine 08/15 Bibellesezeiten. Es meint keine abgearbeiteten Gottesdienstbesuche.
Es meint, Herz, Kraft, Verstand und Seele zu investieren, um Gott auch mit Herz, Kraft, Verstand und Seele zu lieben.
Wie? Das kann unterschiedlich aussehen. Hier kommen ein paar konkrete Ideen:
1. SUCHEN
= Gott mit dem Herzen lieben
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Du könntest das Gebet »Lass mich deine Herrlichkeit sehen« in deinen Alltag integrieren. Bete es jeden Tag. Über Monate, vielleicht Jahre.
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Mach dich auf die Suche: Was an Gott beeindruckt dich?
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Beginne ein Gebetstagebuch, in dem du Gebetserhörungen notierst. Dankbarkeit verändert unser Herz.
2. RINGEN
= Gott mit aller Kraft lieben
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Nimm dir die schwierige Fragen vor: Dinge an Gott und dem Glauben, die dir seltsam vorkommen, mit denen du nicht versöhnt bist. Lass nicht locker, bis du Antworten hast oder Gott dein Herz verändert hat
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Suche aktiv das Gespräch mit anderen. Erzähle ihnen von deiner Sehnsucht, Gott mehr zu lieben. Ringt gemeinsam und im Gebet füreinander um Veränderung
3. LERNEN
= Gott mit dem Verstand lieben
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Der christliche Glaube überzeugt auch auf intellektueller Ebene. Nimm dir ein Buch vor, das sich mit der Glaubwürdigkeit des christlichen Glaubens befasst (z.B. Kreuzverhör, Rebecca McLaughlin; theo:logisch, William Lane Craig)
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Studiere ein Bibelbuch – vielleicht mit einem Kommentar
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Verwende eine eigene Farbe, um in der Bibel anzustreichen, was du über Gott lernst
4. RUHEN
= Gott mit der Seele lieben
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Bau dir kleine Pausen in deinen Alltag ein, in denen du dich gedanklich daran erinnerst, dass Gott existiert
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Wenn du merkst, dass Aufgaben und Dienste deine Beziehung zu Gott ersetzen, überlege, welche Dienste du (temporär) pausieren möchtest
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Fang an, den Sonntag bewusster als Tag mit Gott und als Tag der Ruhe zu feiern
Ein Leben in Gottes Gegenwart
Das Zitat von Dave Hunt oben geht noch weiter. Ja, selbst ein Narr würde den Himmel der Hölle vorziehen. Aber auch hier, in diesem Leben, ist Gott es wert, mit ihm zu leben. Gott ist nicht nur besser als die Hölle. Er ist besser als das Leben. Er ist das Leben.
Er ist unsere größte Hoffnung, schönste Freude und tiefste Liebe – in diesem Leben und im nächsten. Ohne ihn bleibt, in Davids Worten, Glück leer (Ps 16,2), in seiner Gegenwart hingegen ist echtes Glück (Ps 16,11).
Weise ist, wer dieses Leben mit der himmlischen Perspektive lebt – nicht um ihrer selbst willen, sondern um Gottes willen.
Oder, wie es Dave Hunt es ausdrückt:
»The choice we face is not, as many between heaven and hell. Rather, the choice is between heaven and this world. Even a fool would exchange hell for heaven; but only the wise will exchange this world for heaven.«