Der unkontrollierte Richter

Die Geschichte von Simson lehrt uns vor allem auch, dass Gott sich trotz diesem sündigen Verhalten verherrlicht und ihn gebraucht. Gott kommt sogar durch einen unkontrollierten Richter zum Ziel.
Der unkontrollierte Richter

Text

Richter 14-15

Überblick

Simson, der letzte große Richter, ist von Gott erwählt, aber geleitet von seinen Begierden. Damit spiegelt er die fatale Situation des Volkes wider, das sich mit der Welt eins gemacht hatte. Diese Bibelarbeit handelt von Verlangen, Vermischung und Verherrlichung.

Ziel

Egal wie fromm man aufwächst – jeder Jugendliche soll aus dieser Bibelarbeit lernen, sich nicht von seinen Begierden, sondern von Gottes Willen leiten zu lassen.

Einstieg

  1. Über den Kniesehnenreflex

Das impulsive, ungesteuerte Handeln von Simon mit dem Kniesehnenreflex erklären.

Anhand des Kniesehnenreflexes kann man das Verhalten von Simon gut veranschaulichen. Reflexe funktionieren nach dem Reiz-Reaktions-Prinzip. Ein Reiz löst eine direkte, ungesteuerte gleiche Reaktion aus. Simson verhält sich wie ein Reflex. Er bekommt einen äußeren Reiz und handelt völlig ungesteuert und unkontrolliert.

  1. Über eine Frage oder ein eigenes Beispiel

Alternativ kannst du die Frage stellen oder von dir selbst erzählen, in welchen Situationen man unkontrolliert handelt und versucht ist zu sündigen.

  1. Über einen Vergleich

Stell dir vor, deine Bremse an deinem Fahrrad oder deinem Auto funktioniert nicht (evtl. kann man einen Teilnehmer kurz erzählen lassen, wenn er das schon mal erlebt hat). Was ist die große Gefahr daran? Genauso war es mit Simson. Er war wie ein schickes kräftiges Auto, ohne Bremse. Er hatte sich selbst nicht unter Kontrolle und verließ deswegen immer wieder den richtigen Weg.

Erarbeitung

Kapitel 14,1-3 Liebe auf den ersten Blick

Simson sieht eine Philisterin und will sie sofort zur Frau nehmen. Was für ein Schock für die Eltern. Ihr Sohn wurde von Gott dazu bestimmt, Israeliten von den Philistern zu befreien, nicht sich mit ihnen zu verheiraten. Seine Eltern sind empört und appellieren an Simson, sich keine Frau „von den Philistern, den Unbeschnittenen“ (Vers 3) zu nehmen. Entscheidend ist hier nicht, dass die Frau eine andere Herkunft hat, sondern andere Götter anbetet.

Gottes Verbot richtet sich nicht gegen Ehen zwischen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen, aber gegen Ehen zwischen unterschiedlichen Glaubensgruppen (Mose hat zum Beispiel die Nichtjuden, Zippora, geheiratet, die aber Gottes Gebote fürchtete  (vgl. 2. Mose 4,24-26)) Timothy Keller
Hüte dich, einen Bund mit den Bewohnern des Landes zu schließen! Denn sonst könnten sie dich einladen, wenn sie sich ihren Göttern anbieten, wenn sie ihnen opfern und ihre Opfermahlzeiten feiern. Vielleicht würdest du deine Söhne mit ihren Töchtern verheiraten; und wenn ihre Töchter sich dann ihren Göttern anbieten, könnten sie deine Söhne verführen, das ebenfalls zu tun. 2.Mose 34, 15 - 16

Es ist bemerkenswert, dass Simson sich überhaupt erdreistet, seinen Eltern zu sagen, was sie zu tun haben, was in der damaligen Kultur völlig undenkbar war. Normalerweise suchte der Vater die Frau für seinen Sohn aus.  Aber viel schlimmer war jetzt, dass Simson, der Nasiräer Gottes (s. letzte Bibelarbeit), eine nichtgläubige Frau heiraten will. Auch der weiseste König Israels ist an dieser Versuchung gescheitert.

Selbst der weiseste König Israels scheiterte an diesem Problem:

König Salomo liebte aber viele ausländische Frauen, denn er hatte neben der Tochter des Pharao Frauen von den Moabitern, den Ammonitern, den Edomitern, den Sidoniern und den Hetitern genommen. Jahwe hatte den Israeliten verboten, sich mit diesen Völkern zu vermischen. „Sonst würden sie euch dazu verführen, auch ihre Götter zu verehren“, hatte er gesagt. Doch Salomo hing mit Liebe an diesen Frauen. Insgesamt hatte er 700 vornehme Frauen und 300 Nebenfrauen, die ihn immer mehr beeinflussten. Als er älter wurde, brachten sie ihn dazu, andere Götter zu verehren. Da war sein Herz nicht mehr ungeteilt Jahwe, seinem Gott, ergeben wie das Herz seines Vaters David.1.König 11,1 - 4

Auch im Neuen Testament verurteilt Paulus feste Bindungen mit Nichtchristen:

Geht nicht unter fremdartigem Joch mit Ungläubigen! Denn welche Verbindung haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? Oder welche Gemeinschaft Licht mit Finsternis? 2.Korinther 6,14

Simson ignorierte den Rat seiner Eltern. Er folgte seinen Gefühlen, was typisch für ihn ist. Er ist getrieben von seiner Lust, später von seiner Aggression und seiner Rache.

Kapitel 14,4 Warum nutzt Gott ausgerechnet Simson?

Dieser Vers 4 ist ein Schlüsselvers, um die ganze Geschichte von Simson zu verstehen. Wenn wir diesen Vers überlesen, könnten wir an Gottes Handeln zweifeln. Denn wie kann Gott einen so lustgetriebenen Menschen berufen und ihn auch noch ständig mit seinem Geist ausrüsten (14,6; 15,14), damit er Kraft hat, so viel Gewalt auszuführen?

In diesem Vers wird deutlich, dass die Pharisäer über Israel herrschten, aber die Isrealiten sich damit abgefunden hatten. Die Philister haben mitten unter den Israeliten gelebt (zum Beispiel in der Stadt Timna, die in Israel lag). Das Volk Gottes hatte gar kein Interesse mehr, von seinen Feinden befreit zu werden, sondern akzeptierte die Vermischung mit den Gottlosen. Deswegen muss Gott einen Anlass finden, um die Isrealiten von dem einschleichenden Götzendienst zu befreien, ohne dass sie es wollten. Und dafür gebraucht Gott sogar das sündige Verhalten Simsons, um die Israeliten davor zu retten, dass sie sich in ein paar Generationen komplett an die Religion und Kultur der Philister anpassen.

Es gibt kein harmonisches Zusammenleben zwischen Kirche und Welt, denn wo es keinen Konflikt gibt, liegt es daran, dass die Welt übernommen wird. Michael Wilcock

Kapitel 14-15 Wie Gott mit Sünde(rn) umgeht

Damit die Israeliten von den Philistern befreit werden, lässt Gott sogar zu, dass Simson

  • Ein totes Tier anfasst (14,5-6), obwohl er das als Nasiräer niemals tun durfte

  • Aus dem toten Tier Honig isst und seinen Eltern abgibt, die sich dadurch ebenfalls unrein machten (14,9)

  • Eine blödsinnige Wette abschließt, die ihm später seine Frau und seinen Schwiegervater kostete (14,14; 15,6)

  • Dreißig Männer erschlug, nur um in seiner Wut den Wetteinsatz zahlen zu können (14,19).

Die Ehe zwischen seiner ersten Liebe kommt nie zustande, er hat richtig Lust mit ihr ins Bett zu hüpfen, aber das wird nie passieren (14,20; 15,1-2), weil der Vater dachte, dass Simson nicht wiederkommen wird nach dem Zerwürfnis mit den Brautführern und seine Tochter einem von ihnen zur Frau gab (14,20).

Seine Unbedachtheit, seine Impulsivität und seine Lust nutzt Gott, damit Simson sauer auf die Philister wird. In Kapitel 15,3 steckt ein wichtiger Hinweis darauf, wie Simson sein Verhalten bewertet. Er weiß sehr wohl, dass sein Verhalten bis hierhin von Schuld beladen ist und niemals von Gott gutgeheißen werden kann. Jetzt fühlt er sich aber betrogen und meint, sich rächen zu dürfen. Also lässt er die Felder der Philister verbrennen, worauf diese seine große Liebe und ihren Vater töten. Mit dieser Aktion bringen die Philister das Fass zum überfließen. Simson verspricht ihnen, erst wieder zu ruhen, wenn er sich gründlich an ihnen gerächt hat.

Gott gebraucht Simson auch in seinem sündigen Verhalten, wodurch die Sünde aber trotzdem ihre Konsequenzen hat.

(In dieser Geschichte) handelt jeder außerhalb eines göttlichen Charakters. Alle sind für das, was sie tun verantwortlich. Aber wir sehen auch, dass Gott das nutzt, um dafür zu sorgen, beide Völker wieder zu entfremden, damit Gottes Volk ihre Unterscheidungskraft nicht ganz verliert. Gott erfüllt seine Verheißungen nicht nur trotz Sünde, sondern sogar durch Sünde. Timothy Keller

Anwendung

Das Volk Israel hatte sich so stark an die Philister gewöhnt, dass sie gar nicht mehr von ihnen befreit werden wollten. Simson spiegelt seine Generation wider. Er ist getrieben von seiner Lust, tötet aus Zorn, und ignoriert Gottes Reinheitsgebote. Und die Konsequenzen sind grauenvoll. Seine große Liebe wird verbrannt, er wird von seinem eigenen Volk ausgeliefert und später wird er bei seinem letzten Kraftakt mit den Philistern untergehen.

  1. Bist du auch manchmal versucht nach deiner Lust zu handeln?

    • Zum Beispiel mit einem Ungläubigen dich zu treffen, obwohl du weißt, dass sie/er mit dir zusammenkommen möchte und du weißt, dass das nicht gut ist?

    • Gehst du deinen sexuellen Begierden nach und schaust Pornos?

Jesus sagt einmal, dass Sünde bereits in unserem Herzen und Gedanken beginnt:

Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung.Matthäus 15,19
Ich aber sage euch: Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.Matthäus 5,28

Die Bibel sagt deshalb:

Vor allem aber behüte dein Herz, denn dein Herz beeinflusst dein ganzes Leben.Sprüche 4,23

Es ist egal, ob man fromm aufgewachsen ist, wie Simson oder fromm geprägt ist wie die Israeliten. Wir sind alle versucht, den weltlichen Begierden nachzugehen und aus Lust und Zorn zu handeln.

  1. Wie kann man sein Herz bewahren?

    • Gottes Willen in der Bibel kennenlernen

    • Hier kann man gemeinsam diskutieren wie man sich bei Versuchungen verhalten kann und wie man sich vor Sünde bewahrt.

      • z. B. über die langfristigen Konsequenzen bewusst werden

    • Der Unzucht fliehen (sich gar nicht erst in Versuchungen begeben)

      • Gewisse Veranstaltungen und Settings meiden, wo man sehr stark versucht wird

    • Mit anderen Christen Rechenschaft und Zweierschaften starten, um sich reflektieren und beraten zu lassen

    • Beten, damit man nicht in Versuchung gerät.

Ergebnissicherung

Gott nutzt Simsons sündiges Verhalten, um zu seinem Ziel zu kommen, die Israeliten von der Vermischung mit dem Götzendienst zu befreien. Dafür wird Simson sogar mit Kraft ausgestattet, sobald der Heilige Geist auf ihn kommt. Trotzdem ist Simsons Verhalten sündig und er muss die Konsequenzen tragen. Die Geschichte von Simson lehrt uns, nicht an die Welt zu hängen, indem wir uns einen nichtchristlichen Partner wählen und unsere christliche Ideale über den Haufen werfen.

Aber die Geschichte lehrt uns vor allem auch, dass Gott sich trotz diesem sündigen Verhalten durch Simson verherrlicht und ihn gebraucht. Gott kommt sogar durch einen unkontrollierten Richter zum Ziel.

Das zeigt Gottes Allmacht und Gnade. Er hält an seinen Zusagen fest und gebraucht uns trotz unserer Schwächen und Ziele.