Gehe zur STEPS Leaders Startseite
Lobpreis & Anbetung

Liturgie und Lobpreis

Was ist eigentlich eine Liturgie? Hat das nur die Landeskirche? Und wie hängt das mit Lobpreis im Gottesdienst zusammen? Dieser Artikel hilft dir, Liturgie neu an- und zu überdenken.

verified
Editor's Pick
calendar_today
1. Juni
schedule
4 min
Sns 0160

Was ist Liturgie?

Jeder Gottesdienst folgt einer Abfolge. Einer Reihenfolge verschiedener Elemente der Predigt, des Singens und des Gebets. Gottesdienst, also der Dienst für Gott, bedient sich dabei der Bedeutung des biblischen Ausdrucks leitourgia. Dies meinte den priesterlichen Dienst im Tempel. Im Neuen Testament bedeutete Liturgie einfach „Gottesdienst“. Also ist für die Begriffe Liturgie und Gottesdienst keine wirkliche Unterscheidung zu treffen.  

Der Gottesdienst ist nicht einfach nur die Summe von Liturgie und Predigt, sondern er ist insgesamt gemeinsamer Gottesdienst der Gemeinde mit verschiedenen Rollen, beispielsweise sind Gebet, Gesang, Musik und Predigt jeweils Bestandteile des einen ungeteilten Dienstes: Das Evangelium öffentlich darzustellen und mitzuteilen!

Auch Lobpreis und Anbetung sind diesem Ziel im Gottesdienst hingeordnet. Die Frage lautet also: Wird das Evangelium laut? Wird das Evangelium sichtbar, erfahrbar und erlebbar im gemeinsamen Gesang und im Musik des Gottesdienstes? Das Evangelium sollte dabei nicht nur auf inhaltlicher Ebene laut werden – durch das gelesene, gesprochene oder gesungene Wort – sondern auch indem sich dessen zentrale Eckpunkte in der Architektur des Gottesdienstes gestalterisch niederschlagen. Für die Planung von Lobpreis und Anbetung im Gottesdienst kann diese Frage zur zentralen Leitlinie werden: Wird das Evangelium laut?

Kontroversen rund um die gottesdienstliche Musik

Zu allen Zeiten und in allen Denominationen gab es Konflikte und Auseinandersetzungen rund um die Musik im Gottesdienst. Viele Konfliktmuster wiederholen sich. In meiner Bachelor-Thesis habe ich zwei Gesangbücher von Johann Jakob Rambach (1693-1735) zu Beginn des 18. Jahrhunderts analysiert. Auch er beschäftigte sich schon mit den Fragen: Welche Lieder singen wir – Alte oder Neue? Sollten dies Lieder für die Gemeinde oder die persönliche Erbauung sein?

Mit den gleichen Fragen beschäftigen wir uns 300 Jahre später immer noch. Die größten Diskussionen entstehen meistens um die Frage nach der Stilistik. Doch häufig wird übersehen, dass Musik eine allgemeinmenschliche Schöpfungsgabe Gottes ist, die für den Dienst Gottes „geheiligt“ werden kann. Man läuft hierbei oft in die Gefahr, den Radius des Heiligen zu sehr einzuschränken. Das Heilige hat wie das Populäre kein eigenes Milieu. Es ist ein transkulturelles Phänomen. Vor diesem Hintergrund ist es normal, dass in einer sich entwickelnden Kultur jede Generation mit einer lebendigen Spiritualität neues Liedgut schafft, das den musikalischen Gegebenheiten ihrer Zeit entspricht Andere Konflikte entstehen im freikirchlichen Kontext oft über den Anteil des Singens am Gesamtgottesdienst, die Instrumentierung oder die Lautstärke.

Wie können Musik im Gottesdienst und Liturgie besser zusammengedacht werden?

Eine Liturgie besteht in vielen freikirchlichen Gemeinden. Diese ist zwar nicht festgeschrieben und theologisch reflektiert, aber sie besteht.

Dabei existieren oft zwei Extreme:

  • Musik im Gottesdienst wird zum „Lückenfüller“ – die theologisch-geistliche Dimension wird übersehen.
  • Musik im Gottesdienst wird zum „Omnipräsenten“ – andere Elemente der Liturgie (bspw. gesprochene Gebete, Predigt, Abendmahl) werden unterbetont

Diesen Problemen kann begegnet werden, indem man eine Liturgie für die eigene Gemeinde ausarbeitet. Im Idealfall gemeinsam als Gottesdienstleitende, Gemeindeleitung und Verantwortliche für Lobpreis und Musik. Dieser Rahmen hilft dann wiederum für die konkrete Gestaltung an den einzelnen Sonntagen. In diesem liturgischen Konzept kann man dann arbeiten, ohne liturgisch zu erstarren. Flexibilität kann trotz Liturgie möglich sein, doch die gedachte Abfolge des Gottesdienstes hilft, eine stabiles Gerüst zu haben.

Fragen für deine konkrete Situation:

  • Haben wir eine Liturgie in unserer Gemeinde?
  • Ist diese bewusst gestaltet worden oder einfach so entstanden?
  • Welche Theologie vermittelt unsere aktuelle Liturgie?
  • Was wünsche ich mir für die Zukunft?

Auch eine Festlegung bestimmter Rahmenbedingungen kann helfen, Liturgie zu bauen. Beispielsweise kann man festlegen:

  • Limit an unbekannten Liedern
    • Ich würde empfehlen in einer Gemeinde maximal 1-2 neue Lieder pro Monat einzuführen und diese mit mehreren Teams/Bands einzuführen.
  • Limit englischsprachiger Lieder
    • Oft verstehen wir ein theologisches Englisch mit unseren besten Schulkenntnissen in Englisch nicht. Das Singen in der Muttersprache geschieht mit dem Herzen und muss nicht erst im Kopf übersetzt werden.
  • Mindestanzahl älterer Lieder
    • Welche Lieder haben sich in der Kirchengeschichte etabliert? Welche von diesen Liedern wollen wir einbauen? Eine Einbindung von Liedern anderer Generationen und Glaubensvorfahren hilft, einen Blick über den eigenen Tellerrand und die eigene Theologie zu wahren.

Leitlinien für die musikalische Gestaltung

Neben dem Festlegen gewisser Rahmenbedingungen können folgende drei Gedanken helfen, eine bessere Lobpreisliturgie zu bauen. 

Gottesdiensttauglichkeit

Sowohl durch den Inhalt der Lieder als auch durch den verwendeten musikalischen Stil, kann man das gemeinsame Singen der Gemeinde fördern oder verhindern. Daher ist es wertvoll zu fragen:

  • Unterstützt und fördert die musikalische Gestaltung das gemeinsame Singen der Gemeinde?
  • Steht die Gott-Orientiertheit der Lieder in einem angemessenen Verhältnis zu individualisierten Ausdrucksformen?

Theologische und stilistische Ausgewogenheit

Manche Lieder zielen thematisch in sehr ähnliche Richtungen, andere weiten den Blick für „Blind Spots“ in vielen neuen Lobpreisliedern. Hierbei spielt auch das Alter der Lieder oft eine Rolle.

  • Wird in den Liedern ein breites thematisches und atmosphärisches Spektrum abgebildet?
  • Werden bekannte und neue Lieder berücksichtigt?

Liturgische Stimmigkeit

Manche Lieder passen inhaltlich und stilistisch nur an gewisse Punkte in der Liturgie eines Gottesdienstes. Beispielsweise würde niemand auf die Idee kommen, ein Segenslied am Anfang des Gottesdienstes zu singen. Um die Theologie der Liturgie besser zu reflektieren, hilft die Frage:

  • Entspricht die Verwendung und Platzierung der Lieder der inneren Logik/Sequenz des Gottesdienstes?
  • Wird durch den Lobpreis das Evangelium laut?

 Abschließendes

Abschließend ist es mir wichtig festzuhalten, dass diese Punkte kein alleinige Rezept sind, um eine bessere Liturgie zu formen. Doch sie können zu einem bewussteren, theologisch-reflektierten Umgang führen. Frag dich doch heute mal für deinen Gottesdienst: „Wird das Evangelium laut?“  

Zur weiteren Vertiefung kann ich dieses Buch für Gemeindeleitungen und Gottesdienstleitende empfehlen: Gottesdienst - Stefan Schweyer