6 Wege, Menschen mit Würde zu behandeln
Menschenwürde – ein christlicher Gedanke. Aber wie müssten wir eigentlich leben, wenn wir ihn ernst nehmen würden?
Jeder Mensch hat Würde. Diese Würde ist unantastbar – sagt sogar unser Grundgesetz. Aber wie behandeln wir Menschen mit Würde? Das ist gar nicht so leicht. Wie hilft uns da unser christlicher Glaube? Und: Kann es sein, dass sich unser Verhalten ändern würde, hätten wir wirklich verinnerlicht, dass jeder Mensch Würde hat? Die folgenden sechs Prinzipien sollen uns überraschen, herausfordern und wachsen lassen.
1. Ich behandle jeden Menschen mit Respekt, egal was er tut
Respekt muss man sich nicht verdienen. Wir gehen respektvoll mit Menschen um, nicht weil sie eine besondere Position innehaben, mindestens durchschnittlich gute Menschen sind oder uns mit Respekt “zurück” behandeln. Wir zollen einer Person Respekt, einfach weil sie eine Person ist.
Das bedeutet nicht, dass wir alles gutheißen, uns alles gefallen lassen, Probleme nicht benennen. Aber wir können selbst den Steuerhinterzieher hinter Gittern oder die dreiste Person in der U-Bahn durch Gottes Augen betrachten und uns erinnern, nicht das respektlos mit Füßen zu treten, was er geschaffen hat.
2. Ich füge niemandem absichtlich Schaden zu
Logisch, oder?
Aber leben wir wirklich nach diesem Grundsatz? Wie sieht es aus, wenn wir unsere Kommunikation hinterfragen? Tun wir da einander nicht unfassbar weh, oft unbeabsichtigt – und manchmal ganz bewusst? Wir wissen genau, wie wir den anderen treffen können, vor allem Menschen, die uns nahestehen. Verletzte Menschen verletzen Menschen. Und wenn wir verletzt werden, fahren wir unsere Krallen aus. Unsere Pfeile treffen genau ihr Ziel: Die Unsicherheiten, die heimlichen Ängste, die unangenehmen Schwächen.
Jemanden mit Würde zu behandeln, bedeutet auch, aktiv Energie darein zu stecken, unsere Worte zurückzuhalten.
3. Ich nehme die Erfahrungen meines Gegenübers ernst
Wir gehen mit Vorschussgnade in eine Begegnung. Vielleicht kennen wie die Situation unseres Gesprächspartners nicht, aber wir kennen die Situation der Welt. Wir wissen, wie kaputt Menschen sein können, in welchen Ängsten gefangen, mit welchen Verletzungen beladen. Und das macht uns barmherzig.
4. Ich begegne anderen Meinungen mit Wertschätzung und Gnade
Wir möchten demütig genug sein, jederzeit irren zu können. Wir versuchen, den anderen zu verstehen, statt ihn zu überzeugen. Und ja, es gibt richtig und falsch – aber nicht jede Frage ist eine Frage von richtig und falsch. Auch daran erinnern wir uns immer wieder, wenn unsere Gedanken schon wieder auf dem Abwertungspfad rennen.
5. Ich werde mir immer vergegenwärtigen, dass andere Menschen Ebenbilder Gottes sind
Wenn jeder Mensch ein Ebenbild Gottes ist, dann können wir in jedem Menschen Schönheit sehen. Wir können unseren Schöpfer in jeder Person erkennen, und damit auch etwas Ehrbares in jeder Person entdecken.
Dort, wo uns Schwächen auffallen oder wir unter ihnen leiden, erinnern wir uns an den Schmerz Gottes: Er, der uns in seinem Bild schuf und sich wünscht, dass wir dem Bild seines Sohnes immer ähnlicher werden, leidet, weil unser Bild entstellt ist. Wir sind nicht so, wie wir gedacht sind, und die Welt ist nicht so, wie sie gedacht ist. Wir leben im Dazwischen. Ein neuer Anfang wird kommen.
6. Ich will von niemandem denken, er könne nicht mehr gerettet werden
In dem Moment, in dem wir nicht mehr glauben, dass Gottes Gnade eine Person erreichen kann, geben wir sie auf. Wir kämpfen nicht mehr um sie. Wir halten sie für zu verloren, zu schlecht, zu isoliert. Was bleibt, ist über ihre Boshaftigkeit zu schimpfen und uns besser zu fühlen. Wenn wir Menschen hingegen durch die Brille des Evangeliums sehen, uns erinnern, dass sie Jesus brauchen, wie wir Jesus brauchen, dass jeder Tag ein Tag ist, an dem Gottes Gnade für sie bereitsteht, genauso wie jeder Tag ein Tag ist, an dem wir Gottes Gnade benötigen, sitzen wir gemeinsam im Boot. Im gleichen Boot gibt es keinen Minderwert, keine Abwertung, sondern Augenhöhe.
Fazit: Keine gewöhnlichen Menschen
C. S. Lewis hat einmal gesagt: »Es gibt keinen gewöhnlichen Menschen«. Jeder Mensch trägt ewiges Gewicht. Unsere alltäglichen Begegnungen sind heiliger, als wir denken. Es gibt keine NPCs, keine Statisten. Wenn das stimmt, dann verändert das, wie wir mit Menschen umgehen. Respekt ist nie optional. Verletzungen sind nie trivial. Worte sind nie egal.
Der Artikel basiert u.a. auf verschiedenen Gedanken aus Paul David Tripps »Reaktivität überwinden – Wie das Evangelium unsere Kommunikation entgiftet«. Das Buch fokussiert vor allem die destruktive Kommunikation in den Sozialen Medien: Zum Buch.