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Künstliche Intelligenz

Wie Künstliche Intelligenz funktioniert

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5. Februar
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7 min
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1. Haushalterschaft

Gott hat uns Menschen zu Haushaltern dieser Welt gemacht. Du trägst Verantwortung für die Dinge, die der Herr dir direkt in deine Hände legt. Denk an die Botschaft des Evangeliums, die dich gerettet hat, an deinen Arbeitsplatz, an das Geld, das du erhälst, und an die Dinge, die du besitzt. Nichts davon gehört wirklich dir, denn „dem HERRN gehört die Erde und was sie erfüllt, der Erdkreis und seine Bewohner;“ (Psalm 24,1). Wir werden für unsere Haushalterschaft auch durchaus zur Rechenschaft gezogen werden (Matthäus 25,14-30). Wir können diese Dinge zu seiner Ehre oder zur Ehre der Menschen verwalten, aber Letzteres wird vor Ihm zunichte gemacht werden (1. Korinther 1,29). 

Mit KI ist es nicht anders: Sie ist eine Technologie, die wir als Christen gut verwaltenmüssen. Aber wie können wir KI zur Ehre Gottes einsetzen?“ Die Antwort ist einfach, wenn wir Gottes Willen verstehen. Wir verherrlichen Gott, indem wir KI auf eine Weise nutzen, die uns und andere näher zu Jesus Christus zieht. Wir verherrlichen Ihn, indem wir von Ihm abhängig sind, seinem Ebenbild gleichgestaltet werden und in allen Dingen dankbar sind (1. Thessalonicher 4,3; 5,18).

2. KI für das Bibelstudium

Eine der naheliegendsten Möglichkeiten, dies zu erreichen, ist der Einsatz von KI im persönlichen Bibelstudium. Das könnte geschehen, indem man die KI...

  • eine Bibelstelle erklären oder einen Kommentar erstellen lässt.
  • Querverweise bereitstellen lässt.
  • paraphrasierte Bibelverse finden lässt, die mit einer normalen Suchmaschine schwer zu finden sind.
  • Details zu den hebräischen, aramäischen und griechischen Originalmanuskripten liefern lässt.
  • detaillierten historischen und kulturellen Kontext zu Bibelstellen geben lässt.

Die Liste ist sicherlich nicht vollständig, sollte aber einen guten Überblick darüber geben, wie KI in deinem Bibelstudium genutzt werden könnte. Bevor du sie jedoch überhaupt einsetzt, solltest du zumindest grundlegend verstehen, wie sie funktioniert. Dieses Verständnis ist notwendig, um ihre Möglichkeiten und Grenzen zu kennen, was der Schlüssel zu einem verantwortungsvollen Umgang ist.

3. Wie KI funktioniert

Was oft einfach als „KI“ bezeichnet wird, ist in der Regel ein ganz bestimmtes KI-Modell, ein sogenanntes „Großes Sprachmodell“ (Large Language Model, LLM). Dies ist die Technologie hinter KI-Chatbots, bei denen man eine Nachricht schreibt und eine Antwort erhält. ChatGPT, Claude, Gemini und Grok sind einige Beispiele für solche LLMs (Obwohl wir es mittlerweile in der Regel mit sogenannten „Multimodalen Sprachmodellen“ (MMLM) zu tun haben, die nicht nur Text, sondern auch verschiedene andere Modalitäten wie Audio, Bild und sogar Video verarbeiten können).

Um ein LLM zu erstellen, wird ein riesiges künstliches neuronales Netz, das vage vom menschlichen Gehirn inspiriert ist, mit einer gewaltigen Menge an Daten aus dem Internet trainiert. Dazu gehören zum Beispiel Wikipedia, ArXiv und E-Books, aber auch Social-Media-Plattformen wie Facebook, X (ehemals Twitter) oder Reddit. Während dieses Trainings lernt das KI-Modell die Wahrscheinlichkeiten, mit denen ein Wort (oder genauer gesagt, ein „Token“, der oft ein Teil eines Wortes ist) in einem gegebenen Kontext auf einen anderen folgt.

Stell dir vor, du hast einen Artikel an ChatGPT gesendet. Während die KI eine Antwort generiert, baut sie den Text Token für Token auf. Nehmen wir an, sie hat den Satz generiert: „Interesting about this“ Schauen wir uns nun an, was passiert, bevor das nächste Wort gewählt wird:

Dieser Screenshot stammt direkt aus dem OpenAI Playground, wo man verschiedene LLMs testen kann. Wie du siehst, ist der wahrscheinlichste nachfolgende Token „is“ mit einer Wahrscheinlichkeit von 9,14 %. Der nächstwahrscheinlichste ist „project“ mit 6,11 %, gefolgt von einem Zeilenumbruch (3,83 %) und „dataset“ (2,13 %). Ein Parameter namens „Temperatur“ fügt diesem Auswahlprozess Zufälligkeit hinzu. Wenn die Temperatur auf 0 gesetzt ist, wählt das Modell immer den Token mit der höchsten Wahrscheinlichkeit – in diesem Fall „is“. Wenn man die Temperatur jedoch erhöht, führt die KI eine gewisse Zufälligkeit ein und wählt möglicherweise aus den drei, fünf, zehn oder sogar hundert wahrscheinlichsten Token aus. Sie würde immer noch meistens „is“ wählen, aber manchmal vielleicht auch „project“, den Zeilenumbruch oder „dataset“.

Nachdem ein Token ausgewählt wurde, wird es dem Ausgabetext hinzugefügt, und die neue, längere Sequenz wird an das Modell zurückgesendet, um erneut die Wahrscheinlichkeiten für den nächsten Token zu berechnen. Dieser Prozess wiederholt sich, bis das KI-Modell ein spezielles „End-Of-Text“-Token (EOT) vorhersagt, das signalisiert, dass die Antwort vollständig ist. Anfänglich kann das KI-Modell nur einen eingegebenen Text fortsetzen, ähnlich einer hochentwickelten Autovervollständigung. Dieses „Basismodell“ ist noch kein Chatbot (Diese Stufe wird „Pre-Training“ (Vortraining) genannt und führt zu einem „Base Model“ oder „Foundation Model“). In einer zweiten Trainingsphase, dem „Instruction-Tuning“, wird das Modell trainiert, Anweisungen zu befolgen und hilfreich zu antworten (Das daraus resultierende KI-Modell kann auf verschiedene Weisen bezeichnet werden, aber üblicherweise als “instruction tuned model” (zu Deutsch: “anweisungsoptimiertes Modell”). Weitere Trainingsschritte sind erforderlich, um das Modell zu einem fähigen Chatbot zu trainieren. Durch diesen komplexen Prozess kommt etwas zustande, was treffend als „Künstliche Intelligenz“ beschrieben werden kann. Es ist jedoch entscheidend, klar zwischen „Intelligenz“ und Konzepten wie „Bewusstsein“,„Gefühlen“ oder „Absichten“ zu unterscheiden. Nichts von Letzterem wird jemals wirklich in einem LLM oder einem anderen KI-Modell zu finden sein, selbst wenn es behauptet, solche Eigenschaften zu besitzen. Ich glaube, die Bibel macht deutlich, dass diese Attribute des Lebens spezifisch von Gott gegeben werden, nach seinem souveränen Willen und nicht durch den Willen des Menschen. Dennoch besitzen LLMs eine stetig wachsende Intelligenz und werden in ihren Fähigkeiten immer ausgereifter und allgemeiner (Intelligenz ist daher nicht das, was uns als Menschen einzigartig macht).

Du fragst dich vielleicht, was das jetzt alles mit dem Einsatz von LLMs für das Bibelstudium zu tun hat. Trotz ihrer wachsenden Intelligenz ist eine wesentliche Einschränkung aktueller LLMs, dass sie keinen verlässlichen Sinn für Wahrheit besitzen. Sie „weiß“ nicht, was sie weiß oder nicht weiß. (Obwohl sich dies sehr bald ändern könnte, innerhalb der nächsten 1-2 Jahre; in 2026 oder 2027). Sie antwortet einfach mit der statistisch wahrscheinlichsten Textfortsetzung, die zum gegebenen Kontext passt. In diesem Prozess neigen LLMs oft zum „Halluzinieren“. Dies ist ein Fachbegriff für das Phänomen, bei dem ein LLM Informationen generiert, die auf dem ersten Blick überzeugend wahr aussehen, aber tatsächlich falsch oder unsinnig sind. Diese Halluzinationen sind der entscheidende Grund, warum LLMs nicht immer sachlich korrekt sind und in ihrer Ausgabe manchmal völlig falsch liegen.

4. Praktische Anwendung

Praktisch bedeutet das, dass LLMs manchmal...

  • Bibelverse falsch zitieren (ein sehr reales Problem bei fast jeder Bibelübersetzung,
  • außer der KJV, die eine Genauigkeit von etwa 98 % beim korrekten Zitieren von Bibelversen aufweist).
  • falsche oder unsinnige Querverweise liefern.
  • Informationen über die Originalmanuskripte und die Bedeutung hebräischer, aramäischer und griechischer Wörter erfinden.
  • falsche Lehren verbreiten (auch das ist ein sehr reales Problem, besonders in Bezug auf die Taufe im Heiligen Geist).

Deshalb gilt: Wann immer du ein LLM in deinem Bibelstudium verwendest, musst du die Bibel selbst lesen, die Aussagen der KI kritisch auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen und ihre Ausgabe immer mit Vorsicht genießen, besonders wenn es um Personen oder historische Behauptungen geht. Wenn du beabsichtigst, die Ausgabe der KI für Urteile oder die öffentliche Weitergabe von Informationen zu nutzen, musst du ihre Behauptungen zuerst mit seriösen Quellen überprüfen.

5. Weitere Anwendungsmöglichkeiten

Über das reine Bibelstudium hinaus gibt es noch viele weitere Möglichkeiten der KI-Nutzung im christlichen dasein:

  • Liedtexte frei von Voreingenommenheit anhand der Bibel analysierenlassen. Hier kann einfach die ganzen Lyrics kopiert und dem KI-Modell gegeben werden.
  • Eine Predigt oder ein Video zusammenfassen lassen, um dir bei der Entscheidung zu helfen, ob es sich lohnt, sie/es anzusehen. Schlechte Lehren können so sehr schnell ausgefiltert werden.
  • Informationen über einen Prediger oder eine Organisation finden, um schnell unterscheiden zu können, wo eine Person / Organisation steht und gegebenenfalls von der reinen Lehre des Wortes Gottes abweicht.

Nun gibt es auch hier wieder unterschiedliche Probleme, die auftreten können:

  • Informationen über Personen, Orte usw. sind erfunden.
  • Unbiblische Urteile werden gefällt.
  • Es werden dir falsche Ratschläge gegeben.

Also wieder: Nachprüfen, wenn es hohe Relevanz hat!

6. Aber welche KI?

Natürlicherweise stellt sich da jetzt die Frage, welche KI man überhaupt nutzen kann oder sollte. Deswegen würde ich hier kurz einmal zwei Projekte vorstellen:

Bible-Study_Tool auf Poe:

Diese Bots wurden von mir erstellt und befinden sich auf der Plattform Poe, auf der man mit einem Abo (auch kostenlose Limits) viele unterschiedliche KI-Modelle nutzen und Bots erstellen kann. Der Standard Bot ist billig und schnell und reicht für die meisten Fragen völlig aus. Der Pro Bot dagegen ist sehr viel teurer und dafür ausgelegt, schwere Fragen, oder Fragen, die sich auf die Ursprungstexte der Bibel beziehen, zu beantworten. Der Pro Bot ist gut für Fragen, die scheinbar keine Antwort in der Bibel haben.

Meine Philosophie hinter dem Bot ist simpel: statt zu definieren, was ich glaube, gebe ich dem Bot Prämissen, die definieren, was die Bibel über sich selbst sagt. Je intelligenter die KI-Modelle werden, desto besser werden sie automatisch darin, biblische Fragen zu beantworten. Ich setze also alles auf die reine Intelligenz des KI-Modells.

Bibel.Chat: Bibel-Chat

Ein weiteres Projekt ist bibel.chat von Biblebots e.V.. Jürgen Fischer schreibt folgendes in Bezug auf ihren Bot: “Unser erster Chatbot war Bibel.chat. Dabei ist der Name Programm: Bibel.chat beantwortet Fragen zur Bibel. Unsere primäre Zielgruppe sind dabei Bibelleser. Der Chatbot soll auf unkomplizierte Weise verständliche Antworten auf Fragen geben, die einem beim Bibellesen kommen. Darüber hinaus weiß er auch evangelistische und seelsorgerliche Fragen zu beantworten. Man kann ihn also auch suchenden und belasteten Menschen weiterempfehlen. Ein letztes Einsatzgebiet wäre die Hauskreis- und Predigtvorbereitung. Da soll der Chatbot aber nur unterstützen und nicht ganze Skripte verfassen.”

7. Abschließende Empfehlungen

Begleite deinen Umgang mit KI im Gebet, nicht nur beim Bibelstudium, sondern in jedem Bereich deines Lebens. Der Herr allein weiß, auf welche Weise du KI sicher und verantwortungsvoll zu seiner Ehre einsetzen kannst. Er wird dir helfen und dir den Weg zeigen, wenn du bei Ihm Hilfe suchst (1. Chronik 28,9).