Warum soll ich beten?
Warum soll ich beten, wenn Gott doch sowieso alles weiß? Macht mein Gebet wirklich einen Unterschied? Diese Andacht möchte uns ermutigen den Schatz des Gebets zu erkennen - Gott ganz nah zu sein und mit ihm Großes zu bewirken.
Anmerkung zur Durchführung der Andacht:
Das Alltagsbeispiel mit dem Sohn, der mit dem Vater zusammen das Auto lenkt, kann vom Referenten auf verschiedene Arten genutzt werden – entweder der Referent hat als Kind (oder ggf. schon als Vater) eine Situation, wie im Text beschrieben, erlebt und gibt eine persönliche Story wieder. Oder der Referent verwendet ein Bild als Einstieg, welches eine entsprechende Lenkrad-Szene zeigt.
„Ben, hast du Lust, mit mir das Auto umzuparken? Du kannst zu mir auf den Fahrersitz!“ Begeistert springt mein zwölfjähriger Sohn durch die geöffnete Fahrertür auf meinen Schoß. Seine linke Hand packt das Lenkrad, die rechte meinen schwarzen VW-Schlüssel. Der Caddy setzt sich in Bewegung - für das Auto ist es nur eine klitzekleine Fahrt. Für Ben ist es ein riesengroßer Moment. Und für mich ist es das auch. Natürlich könnte ich das Auto auch selbst einparken.
Aber hey – wie unbezahlbar ist bitte die Nähe, die ich als Papa hier mit meinem Bald-Teenager genieße?
Gebet: Mit dem himmlischen Vater am Lenkrad der Weltgeschichte
Ich liebe diese Lenkrad-Momente. Weil ich es feiere, wenn mein Sohn über sich hinauswächst und etwas in Bewegung setzt. Und weil diese Momente mir helfen, die Rätsel des Gebets etwas besser zu verstehen. Und rätselhaft ist das Gebet tatsächlich:
Wenn Gott doch alles nach seinem eigenen Willen lenkt (vgl. Eph 1,11), warum ermutigt er uns dann, dass wir beständig beten sollen (vgl. 1. Thess 5,17)? Macht mein Gebet wirklich einen Unterschied?
Diese Fragen können uns echt verunsichern. Aber: Beten lohnt sich wirklich. Und es ist ein wunderschönes Angebot an uns.
John Piper hat es so formuliert:
Deshalb beten wir: Gott lädt uns ein, mit ihm die Welt zu lenken.
- John Piper
Diese Aussage lässt sich gut an der Lenkrad-Szene veranschaulichen. Wenn Gott uns auffordert, zu beten, dann ist er wie ein Vater, der ruft: „Komm an mein Lenkrad, ich will durch dich Großes bewegen!“
1. Gemeinsame Blickrichtung
Wenn das Kind sich dem Vater auf den Schoß setzt, dann nicht, um das Auto zur Eisdiele zu fahren. Sondern dorthin, wo der Vater es will. So hat Gott auch mit der Weltgeschichte ein Ziel, auf das er zusteuert. Und er hat uns auch verraten, wohin die Reise geht: Seinem Himmelreich entgegen.
Deshalb beten wir „Dein Reich komme! Dein Wille geschehe!“ und fiebern damit dem göttlichen Ziel entgegen. Wenn ich für meinen Alltag bete, dann setze ich mich sozusagen auf den Schoß des Vaters und schaue gemeinsam mit ihm nach vorne. Beten verändert meine Blickrichtung.
Ich drücke aus: „Vater, mein Leben und mein ganzer Alltag sollen in deine heilige Richtung steuern.“
2. Wirkliche Wirkung
Der Junge am Lenkrad kann tatsächlich das Auto bewegen. Seine Handbewegungen am Lenkrad machen einen Unterschied und bringen auf die Straße, was der Vater geplant hat. Das gilt auch für unser Beten. Im Gebet nimmt Gott uns in sein Handeln hinein. Manchmal merken wir, wie unsere Gebete erhört werden und sich Dinge verändern. Aber auch wenn wir nichts spüren, sind unsere Gebete nach Gottes Willen wirkungsvoll.
3. We-Time mit Gott
Gemeinsam lenken schafft Nähe. Der Fahrersitz wird zum Ort der Zweisamkeit. Wenn Gott uns auffordert, zu beten, dann ruft er uns zu sich.
Die Schönheit des Gebets liegt nicht nur in seiner Wirkung, sondern darin, dass wir Gemeinschaft mit Gott haben.
Das spüren wir nicht immer emotional. Oft fühlen wir nichts Besonderes beim Beten. Aber wir dürfen wissen, dass Gott sich an uns freut, wie ein Vater an seinem Kind.
Warum beten wir? Nicht, um Gott etwas zu sagen, was er noch nicht weiß. Auch nicht, um etwas zu bewirken, was er nicht möchte. Wir beten, weil Gott uns erlaubt, ganz nah bei ihm zu sein und in seiner Kraft etwas in dieser Welt zum Guten zu bewegen.