Von Menschenfurcht zu Gottesfurcht

Das Bemerkenswerte an der Furcht Gottes ist, dass wenn du Gott fürchtest, du nichts anderes fürchtest, wenn du aber Gott nicht fürchtest, fürchtest du …
Von Menschenfurcht zu Gottesfurcht
Das Bemerkenswerte an der Furcht Gottes ist, dass wenn du Gott fürchtest, du nichts anderes fürchtest, wenn du aber Gott nicht fürchtest, fürchtest du alles andere.

Was ist Menschenfurcht?

Selbstachtung, Gruppenzwang, Ablehnung, das ständige Streben nach Anerkennung, …. diese Verhaltensweisen sind Menschenfurcht. Damit ist gemeint, dass Menschen oder Dinge, die wir brauchen, uns beherrschen. Egal, wie wir sie umschreiben, sie kann folgendermaßen zusammengefasst werden: Wir ersetzen Gott durch andere Menschen. Oder anders gesagt: Man hält Menschen für größer, mächtiger und wichtiger als Gott. Aus der Furcht heraus, die dadurch in uns entsteht, geben wir ihnen die Macht und das Recht, uns vorzuschreiben, was wir fühlen, denken und tun sollen. Es beschäftigt uns viel mehr, ob wir uns lächerlich machen (Menschenfurcht), als ob unser Verhalten Sünde ist (Gottesfurcht).

Woher kommt dieses Verhalten?

Menschenfrucht resultiert aus einem falschen Gottes- und Selbstbild. Wenn wir Gott auf unsere Maßstäbe oder Gefühle zurechtstutzen, dann ist er nicht mehr der Heilige Israels. Und wenn er in unseren Augen kleiner wird, kann die Angst vor den Menschen wachsen. Dann spielt der Einfluss der christlichen Psychologie eine nicht unwichtige Rolle. Der Mensch wird als „leerer Becher“ gesehen, mit vielen Bedürfnissen, er muss also gefüllt werden. Das ist aus biblischer Sicht aber nicht richtig. Wenn der Mensch tatsächlich wie ein Becher ist, dann sind wir mehr passive Empfänger als aktiv und verantwortlich Handelnde. Die Schuld liegt nie bei uns selbst, weil alles Fehlverhalten die Folge von Defiziten sind, die aus früheren Beziehungen herrühren.

Wie kann ich die Menschenfurcht überwinden?

Der Schlüssel: Gottesfurcht. Bei der Furcht des Herrn geht es um eine ehrfürchtige Unterwerfung, die zum Gehorsam führt. Hier geht es um die Erkenntnis der eigenen Sündhaftigkeit und Gottes Reinheit und das klare Wissen darum, dass Gott gerecht ist und die Sünde hasst. Aber diese anbetende Ehrfurcht weiß auch um Gottes große Vergebung, um sein Erbarmen und seine Liebe. Gottes Kinder werden nicht mehr von der Angst beherrscht und fürchten sich nicht vor Strafe. Stattdessen ist uns eine Ehrfurcht geschenkt, die mehr aus der Liebe und Verehrung rührt.

Warum ist Christus uns dann manchmal nicht genug?

Wenn ich wie ein Becher vor ihm stehe, der psychologisch gefüllt werden will, dann habe ich das Gefühl, ich sei nie ganz voll. Warum? Weil meine Begierden grenzenlos sind. Es liegt in ihrem Wesen, dass sie sich nie ganz befriedigen lassen. Und weil Jesus gar nicht vorhat, meine egoistischen Wünsche zu erfüllen! Er will den Becher meiner psychologischen Bedürfnisse (Begierden) zerbrechen, nicht füllen.

Begreifen wir, warum wir in der Menschenfurcht gefangen sind, obwohl wir das Evangelium kennen? Wir müssen nicht nur in der Furcht des Herrn wachsen, wir müssen auch unsere Schuld, unsere egoistischen Wünsche, bereuen. Wenn wir darüber keine Buße tun, dann drehen wir uns weiterhin um unsre Wünsche.

Die wichtigste Frage des Menschen lautet deshalb: „Wie kann ich Gott Ehre machen?“ und nicht: „Wie kann Gott meine psychologischen Bedürfnisse stillen?“ Unser Herz ist immer aktiv. Entweder wir suchen Gottes Ehre oder unsere eigene.

Gott > Mensch

Das Problem ist klar: Die Menschen sind in unserem Leben zu groß und Gott ist zu klein. Die Antwort ist unkompliziert: Wir müssen begreifen, dass Gott liebevoller und mächtiger ist, als wir uns je vorgestellt haben. Gipfelerlebnisse werden allzu schnell vom Lärm der Welt überlagert und Gott schrumpft in unserer Vorstellung wieder. Unser Ziel muss es darum sein, uns Tag für Tag in der Erkenntnis des Herrn zu üben.

Lasst uns die Hauptsumme aller Lehre hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote; denn das gilt für alle Menschen.Prediger 12,13

Dieser Artikel basiert auf dem Buch „Befreit leben – Von Menschenfurcht zu Gottesfurcht“ von Edward T. Welch (3L-Verlag)