Soll ich euren König kreuzigen?
Die Bibelarbeit lädt dazu ein, über die Frage nachzudenken, wem wir unser Leben unterstellen: der Wahrheit Gottes oder den Erwartungen und Ängsten der Welt.
Überblick
Diese Bibelarbeit beschäftigt sich mit Johannes 18,29–40 und 19,2–16 - der Szene vor der Kreuzigung Jesu. Im Mittelpunkt steht das Gespräch zwischen Jesus und Pilatus, das Spannungen zwischen Wahrheit, Macht und menschlicher Angst deutlich macht. Pilatus erkennt die Unschuld Jesu und die Wahrheit, folgt jedoch dem Druck der Menge und beugt sich der Welt. Gleichzeitig zeigt Jesus, dass sein Königtum nicht von dieser Welt ist, sondern auf Wahrheit, Liebe und Selbsthingabe beruht.
Ziel
Die Bibelarbeit möchte die Teilnehmenden dazu anregen, sich bewusst mit der Frage auseinanderzusetzen: „Wer ist mein König?“
Sie soll ermutigen, Jesu Stimme zu hören, ihm zu vertrauen und sich von ihm führen zu lassen, selbst wenn dies Mut kostet und gegen den Strom der Welt geht.
Einstieg
„Wahrheit oder Macht?“
Raumstation mit vier Schildern: „Wahrheit“, „Macht“, „Menschenfurcht“, „Bequemlichkeit“.
Die Teenager stellen sich an die Station, die für sie im Alltag am größten Einfluss hat.
Kurzes Gespräch: Warum habt ihr euch dort hingestellt?
Erarbeitung und Anwendung
Was ist Wahrheit: Die Begegnung zwischen dem wahren König und einem geteilten Herzen
(lest Johannes 18, 28-19,16)
In der Begegnung zwischen Jesus und Pilatus erreicht das Evangelium einen stillen, aber entscheidenden Höhepunkt. Die religiösen Führer bringen Jesus zu Pilatus, weil sie selbst ihn nicht töten dürfen. Sie wollen das Passah feiern und meiden deshalb das heidnische Prätorium, während sie gleichzeitig den, der das wahre Passahlamm ist, dem Tod übergeben.
Pilatus fragt nach einer klaren Anklage. Doch die Antwort der Ankläger ist ausweichend. Sie bringen keine konkrete Schuld vor.
Pilatus nimmt Jesus mit hinein, weg vom Lärm der Menge. Dort beginnt ein Gespräch, das einzigartig ist. Pilatus stellt die Frage: „Bist du der König der Juden?“ Doch Jesus antwortet so, dass die Frage zurückkehrt: „Sagst du das von dir selbst aus, oder haben dir andere gesagt, wer ich bin?“
Dann aber spricht Jesus den Satz, der das ganze Gespräch öffnet:
Mein Reich ist nicht von dieser Welt.
- Johannes 18,36
Er sagt nicht, dass er kein König sei. Er sagt, dass seine Herrschaft nicht aus den Strukturen dieser Welt stammt. Nicht durch Gewalt verteidigt. Nicht von Menschen abhängig. Pilatus hört in diesen Worten eine Bestätigung und fragt: „Also bist du doch ein König?“
Jesus sagt: „Du sagst es, dass ich ein König bin.“ Aber dann zeigt er, worin sein Königtum besteht. Nicht in Herrschaft über Menschen, sondern im Zeugnis für die Wahrheit. Seine Stimme erkennen alle, die aus der Wahrheit sind.
Hier stellt Pilatus die Frage, die bis heute nachhallt: „Was ist Wahrheit?“
Die Frage ist ein Ausdruck der inneren Resignation eines Mannes, der zu oft erlebt hat, dass Wahrheit verhandelbar erscheint. Für Pilatus ist Wahrheit ein politisches Werkzeug. Etwas, das man nutzen oder verschweigen kann. Etwas, das sich der Lage beugt. Pilatus soll richten, doch er ist selbst innerlich geteilt und unfrei. Er erkennt, dass Jesus unschuldig ist. Er sagt es öffentlich. Er findet keinerlei Schuld an ihm. Doch obwohl er die Wahrheit sieht, handelt er nicht nach ihr.
Pilatus sieht die Unschuld Jesu, aber er spürt den Druck der Menge. Er hört die Wahrheit, aber er folgt dem Weg der Angst. So versucht er auszuweichen, bietet die Passah-Amnestie an und stellt Barabbas dagegen, in der Hoffnung, die Menge würde sich für das Offensichtliche entscheiden. Doch sie wählen den Räuber.
In diesem Moment wird deutlich: Wahrheit ist nicht nur etwas, das man erkennt. Sie ist etwas, dem man sich beugt.
Pilatus weiß, was richtig wäre, aber er beugt sich der Welt. Jesus steht in Ketten, doch er bleibt der Freie. Pilatus sitzt auf dem Richterstuhl, doch er ist der Gebundene.
Die Frage „Was ist Wahrheit?“ ist nicht nur ein philosophischer Gedanke. Sie ist eine Entscheidung.
Wahrheit erkennt man nicht allein mit dem Verstand, sondern mit dem Herzen.
Sie fordert Mut. Sie fordert Vertrauen. Sie fordert die Bereitschaft, sich nicht der Mehrheit zu beugen, sondern dem, der für die Wahrheit lebt und stirbt.
Wer ist dein König?
Unterwerfen wir uns der Welt und laufen denen hinterher, die Gott nicht kennen, oder folgen wir dem einen wahren König? Dem König, der in Dornen gekrönt, gegeißelt und verspottet wird, und doch vollkommen frei bleibt? Wer seine Stimme hört und ihm vertraut, findet nicht nur Freiheit, sondern ein Leben, das über Angst, Druck und Erwartungen dieser Welt hinausgeht. Jesus zeigt uns, dass wahre Herrschaft nicht durch Macht und Gewalt besteht, sondern durch Wahrheit, Liebe und Hingabe.
Jesus sagt:
Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört meine Stimme.
- Johannes 18,37
Die Menge ruft: „Wir wollen Barabbas!“
Pilatus fragt: „Was ist Wahrheit?“
Die unausgesprochene Frage bleibt: Wer ist dein König?
Der Text lädt uns ein, nicht den leichteren Weg zu wählen, nicht dem Druck der Welt nachzugeben, sondern dem wahren König unser Herz zu öffnen. Der König, der in Dornen gekrönt, gegeißelt und verspottet wird, zeigt uns, dass wahre Macht nicht in Gewalt liegt, sondern in Liebe und Wahrheit. Wer ihm vertraut, findet Freiheit. Wer seine Stimme hört, wird zum Leben gerufen.
Ergebnissicherung
3 Aussagen zum Mitnehmen
1) Wahrheit erkennen und folgen:
Pilatus sieht die Unschuld Jesu, doch er folgt nicht der Wahrheit. Wir sind herausgefordert, nicht nur zu erkennen, was richtig ist, sondern auch danach zu handeln.
2) Jesus als König der Liebe:
Jesu Königtum zeigt sich nicht in Macht oder Gewalt, sondern in Hingabe, Wahrheit und Liebe. Er lädt uns ein, ihm zu vertrauen und ihm zu folgen.
3) Entscheidung für den eigenen König:
Jeder Mensch steht vor der Wahl, wessen Stimme er hört und welchem König er sein Leben unterstellt – der Welt, der Angst oder Jesus Christus.