Seht hin, er ist allein im Garten

Unser Herr Jesus durchlebt im Garten Gethsemane seine dunkelste Stunde. Er realisiert, dass der ganze Zorn Gottes über die Sünde der Menschheit ihn treffen wird. Aber er bleibt mit seiner Angst nicht allein, sondern wendet sich vertrauensvoll an seinen Papa im Himmel und proklamiert schließlich seinen Gehorsam.
Seht hin, er ist allein im Garten

Text: Markus 14, 32 - 42

Ziel der Bibelarbeit

Die Jugendlichen lernen, sich ein Beispiel an unserem Herrn Jesus zu nehmen und in jeder Situation zu Gott zu kommen, zu ihm zu beten, ihm alles zu sagen, was sie bewegt, um letztlich mit Gott durch die Herausforderung zu gehen/bzw. dankbar zu werden und Gott zu loben.

Einstieg

Frage in die Runde: Wer hat schonmal das Sprichwort „Not lehrt beten“ gehört?

Was könnte damit gemeint sein? Nehmt Stellung zu dem Sprichwort!

Seht ihr das genauso? Was könnte problematisch sein? Ist das Sprichwort mit der Bibel vereinbar?

Wie sieht es mit deinem persönlichen Gebetsleben aus? Betest du mehr, wenn es dir schlecht geht und du vor Herausforderungen stehst, als wenn es dir gut geht und dein Leben läuft?

[Der Jugendleiter sollte darauf achten, dass die Einstiegsrunde nicht ausufert. Am Ende der Bibelarbeit ist Zeit, in den Kleingruppen nochmals auf die Fragen einzugehen. Dabei sollte folgender Hinweis bedacht werden: Weder nur die eine Seite (Beten, wenn es einem schlecht geht), noch nur die andere Seite (Beten, wenn es einem gut geht) finden wir in der Bibel. Wir sollen in jeder Situation beten und mit unseren Anliegen vor Gott kommen, eben nicht nur wenn wir in Not sind, aber auch gerade wenn wir in Not sind. Darauf wird jetzt nochmal in der Hinführung eingegangen.]

Hinführung

Gott fordert uns in der Bibel regelrecht dazu auf, mit allem was uns bewegt, zu ihm zu kommen. Er will, dass wir ihm alles im Gebet sagen. Er will, dass wir alle Sorgen, alle Nöte, alle Ängste mit ihm teilen. Zum Beispiel heißt es in Philipper 4, 6:

"Seid um nichts besorgt, sondern in allem lasst durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kund werden."

Gerade in den Psalmen lesen wir ganz viel davon, wie die Menschen ihr ganzes Leben mit Gott teilen. Sie beschweren sich sogar vor Gott über andere Menschen. Und Gott sagt selbst in Psalm 50,15:

„Und rufe mich an am Tag der Bedrängnis: Ich will dich erretten, und du wirst mich verherrlichen!“

Auch unser Herr Jesus tut genau das: In der Stunde seiner größten Not, seiner größten Bedrängnis, dort wo es wirklich ernst wird und sein Tod kurz bevorsteht, wendet er sich an seinen Vater und BETET. Diese Stelle wollen wir uns jetzt genauer anschauen.

Erarbeitung und Anwendung

Hintergrundinfos

  • Gethsemane: Der Name bedeutet „Ölkelter“ und bezieht sich auf einen Garten voller Olivenbäume am Hang des Ölbergs. Jesus suchte diesen Ort oftmals mit den Jüngern auf, wenn er sich zum Beten von den Mengen zurückziehen wollte.

  • sehr bestürzt und sehr beängstigt“: angesichts der furchtbaren Aussicht, den ganzen Zorn Gottes über die Sünde zu tragen, überwältigte den Herrn diese schreckliche Angst.

  • Abba: Ein liebevoller, vertrauter aramäischer Begriff, der dem Wesen nach gleichbedeutend mit dem deutschen Wort „Papa“ ist (Vgl. Röm 8,15; Gal 4,6)

  • Kelch: Der Kelch des göttlichen Zorns, von dem das AT spricht (Ps 75,9; Jes 51,17; Jer 49,12). Christus musste den Zorn Gottes über die Sünde, über den Teufel und die Macht des Todes erleiden.

[Anmerkungen entnommen aus: MacArthur, John (2009). Studienbibel in der Schlachter Version 2000. CLV Verlag, Bielefeld.]

Lesen des Textes: Markus 14, 32 - 42

[Textstelle aufschlagen, kurz die vorhergehenden Ereignisse zusammenfassen (evtl. einen Jugendlichen bitten, dies zu tun), dann den Text gemeinsam lesen.]

Jesus hat Angst

Unseren Herrn Jesus überfällt in dieser Nacht die wahrscheinlich größte Angst und Not, die man sich vorstellen kann. Es liest sich ja oft recht schnell und leicht, deshalb will ich nochmal wiederholen:

Auf einmal wurde er von schrecklicher Angst und Grauen gepackt und sagte zu ihnen: Die Qualen meiner Seele bringen mich fast um. Bleibt hier und haltet euch wach!
- Markus 14,34 - NeÜ

Seine Verhaftung, sein Prozess, seine Folterung, sein Tod standen kurz bevor. Jeder von uns hätte Angst vor dem Leiden, vor den Schmerzen, vor dem Tod.

Aber es gibt noch etwas anderes, wovor Jesus Angst hatte.

Jesus hat Angst vor dem Zorn Gottes

„Wenn Gott liebevoll und gut ist, muss er zornig auf das Böse sein – so zornig, dass er etwas dagegen unternimmt.“
– Timothy Keller

Warum trifft der Zorn Gottes unseren Herrn Jesus? Warum muss der Sohn den Zorn des Vaters ertragen? Hier finden wir die Botschaft vom Kreuz. Das ist die Botschaft vom Kreuz!
Jesus trägt am Kreuz meine Schuld, mein Versagen. Ihn trifft der Zorn Gottes wie er eigentlich mich hätte treffen sollen. Und es ist die Schuld von jedem Menschen. Er trägt die Schuld der ganzen Welt.

Hier in Gethsemane realisiert der Herr, dass das ihm kurz bevorsteht. Jesus, der König der Könige und Herr aller Herren, der Sohn des Vaters, wird vom Vater getrennt sein. Er wird von Gott verlassen sein. Er durchlebt am Kreuz die Trennung von Gott, wie wir sie eigentlich in der ewigen Verdammnis erlebt hätten, als Strafe für unseren Stolz, Habgier usw.

„Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.“
- Johannes 3, 36

Jesus bleibt nicht mit seiner Angst allein

ABER: Jesus resigniert nicht darunter. Jesus gibt nicht auf. Jesus wird nicht von seiner Angst überwältigt. DENN er wendet sich an seinen Vater. Er sagt vertrauensvoll „Papa“ zu ihm. Er weiß, dass sein Papa ihm zuhört. Jesus sucht den Kontakt zu seinem Papa im Himmel. ER BETET!

Wie betet Jesus?:

„Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir weg! Doch nicht, was ich will, sondern was du willst!“
- Markus 14,36 - ELB

Jesus ist ehrlich. Er bittet Gott, dass er nicht diesen Weg bis zu Ende gehen muss. Er sagt ihm, dass er eigentlich nicht leiden und sterben will und bittet Gott, ihm dies alles zu ersparen.

Und trotzdem ist er ganz und gar gehorsam. Er erkennt den Willen des Vaters an. Er weiß, dass das der ewige Plan Gottes war und ist. Er ordnet seine Wünsche den Zielen Gottes unter. Seine Liebe zu uns ist trotzdem größer als die Angst, die ihn scheinbar zu überwältigen drohte.

Meine Frage an dich ist:

Was tust du in diesen Momenten der Angst, wo du nicht mehr weiter weißt, wo alles ausweglos erscheint?

Fängst du dann an zu beten, wie Jesus es hier tat, in seiner dunkelsten Stunde?

Wendest du dich dann an deinen Vater im Himmel, der so viel mächtiger ist, der Himmel und Erde erschaffen hat, dem alles möglich ist, wie Jesus es hier sagt?

Ich wünsche dir das so sehr, dass du im Herzen begreifst, dass da ein Gott ist, der sich für dich interessiert. Es gibt einen liebevollen Vater, der sich um dich sorgt, der dir wirklich zuhört. Zu dem du immer kommen kannst, wenn du in Not bist, aber umso mehr, wenn es dir gut geht und du dankbar bist. Auch dann sehnt er sich danach, mit dir Zeit zu verbringen.

Und ja, manchmal ist es Gottes Wille, dass wir durch Herausforderungen gehen, die unangenehm sind, die uns aus der Komfortzone holen. Aber auch dann, ist die Botschaft vom Garten Gethsemane diese, dass wir vor Gott ehrlich sein können. Wir können ihm sagen, wie doof wir das finden und gleichzeitig sagen: „Dein Wille geschehe.“
Warum das? Wir haben immer eine Perspektive. Jesus hatte eine Perspektive:

„… indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande nicht achtete und das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.“
– Hebräer 12, 2

Er wusste, dass er nach dem Tod auferstehen wird. Dass er wieder zu seinem Vater zurückkehrt. Und diese Hoffnung haben wir, weil er uns vorausgegangen ist, auch. Auch wir werden ihn bald sehen und wir werden bei ihm sein ohne Sünde und ohne Leiden. Was für eine wunderbare Perspektive!

Ergebnissicherung

Tauscht euch in Kleingruppen über die folgenden vertiefenden Fragen aus.

  1. Wie würdest du jetzt die Frage vom Anfang beantworten? Ist das Sprichwort „Not lehrt Beten“ mit der Bibel vereinbar? Wie sah das Gebetsleben von Jesus aus?

  2. Warum musste Jesus den Zorn Gottes am Kreuz ertragen? Wie kann man mit anderen Worten noch beschreiben, wie sich Gottes Zorn für Jesus äußerte?

  3. Jesus war von Gott verlassen. Warum ist es so schrecklich, von Gott verlassen zu sein?

  4. Fällt es dir manchmal schwer, Gott alles im Gebet zu sagen, mit ihm deine tiefsten Wünsche zu teilen und wirklich ehrlich zu sein vor ihm? Wenn ja, woran könnte das liegen (falsches Gottesbild)?

  5. Wie sieht dein Gebetsleben aus, wenn es dir gerade gut geht? Betest du dann weniger? Was wäre für dich dran, um auch dann der Aufforderung Gottes nachzukommen (Betet ohne Unterlass!) -> Fokus auf Dankbarkeit, Lobpreis, Fürbitte für andere, denen es gerade nicht gut geht.