Mit Jesus gegen unsere geistliche Ermüdung
Auch als Christen sind wir nicht vor inneren Kämpfen befreit: Wie schnell vergessen wir gute Vorsätze und fallen in schlechte Gewohnheiten zurück?! Darum gilt Jesu Weckruf jedem von uns: „Wacht und betet!“
,,Wollt ihr weiter schlafen?''
„Jetzt wird sich mein Leben ändern: Ich werde allein Jesus Christus folgen. Koste es, was es wolle!“
Solche Vorsätze fühle ich immer wieder stark in mir. Vor allem nach einer bewegenden Predigt, einer mitreißenden Konferenz oder einer intensiven Zeit mit Liedern und Gebeten. Ich will mein Leben Jesus weihen. Ich bin mir sicher: Ab jetzt werde ich mehr beten. Mehr dienen. Mehr lieben.
Kennst du solche Momente auch?
Wenn der Heilige Geist uns die Augen öffnet, dass alle Menschen bald vor Gottes Thron stehen werden, dann ist uns sonnenklar: Jetzt ist die Zeit, geistlich wachsam zu sein!
Ähnlich muss sich wohl auch Petrus gefühlt haben, als er nach dem Abendmahl und einem Lobgesang mit Jesus einen Nachtspaziergang nach Gethsemane macht. Er verspricht Jesus, dass er ihn niemals verlassen werde. Er werde Jesus treu bleiben – bis in den Tod.
Leider gescheitert
Als die Jünger mit Jesus im Garten ankommen, erlebt Petrus, wie Jesus von Seelenqualen gepackt wird. Wie kann Petrus seinem Meister in diesem finsteren Augenblick beistehen? Jesus hat eine Bitte an ihn und die Zebedäussöhne:
Bleibt hier und wacht mit mir!
- Matthäus 26, 38
Aber während Jesus ein paar Schritte weitergeht und betet, wird Petrus müde… er gähnt… er blinzelt… er setzt sich hin… er will ja nicht einschlafen, nur etwas bequemer hinlegen… er kämpft noch kurz gegen die Müdigkeit… dann schläft er tief und fest.
Als Jesus zurückkommt, stellt er Petrus die ernüchternde Frage:
Nicht eine Stunde vermochtet ihr mit mir zu wachen?
- Matthäus 26,40
Petrus‘ selbstbewusster Vorsatz war „Gehorsam bis zum Tod“, die schwache Leistung war „Scheitern in weniger als 60 Minuten“.
Sind wir nicht auch oft wie Petrus? Unsere guten Vorsätze verblassen im Alltagstrubel. Und unser Eifer wird von der Bequemlichkeit verdrängt. Vielleicht hatten wir uns vorgenommen, früh morgens zu beten. Aber dann sind wir doch im warmen Bett liegen geblieben. Wir hatten uns vorgenommen, in der Bibel zu lesen. Aber dann waren die vielen Mails doch dringender. Am Ende fallen wir in alte Gewohnheiten zurück.
Warum ist das so? - Es liegt an unserer gefallenen, menschlichen Natur! Jesus sagt:
Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt; der Geist zwar ist willig, das Fleisch aber schwach.
- Matthäus 26, 41
Wenn doch nur unsere menschliche Schwäche nicht wäre.
Der Kampf bleibt
Immer wieder sind die Jünger in dieser Nacht eingeschlafen, denn „ihre Augen waren beschwert“ (Mt 26,43). In ihrer großen Müdigkeit haben sie den Bezug zur Realität verloren: Dass neben ihnen Jesus weint und fleht und dass, während sie sich in ihre Gewänder wickeln und müde zusammenrollen, bewaffnete Soldaten heranmarschieren, bemerkten sie nicht. Zu träge waren ihre Augen.
In dieser Gefahr stehen auch wir Christen. Viel zu schnell fallen unsere geistlichen Augen nach einer erweckenden Predigt wieder zu. Unsere menschliche Natur neigt dazu, die geistliche Not aus dem Blick zu verlieren und nur für das Diesseits zu leben. In diesem Kampf gegen den geistlichen Schlaf stehen wir alle. Darum gilt Jesu Weckruf jedem von uns: „Wacht und betet!“
Die gute Nachricht ist: Unser Kampf gegen unsere menschlichen Schwächen ist voller Hoffnung! Du kannst Siege erringen. Du kannst überwinden. Du bist dem Feind deiner menschlichen Schwäche nicht unterlegen. Hier sind gute Gründe, warum du voller Hoffnung sein darfst:
Jesus liebt dich. Auch wenn du versagt hast.
Noch bevor Petrus scheitert – ja, noch bevor er stolz die Treue schwört – weiß Jesus schon, dass Petrus versagen wird. Und trotzdem sagt er voraus, dass er ihn wiedersehen will (Mt 26,32). Jesus lässt Petrus nicht fallen. Auch wenn Petrus‘ Verhalten traurig für den Herrn war – er sagt zu ihm und den Jüngern: „Steht auf! Lasst uns gehen!“
Jesus verstößt Petrus nicht. Auch wir dürfen wissen:
Seine Liebe bleibt wach, auch wenn unsere Vorsätze einschlafen.
Der Vater ist stärker als unser Fleisch.
Wir sind schwach, weil unser Fleisch schwach ist. Genau deswegen gibt uns Jesus eine starke Waffe mit. Er sagt: „Betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt.“ Im Gebet können wir Gott unsere Schwäche und Not hinlegen. Seine Kraft hilft unserer Schwachheit auf. Gerade in den Momenten, in denen die Bequemlichkeit uns schläfrig macht, dürfen wir beten, dass Gott uns vor unserem eigenen Fleisch bewahrt. So beten wir im Vaterunser: „Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.“ Dieses Böse ist nicht nur außerhalb von uns. Es ist leider auch Teil von unserer gefallenen Natur. Lasst uns beten, dass Gottes Geist uns immer wieder aus unserer fleischlichen Schläfrigkeit weckt.
Hochs und Tiefs sind ein gutes Zeichen
Wenn Jesus uns zuruft: „Wacht!“, dann meint er damit nicht, dass wir einen erhabenen Zustand erreichen sollen, bei dem wir niemals gegen geistlichen Schlaf ankämpfen. Vielmehr macht Jesus deutlich:
Stellt euch auf einen geistlichen Kampf ein – mit Höhen und Tiefen.
Wenn wir scheitern, ist das nicht das Ende. Es zeigt immerhin an, dass wir gekämpft haben. Wir bekennen unsere Schuld, empfangen neu seine Gnade, lernen aus Fehlern und machen weiter. Deshalb: Fasse Mut! Bleib nicht liegen. Lass dich immer wieder neu wecken und motivieren.
Unser Vertrauen ruht auf dem Sieger Jesus Christus.
Das Wichtigste bei unserem Kampf gegen unsere schwache menschliche Natur ist: Wir konzentrieren uns nicht auf uns. Wir richten unsere Blicke und Gedanken auf Gottes Sohn. Er kam in schwacher, menschlicher Gestalt. Und dann hat für uns das geleistet, woran wir ständig scheitern.
Als Petrus‘ Müdigkeit gewissermaßen murmelte: „Nicht wie Jesus will, sondern wie ich will!“, rief Jesus zu Gott: „Nicht wie ich will, sondern wie du willst!“
Während Petrus friedlich geschlafen hat, hat Jesus heftig gebetet. Und mehr noch: Jesus betet für seine Nachfolger. Eine ganze Nacht hindurch hatte er für seine Jünger gebetet, bevor er sie als Apostel berief. Und als der Teufel die Finger nach den Jüngern ausstrecken wollte, hat Jesus gebetet, dass Petrus‘ Glaube nicht aufhört.
Auch wir dürfen wissen: Jetzt gerade ist Jesus Tag und Nacht wach und bittet für dich und mich (Heb 7,25). Was für eine herrliche Wahrheit! Wenn wir uns im Alltag aus der Umklammerung der Bequemlichkeit reißen und ins Gebet gehen, dann kommen wir zu einem Heiland, der die ganze Zeit schon für uns gebeten hat und es auch jetzt gerade tut. Wir beten nicht nur zu ihm, sondern mit ihm. Unser Gebetskampf ist nicht nur anstrengend. Er ist auch schön. Es ist ein Einswerden mit unserem geliebten Jesus.
Darum: Lasst uns wachen und beten.