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Medienkompetenz

Medienkompetenz - Wichtiger denn je

Medien sind für unsere Jugendlichen allgegenwärtig. Warum ist es wichtig, dass wir Medienkompetenzen fördern?

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2. Februar
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3 min
Pexels Matilda Wormwood 4100297

Dieser Artikel wurde 2021 verfasst. Manche Beispiele beziehen sich deshalb auf Trends von 2021. Die Prinzipien, die vorgestellt werden, sind jedoch heute genau so relevant wie vor 3 Jahren.

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“ICH FÜHLE MICH SCHRECKLICH!” Fünf Filme in voller Länge in nur drei Tagen zu sehen haben mir seelisch nicht gutgetan. Von den spannenden Emotionen blieb mir nichts, außer schmerzhaften Flash-Backs an meine Jugendzeit: Der Dauer-Konsum “killt” mich einfach. Nebenbei schiebe ich seit zwei Monaten diesen Artikel auf. 
Das beliebteste Video der letzten 24h in den deutschen YouTube-Trends ist ein   10h(!)-Brawl-Stars-Gamingvideo mit 1,4 Millionen Aufrufen. 
Eltern in meiner Gemeinde bitten mich, mit Jugendlichen noch einmal über die Gefahren von Social Media zu sprechen: "Du kennst dich doch aus und da können sie es sicher von dir eher annehmen.” 
Bei einem christlichen Medientreffen berichten 15-jährige von ihren christlichen Lieblingsaccounts auf YouTube. Beim Checken der Seite läuft mir ein Schauer über den Rücken: Dort geht es vorwiegend um Satan und Verschwörungstheorien, um Luzifer und die globale Umerziehung, achja und mittlerweile auch um Corona und... den Teufel. 

Vier völlig unterschiedliche Situationen, und doch haben alle mit mangelhafter Medienkompetenz zu tun: Bei mir als Mediennutzer, bei dem Brawl-Stars-Zocker als Mediengestalter, bei den Jugendlichen der Gemeinde als eigene Mediennutzung-Überdenker und zuletzt bei den Jugendlichen bei dem Treffen, die die Zuverlässigkeit von Medien falsch bewerten. Das sind die vier Kernpunkte, um die es bei der Vermittlung von Medienkompetenz geht: Medien nutzen, gestalten, überdenken und bewerten. Korrekt angewandt helfen diese vier Kompetenzen gegen folgende Gefahren: 

  1. Wir entwickeln schädliche Gewohnheiten, wodurch wir uns nicht mehr fokussieren können. “Die Forschung zeigt, dass wir darauf trainiert werden, abgelenkt zu sein. Wir trainieren unser Gehirn darauf, von einer Sache zur anderen zu springen. Und all diese Ablenkungen machen es unserem Gehirn schwer, herauszufinden, was relevant ist." - Sue Ellen Christian, Professorin für Kommunikation 
  2. Wir verlieren Zeit. Mit der kostbarsten Ressource, die Gott uns anvertraut hat, dürfen wir weiser umgehen. 
  3. Wir werden ausgebeutet. In unseren heutigen Mediensystemen ist Aufmerksamkeit die neue Währung. Das heißt: Jemand beutet dein mediales Verhalten aus und verdient damit Geld. 
  4. Wir übernehmen einseitige Einstellungen und Meinungen. Medien funktionieren in Filterblasen. Wir sehen fast nur, was uns gefällt. Es muss nicht unbedingt wahr oder ausgewogen sein. Selten wirst du eine konträre Meinung sehen. 
  5. Wir konsumieren. In den heutigen Mediensystem werden wir vermehrt in eine passive Rolle gedrängt und bleiben Konsumenten. Kreation mit eigener Kreativität fällt uns schwer. 
  6. Wir sehen das Leben falsch. Durch Serien und Social Media sehen wir nur die spannenden Momente und Highlights. Das formt falsche Erwartungen an das echte Leben. 
  7. Wir sehen Ereignisse falsch. In Großbritannien bspw. verfügen lediglich 2% der jungen Menschen über die Fähigkeit, um Fake News von der Wahrheit zu unterscheiden. https://blog.pressreader.com/library-trends/mass-media-and-its-impact-on-information-literacy
  8. Wir befeuern Unnützes. Als Christen merken wir, wie häufig wir frustriert mit unserer Mediennutzung sind. 
  9. Wir verlieren Geld. Durch unbemerkte In-Game- oder In-App-Käufe investieren wir unbedacht Geld. 

Ziemlich schockierend, oder? Das muss ich zugeben. Und die Liste ist damit längst noch nicht fertig. Aber obwohl es schockierend ist, und ich darüber Bescheid weiß, fällt es mir schwer, mein Verhalten zu ändern. Aber es gibt Hoffnung. Ich kann bewusst die Gefahren angehen und mit Gott überdenken! Mehr Details dazu bekommst du in einigen Texten zum Thema. Ich möchte dir aber auch hier schon einige Ansätze mitgeben. Ich will dich dazu einladen, dich mit Jugendlichen gemeinsam darauf zu fokussieren,... 

  • nicht zu zensieren. Gut damit umgehen lernen ist der richtige Weg. 
  • gesunde Limits zu stecken und digitale Mediennutzung abzugrenzen und mit “analogen Tätigkeiten” zu verknüpfen, bspw. dem Lesen eines Buches, der Bibel, Zeit mit Gott, Sport. 
  • bewusst gestalten zu lernen: Produziere mediale Inhalte mit Hilfe von gesunder biblischer Ethik. 
  • dass gesunde Mediennutzung auch für ein gesünderes ganzheitliches Leben hilft. 
  • aktuelle Mediensysteme zu durchschauen, Aufmerksamkeitsökonomie zu entlarven und versteckte Botschaften zu erkennen.  

Am wichtigsten ist allerdings darüber im Gespräch zu bleiben. Rede mit deinen Leitern, Co-Leitern, Jugendlichen und Teens über euren Medienkonsum. Frag nach, was du dir zuletzt angesehen hast, was du gelernt hast, was du als Gefahren erkannt hast. 

Durch Anwendung von gesunder Medienkompetenz lernen wir, was die Gesellschaft bewegt und prägt, durchschauen die Mechanismen unserer Zeit, werden weiser im Umgang damit und können so als medial fähige Christen zu einer Kultur der Wahrheitsfindung, der Transparenz und Ausgewogenheit beitragen. Wir lernen selbstbestimmt und fördern Demokratie und Mitbestimmung und können mit Jesus im Fokus auch bei medialen Inhalten ein Licht in dieser digitalen Welt sein (Matthäus 5,14).