In Jesus bleiben
Diese Bibelarbeit fordert uns heraus nah an Jesus zu bleiben - unserer Kraftquelle, ohne die wir keine Frucht bringen können.
Überblick
Ein Mensch, der mit Jesus verbunden bleibt, ist wie eine Rebe am Weinstock. Er empfängt Leben und bringt Frucht. Doch dieses Leben in Liebe führt nicht nur zu Harmonie, sondern stößt oft auf Hass und Ablehnung. Für genau diese Situationen gibt Jesus uns den Heiligen Geist als Beistand und Kraftquelle.
Ziel
Die Jugendlichen sollen verstehen: Wenn sie mit Jesus verbunden bleiben, verändert das ihr Denken, ihre Beziehungen und ihr Handeln. Sie entdecken, dass Früchte aus dieser Beziehung wachsen und nicht aus Druck oder Leistung. Sie lernen, den Heiligen Geist als Begleiter, Mutmacher und Tröster wahrzunehmen.
Einstieg
a) Der Weinstock: Besorge im Vorhinein eine abgeschnittene Rebe. Erkläre wo die Rebe eigentlich am Weinstock hängt. Stelle den Jugendlichen dann die Frage:
„Was glaubt ihr, fängt die Rebe jetzt an Früchte zu tragen?“
Zielgedanke: Genau so ist der Glauben ohne eine Verbindung zu Jesus. Der Glaube bleibt fruchtlos.
b) Die Taschenlampe: Nimm eine Taschenlampe mit in der du zuvor die Batterien entfernt hast. Versuche vor den Jugendlichen die Taschenlampe anzumachen und frage um ihre Hilfe. Wenn die Jugendlichen dann bemerken, dass die Batterie fehlt, dann mach die Batterie in die Taschenlampe und schalte das Licht nun ein.
Zielgedanke: Die Taschenlampe kann sich anstrengen und wird doch kein Licht erzeugen können. Es braucht die Batterie, damit Licht erscheint. Wie die Batterie die Lampe zum Leuchten bringt, so bringt die Verbindung zu Jesus unser Leben zum Leuchten.
c) Trinität: In diesem Abschnitt geht es um Gott, den Vater; Gott, der Sohn (Jesus) und Gott, der Heilige Geist.
- Erstellt eine Grafik, welche diese Dynamik veranschaulicht
- Was entdecken wir hier über den Vater? Was über den Sohn? Und was über den Geist?“
Erarbeitung und Anwendung
Der Textabschnitt lässt sich gut in vier Abschnitte unterteilen, die thematisch aufeinander aufbauen. Empfehlenswert ist es, dass auf einen Abschnitt der Schwerpunkt gelegt wird und die anderen Abschnitte kürzer betrachtet werden.
1. Der Weinstock (15,1-8)
Zeige den Jugendlichen ein Bild von einem Weinstock oder bringe eine echte Rebe mit.
Erkläre kurz, dass die Rebe nicht für sich allein wächst, sondern komplett vom Weinstock abhängig ist.
Aufgabe: Lest den Abschnitt gemeinsam.
Welche sprachlichen Bilder (Metaphern) benutzt Jesus hier? In Kleingruppen beantworten die Jugendlichen diese Frage und überlegen auch schon, was Jesus damit meinen könnte.
Weingärtner = Gott, der Vater
Gott reinigt Bereiche, die der Frucht im Weg stehen (Heiligung). Er entfernt Belastendes oder Totes, damit Neues wachsen kann (Heiligung).
Weinstock = Jesus – der Sohn Gottes
Er ist die Quelle des Lebens und nur wer mit ihm verbunden bleibt, kann gute Frucht bringen
Reben = Nachfolger von Jesus
Die Reben empfangen alles Wesentliche von der Quelle (Jesus): Nahrung, Saft, Halt und Richtung. Ihre Aufgabe ist nicht „Produktion durch Anstrengung“, sondern verbunden bleiben, damit das Leben durch sie fließen kann.
Frucht = Was Gottes Leben in uns hervorbringt (Charakter, Liebe, Einfluss, Werke)
Frucht steht für das Ergebnis eines Lebens in Verbindung mit Jesus.
Sie entsteht nicht durch Druck, sondern als „natürliches“ Ergebnis, wenn Gottes Leben durch uns fließt. (Zur Vertiefung sind die Verse aus Galater 5,16-26 zu empfehlen)
Bleiben
Kein einmaliger Moment, sondern eine andauernde Beziehung zu Jesus.
„Bleiben“ beschreibt Vertrauen, Nähe, Abhängigkeit, Gebet, Wort Gottes, Treue im Alltag. Der Fokus liegt nicht auf Leistung, sondern auf Beziehung.
2. Freunde von Jesus (15,9-17)
Viele würden in diesem Abschnitt den Fokus auf das „Gebot der Liebe“ legen. Ich möchte im Sinne des Verses aus 1. Johannes 4,19 vorgehen:
Wir lieben ihn, weil er uns zuerst geliebt hat.
Das Gebot der Liebe beginnt mit der Liebe von Jesus zu uns. Unsere Liebe zu Jesus und zu anderen Mitmenschen ist lediglich die Reaktion auf selbst erfahrene Liebe.
Diese Liebe wird besonders in dem Wort „Freunde“ sichtbar (3x in diesen Versen). Das Wort „Freunde“ hat in der Zeit des AT und NT eine sehr starke Bedeutung, welche wir heute kaum nachvollziehen können.
In dem Buch „Made for Friendship“ schreibt der Autor Drew Hunter davon, dass wir in einer Zeit leben, die vor allem „Fast Food Freundschaften“ kennt. Er tätigt hierzu den Satz:
Das meiste, was wir heute FREUNDSCHAFT nennen, ist vielmehr BEKANNTSCHAFT.
- Drew Hunter
In der Antike bedeutete Freundschaft keine lockere Bekanntschaft, sondern tiefe Nähe, Vertrauen und Loyalität. Freunde hatten Zugang zu vertraulichen Informationen und wurden an Plänen beteiligt. Knechte hingegen befolgten nur stumpf die Befehle ihres Herrn.
Jesus nennt uns Freunde, weil er uns in den Willen des Vaters einweiht (V.15) und uns erwählt hat, Frucht zu bringen (V.16). Freundschaft mit Jesus bedeutet: Er liebt, erwählt, beauftragt und befähigt uns.
In diesem Wissen wird dieser Abschnitt aus Johannes 15,9-17 noch überwältigender.
Wenn du zu Jesus gehörst und ihm nachfolgst, nennt er dich nicht Knecht, sondern FREUND.
Aus diesem GELIEBT SEIN wird die Liebe zu Gott und den Mitmenschen geboren. Das ist die Wurzel von dem Gebot „Liebe deinen Nächsten“.
Fragen zum Nachdenken:
a) Was bedeutet es für dich, dass Jesus seine Freunde liebt?
Er liebt nicht, weil wir perfekt sind, sondern weil er uns sein Leben schenkt.
Christus ist nicht für uns gestorben, weil wir so liebenswert waren, sondern um uns liebenswert zu machen.
- Timothy Keller
→ Wie verändert diese Art von Liebe dein Bild von Gott und dein Bild von dir selbst?
b) Wie können wir von Jesus lernen zu lieben? (Nicht aus Pflicht, sondern als Reaktion auf empfangene Liebe)
→ Wo fällt dir lieben schwer? Was kannst du von diesen Versen lernen?
3. Ablehnung als Nachfolger von Jesus (15,18-25 + 16,1-4)
Fragen zum Austausch (Zeugnis geben):
- Hast du als Christ bereits Ablehnung, oder sogar Hass erfahren?
- Wie ging es dir damit? Was hat das mit dir gemacht?
Jesus findet hier sehr viele Worte des Trostes für seine Jünger (sehr seelsorgerliche Verse).
Trost 1: Denkt daran, dass ich vor euch gehasst wurde (V.18). Jesus zeigt damit, dass es nicht untypisch ist, dass seine Nachfolger dasselbe erleiden, wie er erleiden musste. Du bist nicht komisch.
Trost 2: Eure Identität liegt in mir: Jesus Christus. Die Welt kennt mich nicht. (V.19). Eure Identität ist in mir, daher erhaltet ihr Ablehnung.
Trost 3: Ihr werdet UM MEINES NAMEN WILLEN verfolgt (V.21). Eugen, Mitarbeiter bei OpenDoors, sagte einmal:
Da wo Christen verfolgt werden, dort wird CHRISTUS verfolgt und wo Christus verfolgt wird, da ist Christus gegenwärtig.
Das Zitat sagt nicht, dass nur dort Jesus gegenwärtig ist. Vielmehr möchte es in Verfolgung Mut machen, da Christen sich in solchen Situationen oft einsam (oder von Gott verlassen fühlen).
Trost 4: Ich warne euch jetzt, damit ihr euch nicht wundert, wenn es so weit kommt (16,4). Seid nicht überrascht!
Wichtige Notiz: Verfolgung und Ablehnung schaut in Deutschland manchmal anders aus. Jesus sagt nicht: „Wenn ihr nicht verfolgt werdet, dann seid ihr nicht meine Nachfolger“, sondern: „Wundert euch nicht, wenn ihr verfolgt werdet.“
Praktisch: An dieser Stelle kann das Lied „Ewigkeit“ von der Outbreakband gesungen werden. Am besten schaut ihr dabei das Musikvideo. Dieses Lied ist sehr bekannt, und doch wissen wenige, dass dieses Lied für die „verfolgte Kirche“ geschrieben wurde. Dadurch bekommt das Lied eine noch tiefere Bedeutung.
Anschließend habt eine Gebetsgemeinschaft:
- Betet füreinander. Wo erlebt ihr Ablehnung und Hass für euren Glauben?
- Betet für verfolgte Geschwister. Sucht euch vorher gerne konkrete Gebetsanliegen raus (z.B. bei OpenDoors). Wir sind eine Gemeinde, und wenn ein Körperglied leidet, dann leiden alle mit ihm (1. Korinther 12).
4. Der Beistand des Geistes (15,26-27)
Der Geist ist unser Tröster gegen die Welt: Er gibt Mut zum Zeugnis, indem er uns das Herz Christi zeigt.
- Richard Sibbes
Nachdem Jesus seinen Jüngern von Ablehnung und Verfolgung erzählt hat, spricht er sofort von Trost. Er lässt sie nicht mit Angst zurück, sondern mit einer Verheißung: Er sendet den Heiligen Geist.
Der Heilige Geist ist nicht einfach ein Gefühl oder eine Kraft, sondern eine Person. Er ist Gott selbst, der an unserer Seite steht. Jesus nennt ihn den „Beistand“. Das griechische Wort „parakletos“ beschreibt einen Anwalt, Tröster, Helfer, Verteidiger und Ermutiger.
Zwei Aufgaben des Geistes in diesem Abschnitt
a) Der Geist bezeugt Jesus (V.26)
Der Heilige Geist macht deutlich, wer Jesus ist. Er lenkt unseren Blick nicht auf uns selbst oder auf sich, sondern immer auf Christus. Er zeigt uns das Herz von Jesus in unserem Alltag, in der Gemeinde und in Momenten der Angst.
b) Der Geist befähigt uns zum Zeugnis (V.27)
Wenn wir Jesus bezeugen, tun wir das nicht aus eigener Kraft. Unsere Worte wären leer, unser Mut schnell verbraucht. Der Heilige Geist schenkt Mut, Klarheit und Hoffnung.
Der Heilige Geist ist nicht ein Einfluss, sondern eine Person und als solche ist er der große Freund des Christen.
- C.H. Spurgeon
Der Geist hilft uns nicht nur, für Jesus zu leben, sondern er hilft uns auch, von Jesus zu sprechen.
Jesus erwähnt den Beistand nicht zufällig direkt nach den Worten über Hass und Verfolgung. Er weiß, dass seine Jünger ohne seine Hilfe hilflos wären. Darum sagt er nicht: „Stellt euch nicht so an“, sondern: „Ich werde euch den Beistand senden.“ Nicht: „Strengt euch mehr an“, sondern: „Ihr seid nicht allein.“
Ergebnissicherung
Fragen zur Reflexion:
- Was hast du neu über Jesus gelernt? Was begeistert dich erneut an ihn?
- Wo fällt es dir schwer jemanden zu lieben? Was möchtest du hier von Jesus lernen? Werde aktiv!
- Was hast du über den Heiligen Geist gelernt? Wo hast du noch Fragen?
- Geht bewusst in den Austausch; betet anschließend in Kleingruppen und singt zum Abschluss nochmal das Lied „Ewigkeit“
Abschlussgedanke:
Wiederhole den Anfangsgedanken mit der Rebe und den Weinstock. Endet dann mit dem Lied „Nur durch Christus in mir“.