,,Ich bin's'' - Göttliche Herrlichkeit trifft auf menschliches Versagen
Diese Bibelarbeit zeigt den starken Kontrast zwischen Jesus, der seine Herrlichkeit in Sanftmut entfaltet, und Petrus, der an seiner eigenen Angst und Schwachheit scheitert.
Überblick
Johannes 18 eröffnet die Passionsgeschichte Jesu und nimmt uns mit hinein in einen eindrücklichen Kontrast: Auf der einen Seite steht Jesus, der seinen Feinden nicht widerstrebend begegnet, sondern mit freiwilliger Entschlossenheit und göttlicher Autorität. Auf der anderen Seite sehen wir Petrus, der mutig und eifernd sein möchte, jedoch letztlich an seiner eigenen Angst und Schwachheit scheitert.
Während Jesus seine Herrlichkeit in Sanftmut entfaltet, zerbricht Petrus an seinen gut gemeinten, aber unhaltbaren Vorsätzen. Wir sehen: die Stärke Christi zeigt sich daran, dass er sich in Liebe hingibt. Unsere menschliche Kraft kann diesen Weg nicht fassen.
Der Herr bleibt jedoch souverän und begegnet dem Versagen von Petrus nicht mit Verurteilung, sondern mit der Gnade, die aus seiner göttlichen Liebe fließt.
Ziel
Die Jugendlichen sollen erkennen, dass Jesus selbst in den tiefsten Phasen seines Leidens souverän bleibt. Seine Liebe leuchtet dort auf, wo menschliche Treue zerbricht. Der Kontrast zwischen Jesus und Petrus zeigt, wie vollkommen die Hingabe des Herrn Jesus ist und wie freundlich er uns in unserer Angst und in unserem Versagen begegnet.
Einstieg
Hinweis: Bei der Auswahl der Einstiegsoption ist es wichtig zu wissen, in welchem Kontext man sich befindet. Die drei Optionen sind für unterschiedliche Konstellationen gedacht:
a) Für gesprächige Gruppen (Gruppengröße: 5-30 Leute)
Stellt zwei Flipcharts auf: „Stärke“ & „Schwachheit“
Die Jugendlichen notieren Begriffe oder Situationen, die sie damit verbinden. Das schafft den Übergang zu Jesus und Petrus. Alternativ könnt ihr die Begriffe im Plenum sammeln.
b) Für ruhige Gruppen:
Kurze Stille:
Wann hast du zuletzt versucht, etwas gut zu machen, und bist dabei doch gescheitert?
c) Für große Gruppen, weniger persönliches Setting
Mentimeter:
Erstellt eine Wortwolke zu Petrus. Was assoziieren die Jugendlichen mit seinem Namen, seiner Geschichte?
Erarbeitung & Anwendung
Hintergrund
Johannes zeigt uns Jesus nicht als zufällig gewähltes Opfer religiöser Führer. Wir sehen hier den Sohn Gottes, der in völligem Gehorsam gegenüber dem Vater den Weg des Kreuzes wählt. Jesus geht nicht unfreiwillig in den Tod, sondern er folgt dem Weg, den der Vater bestimmt hat.
Gleichzeitig lässt uns die Geschichte von Petrus erkennen, wie schnell gut gemeinter Eifer in Versagen umschlagen kann, sobald unser Glaube durch äußere Umstände bedroht wird. In unseren Versen begegnen sich göttliche Souveränität und menschliche Zerbrechlichkeit. Genau dort erscheint uns die Größe des Evangeliums.
Vor diesem Hintergrund wollen wir gemeinsam den Text erschließen.
An dieser Stelle könnte man die Jugendlichen aufstehen lassen, einen Moment des Durchatmens anleiten und daraufhin den Bibeltext vorlesen. Um Bewusstsein für das Wort Gottes zu schaffen, könnte man anschließend bekräftigend sagen: “Das ist das Wort Gottes.”
1. Die Begegnung im Garten – „Ich bin’s“ (V.1–9)
Jesus tritt der bewaffneten Gruppe, die von Judas angeführt wird, bewusst entgegen. Jesus selbst geht seinem Verräter entgegen und stellt sich den Fragen seiner Feinde. Auf ihre Frage antwortet er schlicht, aber mit göttlicher Autorität:
„Ich bin’s.“
Die Worte Jesu erinnern mich an die Offenbarung Gottes in 2. Mose 3,14 („Ich bin, der ich bin“). Johannes möchte uns erkennen lassen, dass Jesus sich nicht nur als den Gesuchten Jesus, von Nazareth identifiziert, sondern, dass er sich als der offenbart, der in seinem Wesen absolut göttlich ist. Mensch und Gott zugleich.
In dem Moment in dem Jesus diese Worte spricht, weichen die Soldaten zurück und fallen zu Boden. Was sie trifft, ist die Autorität seiner Gegenwart. Jesus ist nicht Getriebener. Er ist der Herr, der den Weg des Vaters kennt und annimmt.
Schlüsselgedanke:
Jesus geht den Weg des Leidens nicht gezwungenermaßen, sondern in voller Hingabe an den Willen des Vaters.
Evangelium:
Der „Ich bin“, ist selbst den untersten Weg des Leidens gegangen, damit du in geistliche Freiheit aufbrechen kannst. (Vers 8: Sucht ihr mich, so lasst diese gehen!”)
Anwendung
- Wo erfährst du, dass Jesu Wort Autorität hat? Wie prägt es deinen Umgang mit Angst?
2. Ein gut gemeinter Fehlgriff – Petrus zieht das Schwert (V.10–11)
Petrus will seinen Herrn unbedingt verteidigen. Er kann nicht mit ansehen, wie sie Jesus verhaften. Doch Jesus durchkreuzt seine Vorstellung von Rettung:
Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir der Vater gegeben hat?
- Johannes 18, 11
Der “Kelch” steht für den Weg des Leidens, den Jesus gehen muss.
Hier begegnet uns der erste radikale Kontrast zwischen Jesus und Petrus. Petrus möchte es selbst in die Hand nehmen, er möchte mit menschlichen Mitteln kämpfen. Petrus Handeln zeigt, mit was für einem beschränkten Verständnis wir Menschen vor dem Heilsplan Gottes stehen. Was hier passiert, widerstrebt Petrus Sinn nach Gerechtigkeit.
Evangelium:
Christus wählt den Weg, den wir niemals gehen könnten. Er “trinkt den Kelch” des Gerichts, damit wir leben können.
3. Kajaphas (V.14)
Für einen Augenblick möchte ich das Augenmerk auf einen kurzen, unscheinbaren Vers in diesem Abschnitt lenken.
Das war der Kajaphas, der den Juden geraten hatte, es sei besser, dass ein Mensch für das Volk umkomme.
- Johannes 18,14
Kajaphas, der Hohepriester hatte diese Worte aus politischen und pragmatischen Motiven gesagt. Was er ausdrücken wollte, ist: “Tötet ihn, um politisches Übel für unser Volk abzuwenden!”
Gott gebraucht seine Worte, um eine tiefere Wahrheit auszudrücken. Jesus wird tatsächlich für sein Volk sterben. Stellvertretend für alle Menschen wird er den Kreuzestod zur Vergebung unserer Sünden sterben.
Hier wird sichtbar, dass Gottes Ratschluss selbst durch Menschen geschieht, die ihn weder kennen noch verstehen.
Evangelium:
Christus stirbt stellvertretend für uns. Wir müssen uns nicht zu Gott hinaufarbeiten. Er selbst kommt zu uns in Christus.
4. Jesus vor Hannas (V.12–24)
Jesus steht zwar gebunden vor menschlichen Autoritäten, doch das ändert nichts an der Realität seines Reiches. Jesu Antworten vor Hannas sind ruhig, klar und ohne jede Spur von Angst. Als der Diener ihn schlägt, reagiert Jesus weder zornig noch aggressiv, sondern antwortet in Wahrheit.
Evangelium:
Was sich hier abzeichnet, verdeutlicht uns das Paradoxe am Evangelium. Jesus überwindet die Sünde, indem er sich selbst überwinden lässt. Der Unschuldige nimmt Leid auf sich, damit Schuldige Frieden finden. Seine Demut ist unsere Hoffnung.
5. Petrus’ Verleugnung – Einstieg in die Distanz (V.15–18; 25–27)
Petrus folgt Jesus mit etwas Abstand. Als er am Tor gefragt wird, ob er zu Jesus gehöre, antwortet er mit den fatalen Worten: “Ich bin’s nicht.”
Fällt euch auf, wie diese Worte das direkte Gegenteil zu Jesu “Ich bin’s” sind?
Petrus versagt. Wie interessant, dass Johannes uns die Herrlichkeit Jesu gegenüber dem Versagen von Petrus an diesem Wortspiel zeigt (V.17).
Die erste Verleugnung findet am Tor statt. Wenig später steht Petrus mit Dienern und Knechten der Feinde Jesu ums Feuer herum und wärmt sich (V.18): Ein kleines Detail, was äußerlich harmlos wirkt. Es zeigt jedoch, was die erste Verleugnung mit dem Herzen Petrus macht: Aus der Distanz zum Herrn wird Nähe zu den Falschen.
Sein Versagen drängt ihn weg von Jesus, sein Herz findet Halt an einer falschen Wärme und schließlich folgt die wiederholte Verleugnung.
Und Jesus? Jesus bleibt derjenige, der Petrus später wiederherstellt und für ihn leidet, während Petrus den Herrn verleugnet.
Evangelium:
Christus lässt seine Kinder nicht los. Seine Gnade ist größer als unser Versagen.
Anwendung
- Wo suchst du Wärme und Sicherheit an anderen Quellen als bei Christus?
- Wie beeinflusst dein Umfeld deine Bereitschaft, zu Jesus zu stehen?
Wenn du merkst, dass es dir immer wieder schwerfällt, dich zu Jesus zu stellen, dann darfst du wissen, dass er sich schon lange zu dir gestellt hat!
Ergebnissicherung
Option A – Reflexionsfragen
Nehmt die Reflexionsfragen aus jedem Abschnitt und gebt noch einmal Zeit, über die Fragen und Antworten nachzudenken. Eventuell könntet ihr in eine Kleingruppenzeit gehen, in der die Jugendlichen sich gemeinsam über ihre Antworten und Gedanken zum Text austauschen können.
Option B (Bezug zu Einstieg A)
Schaut euch nochmal eure Flipcharts an. Sammelt gemeinsam und überlegt, was die Bibel in Johannes 18 zu wahrer, göttlicher Stärke und zu menschlicher Schwachheit sagt.
Endergebnis hier könnte sein: Wahre Stärke ist nicht, das Schwert zu ziehen und es selbst erledigen zu wollen. Wahre Stärke ist einzusehen, dass Jesus meine Schwäche ausfüllen muss.