Gebet zwischen Ablenkung & Stress
Schule, Arbeit, Aufgaben, Freunde treffen... wann bleibt da eigentlich noch Zeit für Gott? Zeit für das Gespräch mit Gott? Diese Andacht will uns herausfordern in einem Leben mit Stress & Ablenkung das Gebet zu priorisieren und zur Herzenssache zu machen.
ME – erzähl von dir, wo dich der Text / das Thema abholt
„Ob ich bete? Klar, ich bin doch Christ. Wann? Also…ähm…ja zum Essen. Und abends – selbstverständlich. In der Gemeinde auch, ja. Also, ab und zu. Mit den anderen halt.“
So ähnlich könnte eine stammelnde Beschreibung meines Gebetslebens bis vor einiger Zeit aussehen.
„Achso, Stoßgebete logo. Immer wieder…hier und da.“
Wo waren wir? Ach ja, mein Gebetsleben. Beeindruckend? Nicht wirklich.
Es ist auch echt viel los. Und ganz ehrlich, manchmal ist beten doch super uneffektiv. Was man da alles machen könnte?!
Für die Schule lernen, Aufgaben zu Hause erledigen, mich für die Andacht in der Jungschar vorbereiten, Freunden von Jesus erzählen…also Freunde treffen, was lesen, Fußball schauen, nur mal eben ein Reel schauen. Also eine Stunde…
Oh, da bin ich wieder.
WE – wo holt der Text / das Thema deine Hörer ab
Für viele ist „Gebet“ ein frustrierendes Thema! Vor allem bei jungen Christen. Jeder erzählt dir, wie normal beten für Christen ist und wie wichtig es ist. Und du weißt das auch, aber das einzige, was sich ändert, ist deine Stimmung, wenn das Thema aufkommt, aber nicht deine Einstellung.
Du wirst es kennen, dass du viel zu beschäftigt bist. Alle wollen was von dir. Egal ob Eltern, Freunde, Lehrer, Kollegen…und jetzt auch noch Gott.
Und wenn dann mal Zeit da ist, ist sie einfach viel zu schnell gefüllt.
Keine Angst, kein bashing - aber hast du mal das Haltestellensymptom bei anderen oder dir entdeckt? Also du kommst an eine Haltestelle und hast noch Zeit bevor Bus oder Bahn kommen. Was entdeckst du bei 75% der Menschen? Tendenz steigend je jünger sie sind. Klar, sie zücken ihr Handy.
Dieses Phänomen tritt ebenso zutage in Bus & Bahn oder in Wartezimmern oder in Wohnzimmern oder am Essenstisch oder in deinem Zimmer. Sobald „freie Zeit“ ist, ist bei vielen von uns der Griff Richtung Handy konditioniert. Ohne Nachzudenken. Wenn sonst gerade keiner da ist oder nach mir fragt, dann schau ich eben, was sonst so geht.
Kein Zeigefinger. Ich kenne das. Aber eben auch keine gefalteten Hände an Haltestellen, in Bus & Bahn, in Wohnzimmern…
Also, wo gibt es überhaupt einen Platz zwischen Ablenkung und Stress für das Gebet?
GOD – was sagt Gott zu dem Thema
Vor einiger Zeit landete eine Predigtanfrage zu Markus 1,35-45 auf meinem Tisch. Spontan war mein erster Gedanke, dass ich den Fokus auf 1,40-45 lege, denn ich liebe diese Begebenheit. Aber, Gott hat nicht locker gelassen. Sollte ich mir die ersten Verse des Abschnitts doch mal genauer ansehen?
Am Ende habe ich nur über 1,35-39 gepredigt und es war eine Predigt rein für mich. Gefühlt. Als hätte keiner im Raum gesessen.
Ich schaute auf Jesus meinen Herrn, der mitten im Trubel, bewusst in die Stille und Einsamkeit ging, um zu beten. Kein Haltestellensymptom. Er ließ die Erwartungen anderer die Erwartungen anderer sein. Er ließ Terminanfragen abblitzen. Alle suchten ihn, heißt es in Mk 1,37, und Jesus suchte seinen Vater auf. Danach ging er fokussiert an die Aufgaben ran, die sein Vater ihm gab, die nicht durch die Erwartungen anderer aufploppten. Ein Freund von mir sagte in einer Predigt zu diesem Text:
„Beten wie Jesus“ heißt - beten, wenn alle nach dir fragen.
Wow, mitten im Stress, sucht Jesus bewusst die Zeit mit seinem Vater! Er priorisiert diese Zeit. Es ist für ihn auch kein frommes Ritual, sondern Teil einer tiefen, intimen Beziehung mit der wichtigsten Person seines Lebens.
Und, obwohl er es außerdem verdient hätte nach einem anstrengenden Abend, dass er einfach ausschläft und mal auf gemütlich macht. Einfach die Zeit verdaddelt, weil das Leben sowieso anstrengend genug ist. Einfach mal macht, was er gerne will. Er nimmt sich die Zeit mit seinem Vater. Eine qualitativ gute Zeit.
Gebet ist für ihn keine Pflicht, das wird klar. Er betet nicht für die fromme Fassade, damit andere ihn loben. Er betet, weil sein Vater zuhört. Die Person mit der er auf die innigste Weise verbunden ist.
Gebet ist für Jesus eine Auszeit – mitten in den Aufgaben. Eine Zeit des Auftankens – mitten im Trubel.
YOU – was sagt Gott uns heute zu diesem Thema
Kann ich das? Werde ich das schaffen? Muss ich das? Fragen, die mir kommen und die ich gar nicht an dich stellen will.
Sondern:
- Nenne mir drei gute Gründe, warum Beten aus deiner Sicht Zeitverschwendung ist!
- Nenne mir ein Erlebnis, wo dich deine to-do-Liste oder deine Prokrastination auf lange Sicht erfüllt haben!
- Wenn du alleine auf deine Zeit schaust: Wo hast du Gebet überbewertet bisher?
Naja, Gebet ist keine Zeitverschwendung, denke ich. Zu oft lebe ich es aber so.
Erfüllung durch Listen und Zeit verdaddeln? Habe ich nie erlebt, vielleicht geht es dir anders. Meistens bleib ich gehetzter oder leerer zurück als vorher.
Und das ich Gebet überbewertet habe, kam sicher noch nie vor.
Keine Angst, ich bin kein Gebetsheiliger und werde dich nicht vollpredigen. Ich will dir zwei kurze Gedanken mitgeben, wie ich Gebet ohne Druck in mein Leben eingebaut habe:
Gebetserinnerungen:
4x am Tag bekomme ich eine Erinnerung. Zweimal davon mitten im Alltag (10 & 17 Uhr).
Die erste Erinnerung hat die Message: „Komm zu Jesus, der um seiner großen Liebe Willen liebt.“ – Das ist meine Erinnerung daran, dass ich nicht um meiner Aufgaben willen geliebt werde.
Und die zweite Erinnerung ist am Ende eines Bürotages mit der Message: „Vergiss nicht zu atmen. Genieße Jesus!“ – Es ist die Erinnerung an meine Beziehung zu Gott. Für mich sind das Zeiten von kurzem Innehalten und bewusstem an Gott denken.
Gebetsspaziergänge:
Seit einigen Monaten habe ich Gebetsspaziergänge fest in meinem Alltag verankert. Raus in die Stille mit Zeit für Anbetung, Fürbitte und mit Gott reden. Oft bevor ich ins Büro gehe, manchmal am Ende des Tages oder einfach mittendrin. Es sind Zeiten der Übung. Immer wieder schweife ich auch ab, aber immer wieder lande ich bei Jesus.
Muss ich das machen? Nein. Ich möchte es gerne machen. Als Qualitätszeit. Werde ich das schaffen? Keine Ahnung. Ich mache es an manchen Tagen und an manchen nicht.
Gebet ist meine Auszeit – mitten in den Aufgaben. Es ist meine Zeit mit meinem Vater im Himmel.
Meine Aufgaben rufen nach mir. Sie wollen mich antreiben. Die Ablenkung greift nach mir. Sie will mich zerstreuen.
Doch mein Vater im Himmel freut sich über mich. Er will mich beschenken und erfüllen. Verschwendung? Definitiv nicht. Er ist immer da und ich lerne es auch, immer häufiger bei ihm zu sein.
Vielleicht wird Gebet unser neues Haltestellensymptom. Wir kommen an einen Ort der Wartezeit, wir sitzen irgendwo oder gehen von A nach B. Und wir reden währenddessen mit Gott. Beten für die Menschen, die mit uns im Wartezimmer hocken oder im Bus. Oder sortieren mit Gott das, was uns so durch den Kopf schwirrt seit Tagesbeginn.
WE – lass mal träumen: was könnte werden, wenn das real wird
Was wäre, wenn Gebet wieder so eine Qualitätszeit würde? Eine Zeit, der Intimität, Verbundenheit, Vertrautheit… mit meinem Vater im Himmel.
Wo nicht die Aufgaben mich aufgeben lassen und wo nicht die Ablenkung, die Richtung vorgibt?
Sondern, wo Gott mein Leben sortieren darf. Wo ich ihn um Rat frage. Wo ich ausruhe bei ihm und gleichzeitig ihn ehre, der mich aus To-Do-Sucht und Prokrastination befreit.
Und sollte dir mal der Gedanke kommen: „Boah, beten ist so uneffektiv. Hier tut sich gar nichts.“ Dann vergiss nicht: Dein Vater im Himmel freut sich riesig über dich und die Zeit mit dir.