Furchtlos durch Gottvertrauen
Kann man einem Gott vertrauen, den man gleichzeitig fürchtet? Diese Andacht macht deutlich, warum Ehrfurcht und Vertrauen keine Gegensätze sind, sondern gemeinsam zu einer tragfähigen Gottesbeziehung beitragen.
Überblick
Im Vertrauen auf Gottes Liebe zu uns und seine Stärke für uns verliert Angst die Macht über uns. Die Andachten „Gottesfurcht“ und „Gottvertrauen“ beleuchten den Einfluss unserer Gottesbeziehung auf die Ängste in unserem Leben von zwei Seiten.
Ziel
Die Jugendlichen werden motiviert, aktiv ihre Vertrauensbeziehung zu Gott zu pflegen und ihn als den Einen kennen zu lernen, der wahre Liebe und Stärke verkörpert.
Einstieg
Als Einstieg dient ein Quiz (beispielsweise über mentimeter.com) zum Thema Gottesbild. Die Zuhörer müssen raten, ob eine Aussage Gottes, die jeweils die Güte oder die Strenge Gottes betont, im Alten, im Neuen Testament oder in beiden vorkommt.
Mögliche Verse sind Röm. 11,22; Spr. 3,12 bzw. Hebr. 12,6; Jak. 4,8; Mat. 11,29a; Hebr. 12,29 bzw. 5. Mose 4,24; Zefanja 3,17b; Lk. 13,3; Jesaja 43,4.
Erarbeitung und Anwendung
Manchmal entsteht durch oberflächliches Bibellesen folgende Vorstellung: Der Gott im Alten Testament ist ehrfurchtsgebietend und streng, der Gott im Neuen Testament ist in Christus liebevoll und gütig.
Das Quiz ist ein erster Hinweis darauf, dass Gott im AT die gleichen Charaktereigenschaften wie im NT aufweist, er ist der Gleiche damals wie heute. Im Glauben zu wachsen bedeutet, dass wir alle Wesenszüge Gottes besser kennenlernen. Ebenso, wie Gottes Wesen sich nicht ändert, bleiben auch die Kernelemente einer gesunden Gottesbeziehung durch die Bibel hindurch die gleichen. Salomo bringt zwei Kernelemente zusammen:
In der Furcht des HERRN liegt ein starkes Vertrauen […].
- Sprüche 14,26a
Ist das nicht ein Widerspruch? Können wir jemandem vertrauen, den wir fürchten?
Diese Andachtsreihe hat mit dem Wert der Gottesfurcht begonnen. In den Sprüchen wird die Ehrfurcht vor Gott als Grundlage jeder Gotteserkenntnis beschrieben. Ohne Ehrfurcht vor Gott können wir ihn und auch die Welt nicht richtig verstehen.
Aber Ehrfurcht vor Gott ist nicht alles. Du kannst dich davor fürchten, dass Gott zornig über deine Sünde ist, und das ist auch grundsätzlich berechtigt. Aber Furcht alleine rettet uns nicht. Ehrfurcht kann unsere Gottesbeziehung nicht wieder herstellen. Furcht ist kein ausreichender Motivator für liebevolle Hingabe.
An dieser Stelle könnte das Bild mit der Farbmischung aus der ersten Andacht aufgegriffen werden.
Das, worauf es neben der angemessenen Ehrfurcht ankommt, ist Vertrauen. Der Glaube an Jesus ist das, was uns rettet und uns eine Beziehung zu Gott ermöglicht.
Wir brauchen beides: Vertrauen ohne Ehrfurcht degradiert Gott zum Kumpel, Ehrfurcht ohne Vertrauen macht ihn zum Despoten.
Gott gibt uns die Eltern als Bild in der Bibel, damit wir diese Spannung begreifen und erleben können. Gott selbst ist der Inbegriff gesunder Elternschaft. Tatsächlich beschreibt er seine Beziehung zu uns vor allem als väterlich, aber auch mit Eigenschaften einer Mutter:
Wie einen, den seine Mutter tröstet, so will ich euch trösten.
- Jesaja 66,13
Denn wen der HERR liebt, den erzieht er wie ein Vater den Sohn, den er gern hat.
- Sprüche 3,12
Bei Gott berühren sich die Ehrfurcht in der väterlichen Erziehung und die Liebe und Nähe im Trost der Mutter. Die Vertrauensbeziehung zu Gott steht dabei auf zwei Grundlagen:
Gott will und kann uns geben, was wir brauchen. Er vereint Liebe und Stärke.
Auch wenn Eltern Gottes Ebenbildlichkeit nicht vollkommen widerspiegeln, ist Gott Liebe und Stärke in Perfektion. Er meint es gut mit seinen Kindern und gibt uns den Trost und die Erziehung, die wir brauchen. Wie leidenschaftlich und ehrfurchtsgebietend Gott liebt, wird in seinem Umgang mit dem Volk Israel deutlich:
Aber jetzt sagt Jahwe, der dich geschaffen hat, Jakob, der dich bildete, Israel: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst mir!
Musst du durchs Wasser gehen, bin ich bei dir, und durch reißende Ströme – sie überfluten dich nicht. Musst du durchs Feuer gehen, wirst du nicht versengt, diese Flamme verbrennt dich nicht.
Denn ich bin Jahwe, dein Gott, ich bin Israels heiliger Gott, und ich rette dich! Ägypten gebe ich als Lösegeld für dich, Nubien und Seba noch dazu.
Weil du mir wert und teuer bist, weil ich dich liebe, gebe ich Menschen an deiner Stelle hin, ganze Völker für dein Leben.
Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir! […]- Jesaja 43, 1-4
Dies spricht Gott über die Menschen aus, die er über alles liebt. Wieviel mehr noch muss diese Liebe auch uns gelten, wenn er für uns sogar seinen einzigartigen Sohn hingegeben hat?
In Christus sehen wir Gottes unverdiente Liebe und seine Stärke, uns zu retten, in stärkster Intensität. Diese Rettung gilt jedem, der sich Jesus anvertraut. Diese „Gnade Gottes ist jetzt sichtbar geworden […]. Sie erzieht uns dazu, die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden abzuweisen und besonnen, gerecht und mit Ehrfurcht vor Gott in der heutigen Welt zu leben“ (Titus 2,11f).
Dort, wo Gottes „furchtbare“ Stärke uns auch heute zum Besten dient, wird Vertrauen wachsen und Angst vergehen.
Im Vertrauen auf Gottes Liebe zu uns und seine Stärke für uns, verliert Angst die Macht über uns.
Ergebnissicherung
Für Kleingruppen können folgende Reflektionsfragen gestellt werden:
- Wie sehr prägen Gottesfurcht und Gottvertrauen deine Gottesbeziehung? Markiere deine Einschätzung auf einer Skala.
- Liebe und Stärke: Wo und warum fällt es dir schwer, zu vertrauen, dass Gott es gut mit dir meint (Liebe) und er dir alles geben kann, was du wirklich brauchst (Stärke)?
- Welche Aussagen und Handlungen Gottes haben in der Vergangenheit deine Vertrauensbeziehung zu ihm gestärkt?
- Challenge: Formuliere für die nächste Woche ein persönliches Gebet um wachsendes Vertrauen zum Vater.