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Feedback

Eine Feedback-Kultur aufbauen

Oliver stellt drei Grundhaltungen vor, die dabei helfen, eine gesunde Feedback-Kultur aufzubauen.

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14. Oktober 2022
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5 min
Menschen unterhalten

Ein Freund hat mir vor einiger Zeit geschrieben:

„Oliver, ich wollte Dir einfach schreiben, wie dankbar ich für Dich als Bruder, Ratgeber und Freund bin. Was Du gestern gemacht hast, ist leider sehr unüblich aber doch so wichtig. Das hat Dich Überwindung gekostet aber mich gestärkt. Mach weiter so! Ich will Dir gleich tun und Dich darin unterstützen. So soll Gemeinde sein ...“


Was war passiert? Ich habe ihm eine Rückmeldung zu einer Predigt gegeben. Ich habe sonntags meinen Mut zusammengenommen und bin auf ihn zugegangen. Mir war aufgefallen, wie sehr seine Augen am Manuskript klebten. Ich habe ihn gefragt, ob er mir sein Manuskript zeigt – und es war ohne viele Absätze durchgängig in Schriftgröße 12 geschrieben. Dann habe ich ihm erzählt, wie ich das mache. Schriftgröße 18 – bunte Textmarker.


„Leider ist das sehr unüblich“ – schrieb er mir. Und das das so unüblich ist – darunter leide ich.

Eigentlich sollte Feedback doch normal sein. „Ich will wissen, was der andere von mir denkt.“ Deshalb erwarte ich Rückmeldungen von anderen. Und das nicht nur, wenn etwas schlecht läuft. Ich bin ehrlich interessiert an Ratschlägen und ich bin jederzeit bereit, meine Idee zu verwerfen, wenn jemand eine bessere Idee hat.
Weil Feedback keine einmalige Sache sein soll, sondern ein ganz normaler Baustein jeder Gemeinschaft – deswegen spreche ich von einer Feedbackkultur.

Aber diese Kultur gibt es leider nicht überall. Deswegen möchte ich dir 3 Grundhaltungen mitgeben, die für den Aufbau einer Feedbackkultur zentral sind – und mache 3 Praxistipps, wie du ganz konkret eine Feedbackkultur aufbauen kannst.


Die erste Grundhaltung

Ich bin fehlerhaft und geliebt

Ich bin fehlerhaft. Und weil ich fehlerhaft bin, muss ich korrigiert werden. Das gilt für jeden von uns. Das berührt aber nicht meine Identität. Kritik macht mich nicht wertlos, sondern nur besser.

Ich habe das leider zu oft erlebt, dass Leute auch bei „ganz normaler“ Kritik ablehnend und aggressiv geworden sind oder sich zurückgezogen haben. Eine Feedbackkultur fängt ganz einfach bei einem immer tiefer verankerten Selbstverständnis an, dass ich „sündiger bin, als ich es mir jemals vorstellen kann – und gleichzeitig geliebter, als ich es zu hoffen wage.“

Die zweite Grundhaltung

Was lerne ich aus meinem Fehler?

In einer destruktiven Fehlerkultur fragt man: „Wer hat’s verbockt?“ Und es beginnt eine Abwärtsspirale. Der Verursacher wird gesucht, muss sich rechtfertigen, hat Angst, wieder einen Fehler zu machen. In einer konstruktiven Feedbackkultur fragt man: „Was lehrt uns der Fehler?“ Man übernimmt Verantwortung. Ändert sein Handeln. Und eine Aufwärtsspirale wird in Gang gesetzt. Durch Versuch und Irrtum.

Wir stehen in jeder unserer Gemeinschaften vor immer neuen Herausforderungen. Nicht jede Lösungsidee muss „funktionieren“. Manches wird scheitern. Und das ist gut so. Oder: Das ist dann gut, wenn wir aus den Fehlern lernen und uns so weiterentwickeln. Mit dieser Haltung sind Fehler keine Schande, sondern gerade der Weg zu einer positiven Veränderung.

Die dritte Grundhaltung

Auch wenn ich gebetet habe und mit Bibelversen argumentiere, kann ich mich irren

Im frommen Bereich ist mir an einigen Stellen eine Feedbackresistenz begegnet. Menschen, die den Eindruck hatten, ganz direkt von Gott geleitet zu werden, waren nicht mehr empfänglich für Rückmeldungen. Dabei ist im Neuen Testament z.B. ganz klar, dass sogar prophetische Aussprüche beurteilt werden sollen. Wahrscheinlich ist es sogar besonders für die unter uns wichtig, die sich direkt von Gott geleitet fühlen, sich in eine Feedbackgemeinschaft einzufügen.

Ich bin fehlerhaft und geliebt

Was lerne ich aus meinem Fehler?

Auch wenn ich gebetet habe und mit Bibelversen argumentiere, kann ich mich irren


Nehmt doch diese Punkte mal in eure Teamsitzung, redet darüber – und wenn ihr mögt: Haltet sie als einen Teil eurer Teamwerte fest.

Über die Grundhaltungen reden ist ein guter Start. Wenn ihr im Team so transparent darüber redet, wundert sich niemand, wenn er ein Feedback bekommt.

Jetzt habe ich noch drei ganz praktische Tipps, wie du eine Feedbackkultur aufbauen kannst.


Erstens:

Lade zu kritischem Feedback ein

Wie war meine Andacht? Wie fandst du den Ablauf der Besprechung? Bitte schmier mir keinen Honig um den Bart, sondern sag mir, was ich besser machen kann.

Gerade wenn du dich als Leiter „kritisierbar“ machst, merken die Leute, dass du in der richtigen Grundhaltung lebst: Ich bin fehlerhaft und geliebt, will aus Fehlern lernen und kann mich irren.

Zweitens:

Lerne im Alltag, was du in der Ausnahmesituation leben willst

In einer Krise ist es fast unmöglich, mit Feedback zu beginnen. Probleme haben sich gestapelt. Emotionen kochen hoch. Beziehungen sind angespannt.

Deswegen: beginne mit einer Rückmeldung, wenn es gerade ganz gut läuft. Zu Beispiel nach einem Spiel, bei dem du viel loben kannst und dann einige Verbesserungsvorschläge machst. Nutze ganz alltägliche Situation zum Start. Dann kannst du auch in Ausnahmesituationen hineinsprechen.


Drittens:

Systematisiere Feedback

Auf jeder Freizeit, die ich leite, steht der Rückblick auf den letzten Tag auf der Tageordnung der Mitarbeiterbesprechung.

Mit meinen Mitarbeitern führe ich jährliche Mitarbeitergespräche anhand eines Gesprächsbogens.

Und im Gesprächsbogen ist auch ein Punkt, dass sie mir als Leiter eine Rückmeldung geben sollen.

Wenn du Feedback nicht in die Abläufe integrierst und das Feedback so systematisiert, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es zufällig bleibt und nicht zur Kultur wird.

Um eine Feedbackkultur aufzubauen, lade 1) selbst zu kritischem Feedback ein, starte 2) in ganz alltäglichen Situationen mit Feedback bei anderen und überlegt dir dann 3) ein passendes System, wie Feedback in eure regelmäßigen Abläufe integriert werden kann.

Ich hoffe, diese Gedanken haben dir geholfen.

Ich wünsche dir sehr, dass du durch diese Feedbackkultur im Glauben und als Leiter wächst.



Zusammenfassung

Wie baue ich eine Feedbackkultur auf?

Grundhaltung 1: Entwickle ein festes Selbstverständnis: "Ich bin fehlerhaft und gleichzeitig geliebt."

Grundhaltung 2: Lebe eine konstruktive Kultur: „Was lerne ich aus meinem Fehler?“ statt „Wer hat’s verbockt?“

Grundhaltung 3: Sei dir bewusst: "Auch wenn ich gebetet habe und mit Bibelversen argumentiere, kann ich mich irren."


Praktischer Tipp 1: Lade andere zu kritischem Feedback bei dir ein.

Praktischer Tipp 2: Lerne im Alltag, was du in der Ausnahmesituation leben willst (denn: in einer Krise ist es fast unmöglich, mit Feedback zu beginnen).

Praktischer Tipp 3: Systematisiere Feedback – und nimm es z.B. in die Tagesordnung auf.