Der Zugang

Mit welcher Haltung trittst du vor den Thron des Schöpfers und Erhalters des Universums? Von der Syrophönizierin kannst du die richtige Haltung lernen.
Der Zugang

Überblick

Eine heidnische Frau bittet Jesus um etwas und wird zuerst abgewiesen. Doch anhand ihrer Reaktion können wir lernen, welche Haltung wir als Menschen Gott gegenüber haben sollten.

In dieser Bibelarbeit findet sich deutlich das Evangelium wieder. Sie kann deswegen auch für Nichtchristen ansprechend sein.

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Die Jugendlichen sollen reflektieren, wie sie ihre Position vor Gott sehen. Sie sollen erkennen, dass sie Gottes Gnade brauchen, aber dass diese auch ausreicht. Den Zugang zu Gott erhält man durch eine demütige Haltung, die mutig auf Gottes Gnade hofft.

Einstieg

Spätestens seit der Regierungszeit von Donald Trump von 2016 bis 2020 war in den Medien in Deutschland wieder regelmäßig eine der unangenehmeren Begleiterscheinungen des Christentums zu sehen: Wütende, selbstgerechte Menschen, die dummerweise nicht nur politische Botschaften auf ihren Plakaten tragen, sondern auch christliche Symbole. Selbstgerechtigkeit – so klar sie in der Bibel kritisiert wird, so häufig wird sie leider auch mit Menschen in Verbindung gebracht, die Bibeln in den Händen halten.  Eine abschreckende Erscheinung.

Genauso abschreckend ist aber leider auch der vermeintliche, christliche Gegenentwurf: der „demütige" Christ. So sehr die Bibel die Demut als Tugend lobt, so unattraktiv ist oft unser Bild von ihr. Wir denken an Menschen mit Minderwertigkeitsgefühlen. Christen, die ständig unter der Last ihrer Sünde leiden und Angst vor einem strafenden Gott haben müssen. Wenn das die Alternative zum selbstgerechten Wutchristen ist, dann wenden sich viele Menschen lieber gleich ganz vom Glauben ab.

Dabei ist Demut wie Gott sie versteht und lobt etwas ganz anderes, als die von traurigen Christen, die sich Tag für Tag bemühen, sich selbst möglichst klein zu machen. Echte Demut versteht, wer Gott ist und wer der Mensch ist und findet darin zu einer Freiheit und Freude, wie sie nur wenige Menschen in unserer Gesellschaft erleben. Um diese Art von mutiger Demut geht es  in der Begebenheit in Markus 7.

Erarbeitung und Anwendung

Bibeltext: Markus 7,24 – 30

[erst bis Vers 27 lesen]

Hintergrundinfos

Die Frau ist Syrophönizierin und lebt in Tyros. Tyros ist nicht weit von Judäa entfernt, daher kennt sie wahrscheinlich die jüdischen Sitten und Gebräuche. Sie weiß, dass sie als Heidin nicht auf Hilfe von einem jüdischen Rabbi hoffen kann. In der Parallelstelle in Markus 15 wollen die Jünger sie auch wegschicken. Aber sie lässt nicht locker.

Was soll Jesus‘ scheinbar harsche Antwort?

Heutzutage lieben wir Hunde. Manchmal werden sie wie eigene Kinder behandelt und verhätschelt. Doch damals waren Hunde halbwilde, dreckige abfallfressende Streuner. Wenn jemand als Hund bezeichnet wurde, war das wirklich eine Beleidigung. Die Juden bezeichneten die Heiden manchmal als Hunde, weil sie als „unrein“ galten. Meint Jesus das?

Nein, denn er verwendet ein anderes Wort für Hund, nämlich wörtlich „Hündchen“. Er erzählt ein Gleichnis, gebraucht ein Bild.

Trotzdem sagt dieses Bild, dass Jesus Prioritäten setzt: erst die Kinder, dann die Hunde. Was hat das zu bedeuten?

Jesus sagt in der Parallelstelle in Matthäus:

Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.
- Matthäus 15,24

Ja, Jesus setzt Prioritäten, er ist fokussiert auf das, was sein Auftrag ist. Jesus kam in erster Linie für das Volk Israel. Die Juden sind Gottes auserwählte Volk, mit ihnen hat er einen Bund geschlossen, sie haben eine besondere Stellung vor ihm. Im Gegensatz dazu galt für die Heiden:

Früher hattet ihr keinerlei Beziehung zu Christus. Ihr hattet keinen Zugang zum israelitischen Bürgerrecht und wart ausgeschlossen von den Bündnissen, die Gott mit seinem Volk eingegangen war; seine Zusagen galten ihnen und nicht euch. Euer Leben in dieser Welt war ein Leben ohne Hoffnung, ein Leben ohne Gott.
- Epheser 2,12

Das ist das, was die Frau bestimmt wusste und erlebt hatte, aber sie versuchte es dennoch.

Und wir wissen heute, dass Gottes Erlösungswerk nicht bei den Israeliten endete. Jesus hatte den Auftrag zum Volk Israel zu gehen, aber den Jüngern gab er nach seiner Auferstehung diesen Auftrag:

Gehet hin in alle Welt.
- Markus 16,15

Die drei Reaktionen

[für die Varianten würde es sich anbieten, das graphisch zu unterstützen. Eine Gegenüberstellung. Der Zugang in der Mitte aber rechts und links die zwei Extreme, die einen von Gott wegführen. In der Mitte eine Tür und rechts und links die Schlagworte, was einen abhält. Auf der Tür die dritte Variante.]

Wenn Jesus mich als Hund bezeichnet, welche Reaktionen könnte das auslösen?

1.       Variante: Stolz

Ich bin empört, vllt sogar wütend, in meinem Stolz verletzt. Ich berufe mich auf meine Rechte.

Die Frau hätte dann vielleicht gesagt: „So etwas muss ich mir nicht bieten lassen. Du hast nicht das Recht, mich so zu bezeichnen. Ich finde das unfair, dass du die anderen bevorteilst.“ Sie hätte sich beleidigt gefühlt und das Haus verlassen. Zu stolz, um sich noch weiter mit diesem Jesus abzugeben.

2.       Variante: Selbstmitleid, Minderwertigkeit

Meine Reaktion ist genau gegenteilig: Ich stimme zu. Ich bin so oft enttäuscht von mir selbst gewesen und weiß, dass ich ständig Sachen nicht gebacken kriege. Ich bin nicht wie andere, die am Tisch sitzen. Ich bin klein und unbedeutend. Gott kann sich nicht für mich interessieren. Ich verkrieche mich in meinem Selbstmitleid und gebe auf.

Die Frau hätte vielleicht gesagt: „Stimmt, ich bin keine Jüdin. Ich bin dreckig und dieser heilige Mann wird sich nicht für mich arme Frau interessieren. Ich bin allen egal.“ Sie hätte das Haus verlassen, zu deprimiert, um es weiter mit Jesus zu versuchen.

Doch wie reagiert die Frau?

[Text ab Vers 28 lesen]

3.       Variante: DEMUT und MUT

Die Frau begibt sich mit Jesus in sein Gleichnis (zum ersten Mal scheint jemand Jesus‘ Gleichnis zu verstehen). Sie hat kein Problem, sich mit ihrer Rolle als Hund zu identifizieren. Sie ist demütig.

Trotzdem setzt sie weiterhin ihr Vertrauen auf diesen Jesus und hofft mutig darauf, dass er ihr trotz ihrer Position gnädig ist. Und da ist sie bei Jesus genau an der richtigen Stelle. So eine Haltung wünscht er sich. Sie hat den nötigen Respekt und Ehrfurcht und weiß, dass sie vor Gott klein ist, deswegen argumentiert sie nicht mit ihren Rechten, sondern sie bittet um „Krümel“ von Jesus‘ Kraft. Und sie weiß, dass das ausreicht.

Tim Keller drückt es so aus:

Sie ist hartnäckig, ohne auf ihre Rechte zu pochen. […] Sie sagt nicht: Herr gib mir, was ich verdient habe, weil ich so gut bin“, sondern sie sagt: „Gib mir, was ich nicht verdiene, weil du gut bist.

Variante 1 und 2 versperren dir den Weg zur Gnade. Entweder du sagst “Ich brauche Gottes Gnade nicht“ oder „ich bin so schlecht, Gottes Gnade ist dafür nicht groß genug“. Mit beiden Haltungen machst du Gott klein.

Stattdessen kannst du eingestehen, dass du vor einem allmächtigen Gott, der das Weltall und jede kleinste Zelle geschaffen hat, nicht bestehen und auf deine Rechte pochen kannst. Gott ist souverän, er hat das Sagen, er ist nicht dein Spielkamerad, dein Wunschautomat oder dein Diener, der das zu machen hat, was du ihm sagst. Es ist wichtig, sich seiner Position vor Gott bewusst zu werden.

DENN:

Erst dann weiß man, was seine Gnade bedeutet. Gott hätte es nicht nötig, sich um uns zu kümmern. Er hat einen schönen Himmel, mit Engeln, die ihm dienen, und perfekte liebevolle Gemeinschaft mit seinem Sohn. Doch er liebt uns Menschen, die er geschaffen hat, viel zu sehr, um uns unserem Unheil zu überlassen: Wie wir hier auf der Erde durch unsere fehlerhafte (sündige) Natur uns selbst schaden, anderen schaden, und schlussendlich dem Untergang geweiht sind. Er hatte so viel Erbarmen mit uns, dass er seinen eigenen Sohn vom Tisch weggeschickt hat (im Bild gesprochen hat verhungern lassen), nur um uns Hunde daran essen zu lassen.

Wenn wir diesen Größenunterschied zwischen Gott und uns kennen (der noch viel größer ist, als wir verstehen können), ist es wichtig, nicht dabei zu bleiben sich klein, unwichtig und unnütz zu fühlen. Denn durch diese Aktion Gottes (seinen Sohn für unseren Mist sterben zu lassen) hat er bewiesen, dass er nicht nur groß und mächtig, sondern auch liebevoll und gnädig ist. Du ehrst Jesus’ Tat, wenn du deinen Platz am Tisch demütig und dankbar annimmst, auch wenn du weißt, dass du ihn eigentlich nicht verdient hast.

Das ist das Evangelium: Du bist fehlerhafter als du je gedacht hattest, aber geliebter, als du dir je vorstellen kannst.

Anwendung

Diese zwei ersten Varianten zeigten Extreme auf. Du wirst dich vielleicht in keiner Haltung direkt wiederfinden. Aber wohin tendierst du?

Tendenz zu Stolz?

In der westlichen Welt weiß ich um meine Rechte.

Ich denke vielleicht eher zu gut von mir als zu negativ. Ich weiß, dass ich hier und da mal Mist gebaut habe, aber wer hat das nicht? Vielleicht bin ich in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen, ich kenne mich in der Bibel aus, ich habe schon viel für Jesus gewuppt, ich bin nicht mal großartig ausgebrochen in der Pubertät. Auch, wenn ich es nie laut sagen würde, denke ich doch, dass ich eine ganz gute Stellung vor Gott habe.

Unbewusste Auswirkungen aufs Gebet:

Meine Erwartungen Gott gegenüber sind, dass er meine Gebete erhört, weil ich es verdiene. Ich kann Gott „Forderungen“ stellen.

Tendenz zu Selbstmitleid und Minderwertigkeit?

Ich kenne meine Fehler, ich weiß um meine Sünde. Ich merke, dass ich ständig dieselben Fehler mache, immer kleinlauter melde ich sie bei Gott und bitte um Vergebung. Irgendwann traue ich mich gar nicht mehr damit zu kommen. Ich fühle mich dreckig und kreise gedanklich immer wieder um mein Versagen. Ich werde deprimiert und entferne mich von Gott.

Unbewusste Auswirkungen aufs Gebet:

Wenn ich mal bete, rechne ich damit, dass er meine Gebete nicht erhört, weil ich es verdient habe, dass meine Gebete nicht erhört werden.

Ergebnissicherung

Jesus ist heute noch derselbe, wie damals in Tyros. Er ist gnädig und freut sich über dich. Du darfst dich mit Zuversicht auf seine Gnade verlassen. Egal ob du zu Hochmut oder Minderwertigkeitsgefühlen tendierst: Dein Schöpfer liebt dich und will dich zurückholen in eine Beziehung, in der er dein Gott und du sein glückliches Geschöpf bist. Sag ihm ehrlich, wo du gerade stehst und verlass dich darauf, dass er dir helfen möchte, zu dieser befreienden Form von mutiger Demut zu finden.

Es bietet sich an eine Lobpreiszeit anzuschließen, in der Gottes Größe und seine Gnade zu uns deutlich wird.

Mögliche Lieder:

-          Mutig komm ich vor den Thron

-          Majestät

-          Who am I

-          O come to the Altar