Der Wert der Gottesfurcht
Angst gehört zu unserem Leben – doch die entscheidende Frage ist nicht, ob wir uns fürchten, sondern wen oder was wir fürchten. Diese Andacht zeigt, warum die Ehrfurcht vor Gott der Beginn einer gesunden Gottesbeziehung ist.
Überblick
Die Ehrfurcht vor Gott steht oft am Beginn einer gesunden Gottesbeziehung. Sie hat eine Warnfunktion in einer gefallenen Welt und ermöglicht uns durch Christus ein Leben in Freiheit von Angst. Die Andachten „Gottesfurcht“ und „Gottvertrauen“ beleuchten den Einfluss unserer Gottesbeziehung auf die Ängste in unserem Leben von zwei Seiten.
Ziel
Die Jugendlichen lernen Gott mit allen seinen Eigenschaften wertzuschätzen. Erst ein gesundes Verständnis der Ehrfurcht vor Gott stellt die Sorgen und Ängste unseres Alltags in das richtige Licht.
Einstieg
Ein mögliches Mottolied für die Reihe ist „Whom shall I fear?“ von Chris Tomlin. Je nach Zielgruppe kann der Comic „Asterix und die Normannen“ (Nr. 9) verwendet werden, in dem die Normannen nach einem Angsterlebnis suchen, weil dieses angeblich Flügel verleiht – ganz ohne Red Bull 😉
Gruppendiskussion:
a) Hat Angst auch gute Seiten?
b) Wann ist Angst gesund, wann nicht? Was macht den Unterschied?
Jeder kennt Angst, jeder hat sie mal, aber niemand fühlt sie gerne.
Wir erleben Furcht vor Menschen, die wir kennen und die wir nicht kennen. Wir haben Angst vor Einsamkeit, fürchten uns zu telefonieren oder zu sprechen oder zu schreiben, vor gruseligen Tieren, Naturgewalten, vor der Zukunft, manchmal auch vor der Vergangenheit, vielleicht sogar vor Gott.
Auch wenn viele angsterfüllte Situationen im Rückblick nicht mehr so furchtbar erscheinen, ist jede Angst in dem Moment selbst real. Damit bist du nicht alleine! Gideon, David, Petrus und vermutlich sogar Jesus selbst (im Garten Gethsemane) haben Angst erlebt. Wenn sie sich dafür nicht schämen mussten, brauchen wir es auch nicht.
Warum aber mussten selbst diese Glaubenshelden Erfahrungen der Angst durchmachen?
Erarbeitung und Anwendung
Furcht hat eine wichtige Wirkung in einer gefallenen Welt: Sie macht eine schnelle Reaktion auf eine Bedrohung möglich, und warnt uns vor Situationen, die für uns eine Gefahr darstellen.
Furcht im Angesicht eines Raubtiers oder am Rand einer hohen Klippe zu verspüren, führt uns die Konsequenzen unserer nächsten Entscheidung vor Augen. Angst kann uns aber auch lähmen, insbesondere in Situationen, in denen Angst im Nachhinein gar nicht angebracht war. Sie macht uns passiv, anstatt notwendige Schritte zu gehen, die uns aus der Gefahrenzone herausholen.
Die Frage ist nicht, ob wir uns fürchten, sondern ob wir das Richtige fürchten.
Die Ehrfurcht vor Gott hat ebenfalls eine wichtige Warnfunktion vor einer bedrohlichen Situation. Jesaja ruft seine Furcht vor Gottes Gegenwart heraus:
Da sprach ich: Wehe mir, denn ich bin verloren. Denn ein Mann mit unreinen Lippen bin ich, und mitten in einem Volk mit unreinen Lippen wohne ich. Denn meine Augen haben den König, den HERRN der Heerscharen, gesehen.
- Jesaja 6,5
Er hat verstanden, dass es gefährlich und furchtbar ist, als schuldiger Mensch „mit unreinen Lippen“ in Gottes heilige Gegenwart zu treten. Wenn wir Gottes Liebe zu uns und seinen Liebesauftrag zu seinen Geschöpfen ablehnen, um selbst Herrscher unseres Lebens zu bleiben, ist das keine Kleinigkeit. Unsere Rebellion und der Zorn des allmächtigen Schöpfers sind eine für uns Menschen tödliche Kombination. Die Heiligkeit Gottes, die Sünde nicht erträgt, ist nicht die einzige Eigenschaft Gottes, aber sie ist wichtig. Wir können sie weder erfassen noch kontrollieren.
Salomo sagt sogar, dass ein Verständnis von Gottes Wesen und der Realität, in der wir leben, ohne Ehrfurcht vor Gott nicht möglich ist:
Ehrfurcht vor dem Herrn ist der Anfang jeder Erkenntnis, nur törichte Menschen verachten Weisheit und Erziehung.
- Sprüche 1,7
Salomo verknüpft Ehrfurcht und die Bereitschaft, sich von Gottes Wahrheit formen zu lassen.
Erst ein Bewusstsein von Gottes Heiligkeit gibt seiner Gnade für uns die richtige Bedeutung.
Auch für Menschen, die durch den Glauben an Jesus Christus von jeder Schuld befreit wurden, hat die Ehrfurcht vor Gott einen bleibenden Wert.
Zum einen stellt sie für die Erlösten einen starken Motivator für den Widerstand gegen Versuchung dar. Sie behält dabei die geistliche Warnfunktion, denn Sünde kann immer noch großen Schaden in unserem Leben anrichten, wenn wir sie zulassen und kultivieren. Ehrfurcht wird dabei nicht unbedingt in starken Gefühlen sichtbar, sondern im „Wollen und Wirken“ (Philipper 2,12f), einem durch Gottes Geist erneuerten Herzen und einem veränderten Lebensstil. Bei Gottes Geist in uns handelt es sich unter anderem um „den Geist […] der Furcht des Herrn“ (Jesaja 11,2), der auch auf Christus ruhte. Sein Geist ist der Mittler in einer gesunden Gottesbeziehung.
Zum anderen ist die Ehrfurcht vor Gott eine wichtige Prophylaxe gegen Angst in unserem Leben. Jesus stellt die Furcht Gottes und die Furcht vor Menschen direkt gegenüber:
Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten können – die Seele können sie nicht töten. Fürchtet vielmehr den, der Leib und Seele dem Verderben in der Hölle preisgeben kann.
- Matthäus 10,28
Das Bewusstsein von Gottes Heiligkeit, seiner Allmacht und seiner Größe rückt unsere Furcht vor anderen Dingen ins richtige Verhältnis. Wenn meine Ewigkeit ausschließlich davon bestimmt wird, was Gott über mich sagt, können beispielsweise die Aussprüche von Menschen ihre Kraft über mein Leben verlieren. Petrus wendet das Prinzip auf die Ehe an. In einem von Gottesfurcht geprägten Lebenswandel (1. Petrus 3,2) müssen wir „keinen Schrecken fürchten“ (1. Petrus 3,6).
Den Richtigen zu fürchten befreit uns davon, das Nichtige zu fürchten.
Ehrfurcht allein reicht zwar nicht, um in einer liebevollen Gottesbeziehung zu leben. Aber sie schafft eine wichtige Grundlage, um Gott mit einer angemessenen Herzenshaltung zu begegnen. Gerade denen, die Erscheinungen Gottes in der Bibel mit Ehrfurcht begegnen, spricht Gott regelmäßig zu: „Fürchte dich nicht“ (beispielsweise Lukas 2,10). In der Ewigkeit werden wir keine Gottesfurcht mehr brauchen, denn „die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus“ (1. Johannes 4,18).
Ergebnissicherung
Um auf die nächste Andacht der Reihe überzuleiten, kann das Mischen von zwei Farben als Bild für eine gesunde Gottesfurcht im Gegensatz zur ungesunden Angst vor Gott verwendet werden. Eine gesunde Gottesbeziehung besteht nicht nur aus Furcht (Farbe 1), sondern auch aus Vertrauen (Farbe 2).
Für Kleingruppen können folgende Reflexionsfragen gestellt werden:
- Gibt es Beziehungen in deinem Leben, in denen sich Ehrfurcht und Vertrauen begegnen? Empfindest du die Beziehungen als gesund?
- Haben die Eigenschaften Gottes, die du nicht kontrollieren kannst, einen Platz in deinem Gottesbild? Welche Wesenszüge Gottes können „zum Fürchten“ sein?
- In welchem Verhältnis steht Ehrfurcht vor und Vertrauen zu Gott in deinem Leben?
- Hast du manchmal Angst vor Gott? Wovor genau hast du Angst? Sprecht darüber, ob diese Ängste begründet sind, und mit welchen Wahrheiten aus Gottes Wort ihr dem begegnen könnt.