Der Einfluss von KI auf die Jugendarbeit
Dieser Artikel gibt Einblicke, wie KI Jugendarbeit heute schon prägt und auch verändert und zeigt zugleich, wie man gut damit umgehen kann.
Dieser Artikel wurde für CVJM-Digital geschrieben und ist eine Zweitveröffentlichung.
Bei einer Gruppenstunde stelle ich den Teenagern die Frage, wer ChatGPT verwendet. Alle Hände gehen hoch. In Gesprächen mit Jugendlichen über das Thema ist eines klar: Neben machen Enttäuschungen, wie schlecht KI-Antworten sein können, wird KI von vielen aktiv und ständig genutzt. Schaut man sich die Vielzahl von Einsatzgebieten an, sehen wir, wie tiefgreifend KI das menschliche Verhalten jetzt schon verändert. Dabei stelle ich direkte und auf indirekte Auswirkungen auf die Jugendarbeit vor.
KI und Glaubensbildung
Eine Jugendliche aus meiner Jugend vertrat eines Abends eine sehr merkwürdige Position zu einem biblischen Thema. Sie hatte dazu online eine Auslegung gesehen und fand diese sehr schlüssig. Ich dagegen empfand diese Sichtweise sogar schädlich. Ups! So schnell übernimmt man Ansichten, weil sie logisch klingen. Diese Gefahr sind wir allgemein im Internet ausgesetzt. Junge Menschen googeln, schauen Predigten oder fragen nun eine KI nach Antworten auf Lebens- und Glaubensfragen. Dass sich KI irren kann, ist vermutlich allen klar. Dennoch müssen wir Jugendlichen beibringen, wie sie in Bezug auf Glauben gute und fundierte Antworten bekommen. Viele geben in die KI zu wenig ein: „Was sagt diese Bibelstelle aus“. Bei so einem Prompt kann man nur hoffen, dass die KI gute Daten zur Auslegung auswählt. Eine etwas angepasste Eingabe ist dagegen deutlich sicherer: „Was hat Martin Luther über diesen Bibeltext ausgesagt? Mit direktem Link zur Quelle.“ Damit erhält man eine Position von einem Theologen der eigenen Wahl. Alternativ kann man auch sagen „Stelle verschiedene Positionen dar“, um etwas differenzierte Antworten zu erhalten. Auf Bibelserver.com gibt es eine KI namens Nikodemus.ai, die auf ausgewählte Bibelkommentare zurückgreift und theologisch eine gute Grundlage inne hat. Das ist z.B. ein Ort, wo mithilfe von KI ein großer Gewinn erzielt werden kann, wenn es um Bibelauslegung geht.
KI und das steigende Misstrauen
In den Sozialen Medien wird sich einiges verändern. Jetzt schon gibt es unglaublich viele KI Videos die täglich das Netz fluten. Wie kann man aber Fakebilder oder Fakevideos erkennen? Die Antwort ist erschreckend einfach: Mit dem Auge kann man gutgemachte „Fakes“ nicht mehr erkennen. Die KI-Ergebnisse sind einfach zu gut geworden. Auch wenn uns gerade noch viele lustige Fehler in KI-Bildern auffallen, sollten wir nur noch Bildern trauen, die von vertrauenswürdigen Quellen stammen. Wir müssen uns woanders Hilfe holen, um Fakes aufzudecken. Faktenchecker oder Online-Dienst, die KI erstellte Bilder erkennt. Jugendliche werden vermutlich verschieden mit der visuellen Illusion umgehen. Einige steigen vielleicht aus, weil sie keine Lust auf den KI-Schrott haben. Viele andere werden jedoch Social Media weiterhin nutzen und KI-Videos sogar feiern, weil sie unterhaltsam sind und fantastisches zeigen, was ohne KI nicht möglich wäre. Zugleich steigt aber das Misstrauen gegenüber jeglichem Bildmaterial. Ein Trend lässt sich da schon erkennen: Influencer starten vermehrt Events, wo sie persönlich ihre Community treffen. Denn damit zeigt man seine Echtheit und Nahbarkeit. Zudem werden Netzwerke deren Informationsgehalt man vertraut, in Zukunft gezielt gesucht. Das ist unsere Chance für Jugendliche: Wir bieten ihnen Echtheit und Orientierung durch anspruchsvolle Inhalte, die zum Nachdenken anregen, die Welt verstehbar machen und durch unseren Glauben Maßstäbe zur Bewertung geben.
KI bestätigt Jugendliche bis zum Himmel
Jeder Nutzer kennt es: Egal, was du in ein Sprachmodell eintippst, die KI feiert deine Eingabe mit Bestätigungen wie: „ein sehr inspirierender Gedanke, der tiefgehend ist.“ Was aber erst einmal höflich und freundlich erscheint, kann langfristig schwierig enden. Sprachmodelle sollen uns bestätigen und uns gute Gefühle vermitteln. Wer das ernst nimmt, denkt: So wie ich bin, sollte ich am besten bleiben. Manchmal brauchen wir diese Bestätigung. Aber ausnahmslos ist es schädlich. Lass es mich praktisch erklären: Es gibt Jugendliche die den KI-Bot „My AI“ ihren Freund nennen. Dieser KI-Bot kann innerhalb der Social Media Plattform Snapchat aufgerufen werden. Mit ihm kann man sprechen, wie mit ChatGPT. Es gibt schon Anzeichen, dass Jugendliche emotionale Bindungen zu solchen Bots aufbauen. Gerade wer sich einsam fühlt oder verstärkt Hilfe sucht und keine im offline-Leben erhält. Jugendliche besprechen ihre Gefühle, ihre Entscheidungen mit einem Bot. Dieser hilft immer. Auch wenn wir nicht alles für gut erachten. Für Menschen kann so ein Bot gottähnlich sein, denn er ist immer da, hilft immer, ist immer für mich und kennt mich. Die Folgen solcher Beziehungen für die Jugendlichen sind sicher vielfach.
Eine Bestätigungs-Maschine ist jedoch oft nicht hilfreich, da wir Menschen immer auch Korrektur brauchen. Denkt man diese Bestätigungsspirale weiter, boykottieren irgendwann Menschen jegliche Kritik, da sie Bestätigung für normal erachten. Einer KI muss daher immer bewusst gesagt werden, dass sie dieses Mal „kritisch“ sein soll. Die Chance an Kritik und Korrektur müssen wir daher etablieren und bestärken. Unsere Botschaft darf hier ganz biblisch sein in Sinne von: Freut euch, wenn ihr euch ändern dürft und es auch mal Herausforderungen gibt. Denn Jesus ruft zur Umkehr, also zur Veränderung der Überzeugungen, der Einstellungen und Lebensweise.
Indirekte Folgen
Meine vielleicht idealistische Hoffnung ist, dass wir dank der Digitalisierung und KI auch ein Wiederaufleben von analogen Veranstaltungen und echten Beziehungen haben werden, dass Menschen sich wieder in echte Gemeinschaften hineingeben und dort Orientierung und Halt suchen. Eben als Gegenbewegung zu der digitalen Welt, die immer schneller wird, der man weniger vertrauen kann und die sogar an vielen Stellen verwirrt und belastet. Unsere Aufgabe bleibt in all dem schlicht dieselbe, wie immer: Mit der Bibel in der Hand suchen und geben wir Orientierung weiter an Jugendliche, zeigen ihnen die Tiefe und Schönheit des Glaubens und der Glaubensgemeinschaft und helfen dadurch in unserer KI-Welt zurecht zu kommen.