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Mission

Berufung in die Mission - wie bekomme ich Gewissheit?

Wie erkenne ich, ob ich zum Dienst als Missionar berufen bin? Wie schenkt Gott Gewissheit?

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11. April 2009
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6 min

Der auferstandene Jesus Christus hat seiner Gemeinde den Auftrag gegeben, das Evangelium in alle Welt zu tragen. Die ganze Gemeinde und jeder einzelne Christ soll daran beteiligt sein, einige sogar als hauptamtlicher Missionar.

Übernatürliche Berufungen

Berufung – da denken wir sofort an übernatürliche Ereignisse, wie der brennende Dornbusch bei Mose (2.Mose 3), die Engelserscheinung bei Gideon (Richter 6), die Vision des Jesaja (Jesaja 6) oder der Lichtstrahl vom Himmel bei Saulus (Apostelgeschichte 9). Und diese außergewöhnlichen Erfahrungen haben unser Verständnis vom biblischen Begriff der Berufung geprägt.

Unscheinbare Berufungen

Gott kann so spektakulär eingreifen, doch in den meisten Fällen sieht seine Führung ganz anders aus:
unscheinbar, leise, schrittweise und dies ist viel mehr die Regel im Alten und Neuen Testament.

Beispiel Silas

Betrachten wir zum Beispiel die Berufung von Silas, jenem großen Missionar im Neuen Testament und engsten Mitarbeiter des Apostel Paulus. Von seiner Berufung zum Missionsdienst lesen wir in Apg. 15,40 lediglich: „Paulus aber wählte Silas und zog fort, von den Brüdern der Gnade Gottes anbefohlen.“ Hier wird nicht erkennbar, dass Gott mit ihm direkt gesprochen hat, Silas erscheint unbeteiligt und passiv. Im Mittelpunkt steht vielmehr der Apostel Paulus, der sich in einer ernsten personellen Notlage befindet. Nach der Trennung von seinem Kollegen Barnabas (Apostelgeschichte 15,39) steht er alleine da und braucht dringend Mitarbeiter. Da entsinnt er sich eines Silas aus Jerusalem, der nach einem Kurzeinsatz in Antiochia unlängst wieder abgereist ist. Paulus hat ihn persönlich kennengelernt und gut mit ihm zusammengearbeitet. Jetzt aber ist er wieder in seiner Heimatstadt Jerusalem 2, 500 Kilometer südlich, eine Weltreise in der damaligen Zeit. Paulus wählt diesen Silas und nicht einen der Mitarbeiter in Antiochia. Er scheut keine Mühe und Umstände, um Silas als Mitarbeiter an seiner Seite zu haben. Vordergründig ist es eine menschliche Entscheidung von Paulus, geboren aus dem Mitarbeiterengpass, den guten persönlichen Erfahrungen während des Kurzeinsatzes und strategischen Überlegungen. Dahinter aber steht Gottes Führung, und Silas kann dies als Gottes Berufung in seinem Leben annehmen. An diesem Beispiel werden drei Grundprinzipien deutlich:

Gottes Berufen durch Fakten

Gott gebraucht menschliche Überlegungen, nüchterne Zahlen und Fakten. Bei William Carey, dem Pionier der modernen Missionsbewegung vor 200 Jahren, waren es demographische Daten über verschiedene Länder, die ihm die Augen für die noch unerreichten Völker öffneten. Bei Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf war es eine persönliche Begegnung mit dem schwarzen, ehemaligen Sklaven Anton. So erfuhr er am Rande der Krönungsfeier des dänischen Königs in Kopenhagen vom Elend der Sklaven in der Karibik und ein Jahr später waren die ersten Missionare von Herrnhut zu gerade dieser Insel entsandt worden. Gott gebraucht Vernunft (Apostelgeschichte 14,6), Logik (Apostelgeschichte 16,13), strategische Überlegungen (Apostelgeschichte 13,6), seelsorgerliches Mitgefühl (Apostelgeschichte 15,37), Umstände (Apostelgeschichte 14.19) und selbst Verfolgung (Apostelgeschichte 9,24), um zu führen und Gewissheit zu schenken.

Gottes Reden durch Mitchristen

Zudem spricht Gott oft nicht zur berufenen Person selbst, sondern durch andere Menschen. Beim Apostel Paulus war es Ananias in Damaskus (Apostelgeschichte 9,15) und nicht Jesus selbst bei der eindrucksvollen Erscheinung vor Damaskus, der ihm die Berufung zum Apostel der Nationen zuspricht. Bei Timotheus war es Paulus (Apostelgeschichte 16,3), und bei Johannes Markus war es Barnabas (Apostelgeschichte 12,25). Immer wieder gebraucht Gott Menschen, um klare Gewissheit zu schenken (Apostelgeschichte 9,25u.27u.30; 11,25; 15,40). So wird die persönliche Überzeugung (subjektive Berufung) ergänzt durch Faktoren und Umstände, die außerhalb der Person liegen (objektive Berufung). Dies gibt Gewissheit, die auch durch Krisen hindurchträgt.

Berufung als Prozess

Berufung ist oft ein langer Prozess und nicht ein punktuelles Ereignis. Was bei Silas als eine spontane Entscheidung des Paulus erscheint, hatte tatsächlich eine lange Vorgeschichte:

  • Silas war ein bewährter Mitarbeiter in der Gemeinde in Jerusalem und wirkte beim Apostelkonzil mit (Apostelgeschichte 15,22), jener  grundlegenden missiologischen Entscheidung, wie man Christ wird und als Christ leben kann und ob die jüdischen Satzungen für alle verbindlich sind.
  • Er wird anschließend von der Gemeinde und den Aposteln als Vertrauensperson ausgewählt (V.22) und zusammen mit Paulus und Barnabas nach Antiochia gesandt.
  • Er wird als angesehene Person (V. 22) bezeichnet, d. h. eine Führernatur mit Autorität, eine Person, die klare Entscheidungen zu treffen vermag, deren Wort Gewicht hat.
  • Er hat sein Leben für Jesus eingesetzt (V. 26). Dies verdeutlicht seine Hingabe, seinen ganzen Einsatz, Dienstbereitschaft, den Mut, Neues zu wagen, Risikobereitschaft und Tapferkeit, aber auch seine Kompromissfähigkeit, Weisheit und Liebe zu Jesus.
  • Zusammen mit einem weiteren Mitarbeiter sollte Silas der Gemeinde in Antiochia die Apostelbeschlüsse mündlich erklären (V. 27), d. h. öffentlich bekanntmachen, proklamieren. Dies weist auf seine Redegabe und Kommunikationsfähigkeit hin.
  • Silas wird zudem als Prophet (V. 32) bezeichnet, als eine Person, die öffentlich verkündigt, Gottes Wort in die Lebenssituation der Zuhörer auslegt und von Gottes Geist geleitet wird.
  • Er ermahnte die Brüder (V. 32), d.h. er war fähig, andere zu trösten, zu ermutigen, aufzurichten, seelsorgerlichen Zuspruch zu geben.
  • Er ermahnte mit vielen Worten (V. 32). Dies unterstreicht seine Beharrlichkeit und Ausdauer, den langen Atem.
  • Silas stärkte die Gemeinde (V. 32), d.h. er festigt, baut auf, stützt die Schwachen, gründet die noch Jungen im Glauben. Er stärkt die Angefochtenen, ermutigt die Schwachen und arbeitet zielstrebig.

Dies alles geschieht im multikulturellen Kontext der Gemeinde in Antiochia, einer der größten Städte im römischen Reich, die stark von der griechischen Kultur geprägt war.

Gemeinde als Trainingsfeld

All diese Qualitäten von Silas sind nicht von heute auf morgen entstanden, sondern über Jahre des Dienstes langsam gewachsen. Die Mitarbeit in der Gemeinde in Jerusalem war keine verlorene Zeit. Sie war vielmehr Gottes Schule und Trainingsfeld, um geistliche Gaben zu entfalten, Erfahrungen im Dienst zu sammeln, im Glauben zu wachsen und sich im Missionsdienst zu bewähren: Gott bereitet seine Mitarbeiter zu! Dies ist nun die Person, die Paulus wählt. Insofern lautet die Grundfrage nicht: „Wie finde ich meinen Platz in der Weltmission?“ sondern vielmehr: „Wie werde ich die Person, die Gott gebrauchen kann?“

Gemeinde als Ort der Berufung

Silas wurde in der Gemeinde in Jerusalem gefördert; die Gemeinde wählte ihn aus und sandte ihn zum Kurzeinsatz nach Antiochia. Dort arbeitete Silas mit in Lehre, Unterweisung und Seelsorge. Die Gemeinde in Antiochia lernte ihn kennen. Sie adoptierte ihn und sandte ihn, den Fremden, als ihren Missionar aus: „Von den Brüdern der Gnade Gottes anbefohlen“ (V. 40), d. h. gesegnet und gesandt. Wir sehen daran, dass mindestens zwei Gemeinden (Jerusalem und Antiochia) an der Vorbereitung, Berufung und Sendung des Silas teilhaben. Berufung gehört hinein ins normale Leben der Gemeinde.

Keine private Entscheidung

Sind wir solche Gemeindemitarbeiter wie in Jerusalem, die einen fähigen Silas wahrnehmen, fördern, zum Leiter aufbauen, Verantwortung übertragen, ja sogar in den Leitungskreis mit hinein nehmen, um so die nächste Generation von Leitern zu schulen? Halten wir die Augen offen nach potentiellen Missionaren? Geben wir jungen Menschen eine Perspektive dafür, was Gott aus ihrem Leben machen könnte? Sind wir Mitarbeiter, die Berufungen aussprechen, wie die Gemeindeleitung in Jerusalem oder Paulus, die gezielt Menschen ansprechen? Dies ist eine Anfrage an alle Jugendgruppenleiter, Kindergottesdienstmitarbeiter, Gemeindeältesten, Seelsorger und Pastoren. Ja, das ist unsere Verantwortung vor Gott. Die Berufung von Silas war keine private, persönliche Entscheidung. Viele Menschen hatten Anteil, waren einbezogen in das Geschehen, und das berufende Wort des Paulus „Er aber wählte Silas“ (V. 40) schenkte letzte Gewissheit. Haben wir so wenige Missionare heute, weil Gemeindeverantwortlichen der Mut fehlt, Berufungen auszusprechen und vielleicht sogar ihre besten Leute zu senden? Durch Sendung von Missionaren wird eine Gemeinde nicht ärmer, sondern bereichert.

Stehe ich Gott zur Verfügung? Gott will mein Leben ganz. Er will es heute haben. Er will durch mich handeln, als Beter und Ermutiger, als Unterstützer und Missionspartner, als Person, die Berufungen ausspricht, als Teil einer sendenden Gemeinde, vielleicht auch als Person, die er sendet.

Und ich?

Bin ich selbst bereit, mich senden zu lassen, d. h. die Anfrage einer verantwortlichen Person betend zu bewegen und als Gottes Reden in meinem Leben anzunehmen? So haben David, Silas, Paulus, Johannes Markus und Timotheus ihre Berufung erfahren. Oder schreiben wir Gott vor, wie er zu uns reden müsse und gelangen vielleicht nie zur Gewissheit? Hier ist jeder von uns gefragt. Wir alle sind als Beter und Ermutiger gerufen, Missionsinteressierte in der Vorbereitung zu umbeten, zu beraten und persönlich zu begleiten. Wir alle dürfen teilhaben an der Berufung und Sendung von Menschen, dürfen Gottes Werkzeug sein. Stehe ich Gott zur Verfügung? Gott will mein Leben ganz. Er will es heute haben. Er will durch mich handeln, als Beter und Ermutiger, als Unterstützer und Missionspartner, als Person, die Berufungen ausspricht, als Teil einer  sendenden Gemeinde, vielleicht auch als Person, die er sendet. Jeder Nachfolger Jesu ist zur Tür seines Nachbarn berufen, zu seinem Arbeitskollegen und Bekannten, mancher auch in ein anderes Land. Ja, Dein Leben zählt!