Anbetung oder Lobpreis!?
Dieser Artikel stellt heraus, was Anbetung und Lobpreis im biblischen Sinne meint und warum es wertvoll ist, diese Begriffe nicht nur im Kontext von Lobpreismusik zu verwenden.
Wir machen heute einen „Lobpreisabend“ oder doch eine „Worshipnight“? In unseren Gottesdiensten haben wir eine „Zeit der Anbetung“. Ja was denn nun? Was ist denn der Unterschied? Es haben sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten verschiedene Begrifflichkeiten etabliert. Doch was steht denn hinter den Begriffen „Lobpreis“ und „Anbetung“? Was sagt die Bibel dazu?
Was meinen wir mit Anbetung?
Eine zentrale Stelle zum Thema Anbetung lesen wir in Johannes 4:
Das Wort, das hier für Anbetung verwendet wird, ist προσκυνεω (proskuneo). Es bedeutet, sich vor Gott hinzuwerfen (mit dem Gesicht zu Boden), also ihn zu verehren. Es bezeugt eine ehrerbietende Haltung: Ich verehre Gott, weil er höher und größer ist als ich.
Die alttestamentliche Entsprechung dazu finden wir in Psalm 95,6:
Das hebräische Wort שׁחה (Schachah) bedeutet, sich zu beugen oder sich niederwerfen. Der Psalmist spricht also davon: Kommt, wir wollen uns beugen und uns beugen, wir wollen niederknien (unsere Knie beugen) vor dem Herrn. Anbetung bedeutet Unterordnung unter Gott. Sich zu beugen ist der grundlegendste Bestandteil von Anbetung. Es ist die Unterordnung unseres kompletten Seins unter Gott. Dies entspricht der Kultur des Reiches Gottes, denn einmal werden sich alle Knie vor Jesus beugen müssen (Philipper 2,10-11). Anbetung ist also eine Haltung, die wir einnehmen: Ich ordne mich Gott unter. Warum tue ich das? Weil ich seine Gnade und Liebe erlebt habe. Ich ordne mich nicht aus Zwang unter, sondern weil er alles für mich bereits gegeben hat. Anbetung beginnt deshalb mit der Motivation, Gott zu lieben und ihn zu ehren.
Haltung oder Handlung?
Wenn wir also von Anbetung sprechen, ist es eine Haltung, die wir einnehmen: Wir ordnen uns Gott und seiner Herrschaft unter. Anbetung ist eine Handlung, die alle Handlungen unseres Lebens bestimmt. Paulus fordert uns im Neuen Testament an den verschiedensten Stellen dazu auf, diese Haltung einzunehmen. In 1.Korinther 10,31 spricht er beispielsweise davon, dass alles, was wir tun (ob Essen oder Trinken), geschehen soll zu seiner Ehre. Paulus spricht davon, dass wir unser ganzes Leben als geistlich-lebendiges Opfer Gott geben (Römer 12,1).
Wenn ich mich entscheide, mein Leben Gott zu geben und ihm zu folgen, nehme ich die Haltung ein, ihn zu ehren. Mich ihm unterzuordnen. Anbetung hat deshalb primär auch nicht unbedingt was mit Musik zu tun. Unser ganzes Leben soll in einer Haltung der Anbetung geschehen. Egal, ob im Sportverein, auf der Arbeit, in der Schule oder eben in der Gemeinde.
Was ist dann Lobpreis?
Lobpreis ist per Definition „ein Ausdruck von Respekt und Dankbarkeit als Anerkennung oder Bewunderung.“ Wenn ich Gott also lobe und preise, drücke ich ihm dadurch meine Herzenshaltung aus. Ich handle, ich lobe und preise, aufgrund meiner Haltung (bspw. Ps. 103; Mt. 26,30) Eine Form des Ausdrucks kann deshalb eben die Musik sein, wenn ich ihm mein Lob, meinen Preis und meinen Dank zusinge. Aber eben genauso auch im gesprochenen Gebet kann ich Gott mein Lob ausdrücken. Die Haltung der Anbetung beeinflusst daher, wie ich Gott mein Lob ausdrücke. Anbetung fängt immer mit der Motivation in unserem Herzen an, Gott zu ehren, aber sie endet nie dort. Lobpreis ist daher auch kein Gefühl, sondern ein Ausdruck der Unterordnung Gottes.
Wie können wir in der Gemeinde damit umgehen?
Ich denke, dass es ein sehr wertvoller Schritt sein kann, die Begriffe Lobpreis und Anbetung aus dem rein musikalischen „Wording“ herauszuholen. Anbetung ist eben nicht nur Musik, kein eigenes Genre auf Spotify und auch nicht die eine Art und Weise Gott zu loben, sondern sie drückt die Haltung unseres Lebens aus: Gott ehren zu wollen. Anbetung ist im wahrsten Sinne „der wahre Gottesdienst“ (Römer 12,1), der nicht endet, sobald wir die Gemeinde verlassen, sondern der weitergeht, wenn wir in die Welt hinausgehen. Überall, wo wir sind, dürfen wir Gott ehren. Durch unser Reden, unser Handeln, durch unser Sein. Für mich ist daher das Statement: „Ich mache keine Anbetung, sondern ich werde zur Anbetung“ zentral. Es geht nicht darum, immer wieder einzelne Handlungen zu tun, sondern sein ganzes Leben, als ein Sein der Anbetung gegenüber Gott zu leben.
Und auch im Bereich des Loben und des Preisens, kann es sehr wertvoll sein, diese Begriffe aus dem Kontext der Musik zu lösen. Dann ist es eben auch ein Lob an Gott, wenn ich mich beim Fußballspielen nicht darauf einlasse, den Gegner mitzubeschimpfen. Dann ist es auch ein Dank an Gott, wenn ich mich über Dinge freue, die er in meinem Alltag tut. Natürlich gehören die Begriffe weiterhin auch zur Musik im christlichen Kontext, allerdings nicht nur ausschließlich. Anbetung sollte die Haltung unseres Lebens sein: Wir wollen ihn ehren und ihn in dieser Welt großmachen! Durch Musik und Gesang und weitere Ausdrucksformen.